Donald Trump und Kim Jong Un: Er prahlt mit besonderer Freundschaft - "er respektiert mich"
Eine Reporterfrage lässt US-Präsident Donald Trump ins Schwärmen geraten - und das ausgerechnet für Nordkorea-Diktator Kim Jong Un. In der Atomwaffen-Frage unterscheide Trump daher nur aus einem einzigen Grund - Freundschaft.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Donald Trump überrascht mit Begründung für Nordkoreas Atomwaffen
- Kim Jong Un als „Freund" des US-Präsidenten – mit Folgen für die Nuklearpolitik
- 57 nordkoreanische Atomsprengköpfe und neue Raketentests –
- Iran unter Trump mit deutlich härterem Kurs konfrontiert
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag eine bemerkenswert absurde Erklärung dafür geliefert, warum Nordkorea über Nuklearwaffen verfügen dürfe, der Iran jedoch nicht. Dabei hat sich Trump keineswegs um Objektivität bemüht. Seine persönliche Beziehung ist hier ein entscheidender Faktor.
Trump: Kim Jong Un is a friend of mine. He likes Trump. Doesn't like a lot of other people.
— Republicans against Trump (@RpsAgainstTrump) September 29, 2026
I'm the only person in the entire world that he likes. And I like him. pic.twitter.com/SS4F4bLa4p
US-Präsident Donald Trump überrascht bei Atomwaffen-Frage
Ein Ausschnitt des TV-Interviews, hier vom trumpkritischen Kanal "Republicans against Trump" bei X geteilt, zeigt die Absurdität der Szenerie. Trump wird nach dem Unterschied bei der Atomwaffenfrage im Hinblick auf den Iran und Nordkorea befragt. Die Antwort des US-Präsidenten überrascht.
Donald Trump: "Kim Jong Un. Er ist ein Freund von mir."
Warum er hier unterscheide? "Weil es einen anderen Präsidenten gab. Kim Jong Un. Er ist ein Freund von mir. Er mag Trump. Ich mag ihn", sagte Trump kurzerhand. Solange er da sei, wird es ihm gut gehen. Und weiter: "Ich bin die einzige Person auf der ganzen Welt, die er mag. Und ich mag ihn."
Mit diesen Worten begründete der Präsident den unterschiedlichen Umgang mit den beiden Staaten in der Atomfrage allein durch persönliche Sympathie. Eine, die weit über Kim Jong Un hinausgeht. Bereits vor einigen Tagen am Rande eines Treffens mit Nahost-Vertretern schwärmte Donald Trump von autoritären Führern- eine Haltung, die bei Experten für scharfe Kritik sorgt.
57 Atomwaffen und kein Ende der Raketentests - Nordkorea also nicht gefährlich?
Trump selbst hat zuvor eingeräumt, dass Nordkorea über ein beträchtliches Nukleararsenal verfügt. Am 19. August bezifferte er die Zahl der nordkoreanischen Sprengköpfe auf 57 und bezeichnete sie als "sehr mächtig". Gleichzeitig äußerte er die Erwartung, Kim noch in diesem Jahr persönlich zu treffen.
Trotz Trumps Bemühungen um eine Wiederaufnahme direkter Gespräche setzt Pjöngjang seine Waffenentwicklung unvermindert fort. Am 20. September feuerte Nordkorea nach Angaben südkoreanischer und japanischer Behörden zwei ballistische Kurzstreckenraketen von seiner Ostküste ins Meer ab.
Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump dreimal mit Kim verhandelt – 2018 und 2019. Diese Gespräche endeten jedoch ohne jede Einigung - Freundschaft hin oder her. Nordkorea trieb danach sowohl sein Atom- als auch sein Raketenprogramm weiter voran. An dieser Realität hat sich bis heute nichts geändert.
Experte: Freundschaft ersetzt keine Nichtverbreitungspolitik
Rajan Menon, emeritierter Professor für internationale Beziehungen am City College of New York, wies Trumps Argumentation entschieden zurück. "Wer für Nichtverbreitung steht, kann nicht sagen, es sei in Ordnung, weil sie die Waffen bereits haben", erklärte Menon gegenüber "Newsweek". Dass Nordkorea faktisch eine Atommacht sei, lasse sich zwar nicht mehr rückgängig machen – daraus folge aber kein Freibrief für Pjöngjang.
Zugleich machte der Experte deutlich, welche strategischen Konsequenzen Nordkoreas nukleare Aufrüstung hat. Ein militärischer Konflikt mit dem Land sei schlicht undenkbar geworden. "Sind Sie bereit, das Risiko einzugehen, dass sie San Francisco oder Los Angeles auslöschen könnten?", fragte Menon. Die Zweitschlagfähigkeit Nordkoreas mache jeden Angriff zu einem irrationalen Unterfangen. Genau diese Abschreckungswirkung zeige, warum eine auf persönlichen Beziehungen basierende Nuklearpolitik so problematisch sei.
Gescheitertes Atomabkommen und abgelehntes Angebot
Gegenüber dem Iran verfolgt die Trump-Regierung eine kompromisslose Linie. Teheran besitzt zwar keine Nuklearwaffen, betreibt jedoch ein Atomprogramm mit Urananreicherung. Washington betont wiederholt, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atombombe gelangen dürfe. Der folgende Angriff sorgte sogar bei Militär-Experten aus Trumps engstem Umfeld für heftigen Widerstand.
Die diplomatische Vorgeschichte belastet die Verhandlungen erheblich. 2015 hatten die Obama-Regierung und weitere Weltmächte mit Teheran das Atomabkommen JCPOA geschlossen, das Irans nukleare Aktivitäten im Gegenzug für Sanktionserleichterungen einschränkte. Trump kündigte das Abkommen 2018 einseitig auf und setzte die US-Sanktionen wieder in Kraft.
Am vergangenen Wochenende lehnte Trump das jüngste iranische Verhandlungsangebot ab. Dennoch laufen die indirekten Gespräche zwischen beiden Seiten über Vermittler wie Katar weiter. Neben dem Atomprogramm stehen dabei auch die Straße von Hormus und die Sanktionspolitik auf der Agenda.
Hardliner in Teheran sehen sich bestätigt
Menon warnte zudem vor den weitreichenden Folgen von Trumps widersprüchlicher Strategie für die Iran-Diplomatie. "Man zerreißt einen Vertrag und greift dann an, und der Krieg löst das Problem nicht", sagte der Politikwissenschaftler. Damit spiele Washington genau jenen Kräften in Teheran in die Hände, die Verhandlungen mit den USA schon immer für aussichtslos gehalten hätten. "Man stärkt die Hardliner, die nie an das Abkommen geglaubt haben", so Menon.
Trotz dieser Spannungen und der gegensätzlichen Behandlung Nordkoreas und des Iran deutet derzeit nichts auf einen Abbruch der diplomatischen Bemühungen hin. Vertreter beider Seiten signalisierten, dass die indirekten Gespräche über Vermittlerstaaten fortgesetzt werden sollen. Ob die auf persönlicher Sympathie beruhende Unterscheidung zwischen den beiden Atomprogrammen dabei zu einer tragfähigen Lösung beitragen kann, bleibt offen.
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