Ukraine-Krieg aktuell: Analyst warnt, Kampf um Donbass bleibt nicht Putins einziges Ziel
Russland könnte laut Militärexperten in den nächsten drei bis vier Jahren den Donbass erobern. Doch die Ukraine hat Chancen, den Festungsgürtel zu verteidigen. Gleichzeitig warnt ein Analyst davor, dass Putin bei den Gebieten nicht Halt machen wird.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Kampf um ukrainische Festung - Experte rechnet mit Donbass-Einnahme erst in den 2030er Jahren
- Analyst sieht Chance für Ukraine trotz des Vorrückens russischer Truppen
- Der Donbass soll für Putin nur eine Zwischenetappe sein
Wladimir Putin hält offenbar an seinem Ziel fest, den Donbass komplett einzunehmen. Nach Einschätzung von Geheimdienstvertretern könnten russische Streitkräfte im Verlauf des Jahres 2027 den Donbass weitgehend unter ihre Kontrolle bringen. Doch Experten sehen die Situation nicht so eindeutig. Derweil geht der Kampf um eine der wichtigsten Festungen in der Ukraine weiter.
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Truppen-Vormarsch im Donbass Anfang 2030?
Laut "Bild" seien die Oblaste Luhansk und Donezk fast vollständig in russischem Besitz.In der Oblast Donezk hält die Ukraine noch etwa 5.000 Quadratkilometer. Dennoch kommt die russische Armee wohl nur langsam voran. Das Vorrücken der russischen Streitkräfte habe sich auf das niedrigste Tempo seit dem vergangenen Winter verlangsamt. "Beim jetzigen Tempo wäre die Oblast Donezk erst Anfang der 2030er-Jahre eingenommen", ordnet Militäranalyst Franz-Stefan Gady ein.
Oberst offenbart Putins Misere – Sommeroffensive bleibt hinter Erwartungen zurück
Der österreichische Oberst Markus Reisner kommt zu einer ähnlichen Bewertung: Die russische Sommeroffensive bleibe bislang klar hinter den Erwartungen des Kremls zurück. Dennoch bewegten sich Putins Truppen "langsam, aber stetig" vorwärts.
Dass russische Einheiten die Schlüsselstädte Kramatorsk und Slowjansk schon im Frühjahr oder Sommer 2027 erreichen könnten, hält Gady nur unter einer bestimmten Bedingung für denkbar: Moskau müsste eine Mobilmachung anordnen.
Beim aktuellen Tempo hält der Militärexperte Dmitri Kusnez des kremlkritischen Onlineportals "Meduza" zwar keine vom Kreml geplante Eroberung des Donbass in diesem Jahr für möglich, wohl aber 2027.
Das russische Militär konzentriert sich nach dem weitgehenden Erlangen der Kontrolle über die Stadt Kostjantyniwka vor allem auf die weiter unter ukrainischer Kontrolle verbliebenen Teile des Gebietes Donezk um die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka. Große Frontdurchbrüche werden dabei weiterhin erfolgreich von den ukrainischen Drohnenpiloten verhindert.
Ukraine verstärkt Abwehr im Donbass
Zwei neue ukrainische Einheiten verstärken die Abwehr im östlichen Donezk unter Führung von zwei bekannten Kommandeuren, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Telegram-Beitrag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Kämpfer, wie ein Drohnenpilot, versuchen, die eigenen Infanteristen so lange wie möglich am Leben zu halten. Das sagte ein Kommandeur, der "Fleshka" genannt wird, einem "Welt"-Reporter. Für die Abwehr greifen sie unter anderem auf schwere Bomberdrohnen der Typen "Vampire" und "Nemesis" zurück. Diese können Ziele in bis zu 50 Kilometern Entfernung bekämpfen.
Gefährliche Entwicklung im Ukraine-Krieg - Todeszone kostet Putin Soldaten das Leben
Gleichzeitig beschreibt er eine bedrohliche Entwicklung: Die sogenannte Todeszone – jener Bereich, in dem Soldaten permanent mit Drohnenangriffen rechnen müssen – hat sich in den vergangenen Monaten massiv vergrößert. Mittlerweile erstreckt sie sich 20, stellenweise sogar 50 Kilometer tief ins Hinterland. Die russische Strategie setzt auf Verluste. Statt in Gruppen vorzurücken, schickt der Feind seine Soldaten einzeln vor. "Zehn Gruppen bedeuten im Grunde zehn Leute", erklärt er. Schaffe es einer davon bis zum vorgesehenen Punkt, würden erneut zehn Einzelkämpfer losgeschickt. Wieder gelange einer durch, dann der nächste – bis sich schließlich sechs Soldaten an einer Position gesammelt hätten und gemeinsam weiter vorstoßen könnten. Der Blutzoll dafür wäre jedoch enorm: Hunderttausende weitere russische Soldaten könnten dabei fallen oder schwere Verwundungen erleiden.
Militärexperte über wichtigen Faktor zum Schutz der ukrainischen Festung
Oberst Reisner identifiziert die Nachschublinien als den entscheidenden Faktor im Ringen um den ukrainischen Festungsgürtel bei Kramatorsk und Slowjansk. "Gelingt es den russischen Angreifern, diese zu unterbrechen, können die ukrainischen Verteidiger nur sehr begrenzt durchhalten", warnt er.
Donbass ist nur ein Zwischenziel für Putin
Analyst Gady stellt klar, dass die Eroberung des Donbass für den Kreml lediglich ein Zwischenschritt ist. "Der Donbass ist Zwischenziel, nicht Endziel. Die russische Zielsetzung bleibt, die Ukraine in die eigene Einflusssphäre zu holen", betont er. Ukrainischen Geheimdiensterkenntnissen zufolge existieren bereits russische Anschlussplanungen in Richtung Mykolajiw, Cherson und Odessa – allerdings bislang ohne konkrete Zeitvorgaben.
Ob Moskau diese weitreichenden Ambitionen umsetzen kann, hängt maßgeblich von der Frage einer Mobilmachung ab. Gady hält es für unwahrscheinlich, dass der Kreml diesen innenpolitisch heiklen Schritt vor den nächsten Wahlen wagt. "Moskau wird sie kaum vor den Wahlen ansetzen, und wenn sie kommt, hat die Ukraine keinen entsprechenden Gegenzug", warnt Grady.
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bos/bua/news.de/dpa/stg
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