Kurz vor Berlin-Wahl: Merz wirbt für CDU-Mann – und schießt sich damit selbst ins Bein

Kurz vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl wirbt Friedrich Merz auf Instagram für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers. Doch der Beitrag sorgt für heftige Reaktionen. Einige Kommentatoren prophezeien bereits eine "Kanzlerdämmerung".

Von news.de Redakteurin - Uhr

Friedrich Merz macht Wahlwerbung für Stefan Evers für Berlin. Doch auf Instagram geht der Schuss nach hinten los. (Foto) Suche
Friedrich Merz macht Wahlwerbung für Stefan Evers für Berlin. Doch auf Instagram geht der Schuss nach hinten los. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Friedrich Merz wirbt wenige Tage vor der Berlin-Wahl öffentlich für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers
  • In seinem Appell setzt der Kanzler auf Themen wie Wohnungsbau, Sicherheit, Bildung und den Umgang mit politischen Protesten
  • Unter dem Instagram-Beitrag finden sich zahlreiche scharfe Kommentare gegen Merz und die CDU

Eigentlich sollte es ein letzter Schub für den Berliner CDU-Wahlkampf werden. Bundeskanzler Friedrich Merz hat kurz vor der Abgeordnetenhauswahl auf Instagram für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers geworben. Ein gemeinsames Foto, dazu ein eindringlicher Appell an die Berlinerinnen und Berliner: Die CDU will im Wahlkampfendspurt noch einmal mobilisieren. Doch zumindest in der Kommentarspalte fällt die Reaktion auf den Beitrag deutlich kritischer aus. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer nutzen den Post, um ihren Unmut über die CDU und den Kanzler loszuwerden. Dabei fallen deutliche Worte – von Vorwürfen, man sei "belogen und betrogen" worden, bis hin zu persönlichen Rücktrittsforderungen an Merz. Für Evers ist die prominente Unterstützung damit zumindest in den Kommentaren nicht mit ausschließlich positiven Reaktionen verbunden.

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Friedrich Merz ruft zur Wahl von Stefan Evers in Berlin auf

Im Wahlkampfappell stellt die CDU zentrale Berliner Streitfragen in den Mittelpunkt. Die Partei wirbt für schnelleren Wohnungsbau und grenzt sich zugleich scharf von Forderungen nach Vergesellschaftung beziehungsweise Enteignung großer Wohnungsunternehmen ab. Auch beim Thema Sicherheit zieht der Kanzler-Beitrag eine klare Linie. Er wirbt für eine gestärkte Polizei und Feuerwehr und warnt zugleich vor einer Schwächung der Sicherheitsbehörden. Darüber hinaus spricht die CDU die Debatten um politische Proteste und Israel-bezogene Demonstrationen in Berlin an. Im Beitrag warnt die christdemokratische Partei vor einer Stadt, deren "Straßen und Bühnen" von Intifada-Rufen dominiert würden. Evers wird dabei als Kandidat dargestellt, der für bezahlbaren Wohnraum, Sicherheit und bessere Bildung stehe. Zugleich attestiert der Kanzler dem Berliner CDU-Spitzenkandidaten "Haltung gegen Hass und Hetze". Am Ende steht der Wahlkampfslogan "Berlin, bleib stabil" – verbunden mit dem Appell, am Sonntag CDU zu wählen.

"Belogen und betrogen": Instagram rechnet mit der CDU ab

Unter dem Beitrag fällt der Ton allerdings deutlich härter aus. Ein Nutzer schreibt: "NEIN zur CDU. Keine Stimme für diese Partei". Ein anderer kommentiert: "Wir wurden belogen und betrogen!!!! Und jetzt wollt ihr unsere Stimme?????? NIEMALS." Auch die Arbeit des Berliner Senats wird in den Kommentaren thematisiert. Ein Nutzer schreibt, man sei "unzufrieden mit der Arbeit des Senats" und wolle die CDU künftig nicht mehr in Regierungsverantwortung sehen. Ein weiterer Kommentator meint, die CDU passe schlicht "nicht zum bunten modernen jungen Berlin". Besonders deutlich wird die Kritik dort, wo Nutzer den Berliner Wahltermin mit der bundespolitischen Situation verknüpfen. "Sonntag 18 Uhr Kanzlerdämmerung", heißt es in einem Kommentar. Ein anderer Nutzer fällt sein Urteil noch kürzer aus: "Die CDU hat fertig." Dabei handelt es sich um einzelne Kommentare unter dem Instagram-Beitrag und nicht um eine repräsentative Erhebung der Stimmung in Berlin.

Auffällig ist zudem, dass sich einige Kommentatoren nicht nur an Merz, sondern direkt an Stefan Evers wenden. Sie stellen infrage, ob die Unterstützung durch den Bundeskanzler im Berliner Wahlkampf tatsächlich hilfreich ist. "Wenn Sie gewinnen wollen, würde ich empfehlen, sich nicht von Herrn Merz 'unterstützen' zu lassen", schreibt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert: "Wahlkampf okay ... Aber doch nicht mit dem Typ an Ihrer Seite." Damit wird Evers in den Kommentaren unmittelbar mit der bundespolitischen Bilanz der CDU und der Person des Kanzlers in Verbindung gebracht.

CDU verliert gegen Linke in aktuellen Umfragen

Das ist vor dem Hintergrund des engen Rennens in Berlin besonders relevant. Die jüngste Forschungsgruppe-Wahlen-Erhebung für das ZDF sieht die Linke bei 22 Prozent und die CDU bei 20 Prozent. Die AfD folgt mit 18 Prozent, die Grünen kommen auf 15 Prozent, die SPD auf 12 Prozent. Bei der Frage nach dem bevorzugten Regierenden Bürgermeister liegen Linken-Kandidatin Elif Eralp und Evers ebenfalls eng beieinander: 25 zu 24 Prozent.

Nicht nur die CDU bekommt unter dem Wahlkampfpost Gegenwind. Mehrere Nutzer wenden sich direkt an den Kanzler. "Komm Friedrich .. geh einfach", lautet etwa ein Kommentar. Ein anderer zieht eine direkte Parallele zwischen der Situation in Berlin und der Bundespolitik: "So wie Deutschland mit Merz." Die Kommentarspalte unter dem Beitrag wird damit zu einer Mischung aus Berliner Wahlkampf und grundsätzlicher Kritik an der Bundesregierung.

Friedrich Merz steht selbst unter Druck

Dass Merz ausgerechnet wenige Tage vor der Wahl so deutlich in den Berliner Wahlkampf eingreift, kommt in eine politisch angespannte Phase. Die CDU muss in Berlin mit 20 Prozent laut aktueller Umfrage um Platz eins kämpfen; gleichzeitig liegt die Linke nur zwei Prozentpunkte entfernt. Bundesweit steht Merz ebenfalls unter Druck. Nach dem schlechten Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und mit Blick auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist innerhalb der Union eine Debatte über seine politische Zukunft entstanden. Merz selbst hat erklärt, seine Amtszeit regulär fortsetzen zu wollen.

In Berlin versucht der Kanzler derweil, gemeinsam mit Evers noch einmal für die CDU zu mobilisieren. Ob die prominente Unterstützung bei den Wählerinnen und Wählern verfängt, lässt sich aus den Reaktionen auf einen einzelnen Instagram-Beitrag nicht ableiten. Fest steht jedoch: Unter Merz' Wahlkampfpost für Evers findet sich reichlich Kritik – und manche Nutzer verbinden die Berliner Wahl am Sonntag bereits ausdrücklich mit der Zukunft des Kanzlers.

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