NSDAP-Akten: Hitlers Parteigenossen nur überzeugte Nazis? Was eine Mitgliedschaft wirklich bedeutete

Während der Zeit des Dritten Reichs hatte die NSDAP mehrere Millionen Mitglieder. Etwa jeder zehnte Deutsche gehörte einst der Hitler-Partei an. Handelte es sich dabei jedoch nur um überzeugte Nationalsozialisten?

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Viele Deutsche haben einst den Kurs der Nationalsozialisten unter Diktator Adolf Hitler (vorn, Mitte) unterstützt. (Foto) Suche
Viele Deutsche haben einst den Kurs der Nationalsozialisten unter Diktator Adolf Hitler (vorn, Mitte) unterstützt. Bild: picture alliance/dpa/AP | -
  • Der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter wertete für ein Buch NSDAP-Akten aus
  • Nur jeder Zehnte Deutsche war Mitglied der Nazi-Partei, auch weil es Adolf Hitler so wollte
  • Viele Mitläufer, lediglich ein Drittel der Bevölkerung seien überzeugte Nationalsozialisten gewesen

Die Zeit unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ist die dunkelste Episode der deutschen Geschichte. Adolf Hitler führte das Land in den Zweiten Weltkrieg und ist für den Tod mehrerer Millionen Menschen verantwortlich. Dabei hatte der Diktator viele Unterstützer. Welche Rolle spielte damals aber konkret seine Partei NSDAP?

NSDAP-Akten zeigen: Jeder Zehnte war Mitglied der Nazi-Partei

Bereits im Jahr 2020 veröffentlichte der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter das Buch "Hitlers Parteigenossen" im Campus-Verlag. Für das Werk wertete er die Mitgliederkartei der NSDAP systematisch aus. Es stellte sich heraus, dass nur jeder zehnte Deutsche auch Mitglied der Nazi-Partei war. Die "Bild" veröffentlichte nun eine Kartei, mit der sich die NSDAP-Geschichte der eigenen Vorfahren nachvollziehen lässt. Mit Professor Falter sprach das Boulevardblatt zudem über die Bedeutung einer Mitgliedschaft in der Partei.

Gründe für Mitgliedschaft in der NSDAP waren vielfältig laut Autor Jürgen W. Falter

"Dass jemand in der NSDAP war, bedeutet nicht automatisch, überzeugter Nationalsozialist gewesen zu sein", stellt Falter gegenüber der "Bild" klar. Zahlreiche Mitglieder seien nach 1933 aus purem Opportunismus beigetreten – um beruflich voranzukommen, Erwartungen zu erfüllen oder sich selbst zu schützen. Zudem wollte Adolf Hitler selbst die Mitgliederzahl deckeln, um den "revolutionären Charakter" seiner Bewegung "nicht zu verwässern". In "Mein Kampf" unterschied er zwischen bloßen Sympathisanten und aktiven Kämpfern. Letztere sollten die Partei ausmachen.

Besonders auffällig: Nach der Machtübernahme 1933 vervierfachte sich die Zahl beitretender Beamter in der NSDAP, bei Lehrern versechsfachte sie sich sogar. Die sogenannte Kriegskindergeneration – während des Ersten Weltkriegs aufgewachsen – war überproportional stark vertreten, stärker noch als ehemalige Frontsoldaten. Arbeiter stellten 40 Prozent der Mitglieder.

Der Ansturm erzwang Gegenmaßnahmen: Von Mai 1933 bis 1937 durften ausschließlich Angehörige von Hitlerjugend, SA und SS eintreten. Als die Sperre fiel, strömten in einem einzigen Jahr über 2,7 Millionen Neumitglieder in die Partei. Aus einer Partei mit zunächst nur wenigen Hundert Mitgliedern wurde die NSDAP schließlich eine Massenpartei.

Offener Widerstand gegen Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten war gefährlich

Doch was sagt es über jemanden aus, der kein Parteimitglied war? Laut Falter genoss das Regime bis Kriegsbeginn auch weit über die Parteigrenzen hinaus breite Zustimmung. Der Publizist Sebastian Haffner teilte die Bevölkerung in drei gleich große Gruppen ein: überzeugte Nationalsozialisten, Opportunisten und Mitläufer sowie Gegner des Regimes. Falter hält diese Einschätzung laut "Bild" für zutreffend. Offener Widerstand blieb die absolute Ausnahme – er konnte im schlimmsten Fall das Leben kosten. Stattdessen dominierte stilles Mitmachen, selbst unter jenen ohne nationalsozialistische Überzeugung.

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