Künstler Banksy parodiert Disneyland: "Dismaland": Freizeitpark des Todes

In diesem Freizeitpark gehen keine Kinderträume in Erfüllung, im Gegenteil. Hierhin sollten Sie ihre Kinder wirklich nicht mitnehmen. Cinderella hängt leblos aus ihrer Kürbiskutsche, in einem Wasserbecken tuckern kleine Boote voller Flüchtlinge...

Hinter dem verfallenen Märchenschloss ist Cinderella tödlich verunglückt. Bild: dpa

Cinderella hängt schlaff und leblos aus ihrer Zauberkutsche, die Pferde liegen verrenkt vor dem umgekippten Wagen. Vor der toten Märchenprinzessin schubst sich ein Rudel Paparazzi. Das quietschende Riesenrad stoppt ständig. Im Kinderkarussel hängt ein Pferd kopfüber, darunter sitzt der Metzger auf Kisten mit der Aufschrift "Lasagne".

"Dismaland" - eine Parodie des Künstlers Banksy auf Disneyland

"Dismal" - das heißt übersetzt "trostlos". Und genau das ist dieser alptraumhafte Anti-Freizeitpark: ein trauriger Ort, der die Katastrophen der heutigen Zeit schockierend real präsentiert. Der Name ist angelehnt an das Kinderparadies Disneyland, doch im "Dismaland" haben Kinder wirklich nichts verloren.

Es ist die jüngste Installation des britischen Künstlers Banksy. Für seine meist politisch inspirierte Street Art weltbekannt, zeigt Banksy im "Dismaland" eigene Skulpturen und Werke von knapp 60 Kollegen. Auch Größen wie sein Landsmann Damien Hirst sind dabei. Der Künstler lebt vollständig anonym. In einem seiner seltenen Interviews erklärt er dem "Guardian", was "Dismaland" ist: "Im Grunde ist es ein Festival für Kunst, Unterhaltung und Anarchismus für Einsteiger. Ein Ort, an dem man Gegenkultur einfach und freiverkäuflich bekommt."

Im Kinderkarussel sind die Pferde nicht zum fröhlichen Ponyreiten da: Es gibt frische Lasagne. Bild: dpa

Ausstellung in Weston-super-Mare bis 27. September

In der englischen Küstenstadt Weston-super-Mare ist die Ausstellung noch bis Sonntag, 27. September, zu begutachten. Und Banksy hätte sich keinen besseren Ort für die Installation aussuchen können als das verfallene Freibad dieser trostlosen Kleinstadt. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, müsse man sich dort auf Düsteres und Absurdes einstellen.

Die britische Presse jedoch ist begeistert von dem Anti-Spaßpark. Der "Guardian" befand die Installation für "urkomisch, manchmal erhellend und gelegentlich atemberaubend schockierend", "zutiefst verunsichernd..., aber bizarr unterhaltsam", urteilt der "Independent".

Trostloser Anti-Spaß ungeeignet für Kinder: Tod, Gewalt, Skandale

Obwohl der Künstler ausdrücklich verkündete hatte, dass "Dismaland" ungeeignet für Kinder sei, warteten auch zahlreiche Familien vor dem Eingang. Dort werden sie vom mürrischen Personal mit pinken Micky-Maus-Ohren angemotzt: "Nicht lächeln!" Der Bezug zum echten Disneyland sei allgegenwärtig, wie die dpa berichtet. Dennoch bliebe die Stimmung trübselig. Auch die Besucher wirken merkwürdig ernst, als sie auf einem Teich nach Quietschentchen angeln, die um einen ölverschmierten Pelikan herumtreiben.

Die Luftballons im "Dismaland" sind schwarz, Poster erinnern an die vielen Menschen, die in Polizeigewahrsam sterben, aus den Lautsprechern ertönen verzerrte Ansagen, die vor Grausamkeit, Gewalt und dem Leben warnen. Das Märchenschloss ist niedergebrannt. Und auf einem kleinen Tümpel mit halb versunkenem Panzerfahrzeug tuckern kleine Boote voller Flüchtlinge.

FOTOS: Kunst mit Photoshop Street Eraser - Mit dem Radiergummi durch London
zurück Weiter Street Eraser in der Shoreditch High Street in London. (Foto) Foto: Screenshot Twitter / Gizmodo Kamera

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lvo/zij/news.de/dpa

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