Lungenkrebs Bei Diagnose Tod

Die Diagnose Lungenkrebs ist fast wie ein Todesurteil. Nur etwa jeder fünfte Patient überlebt - länger als fünf Jahre. Chemotherapie, Bestrahlung und Operation werden zum Martyrium. Im news.de-Gespräch berichtet ein Betroffener, wie es ist, mit der Diagnose zu leben und wie schwer der Kampf gegen den Krebs ist.

Untersuchung (Foto)
Lungenkrebs macht sich häufig durch Reizhusten bemerkbar. Bild: DAK

Mehrere Jahre vor der Diagnose Lungenkrebs schwören viele Patienten plötzlich dem Rauchen ab. Diesen Zusammenhang beobachten Ärzte und vermuten, dass ein abrupter Rauchstopp ein Frühsymptom sein könnte, schreibt der Focus. Auch René Schlutter (45) hat viele Jahre geraucht. Als er die Diagnose Bronchialkarzinom erhält, war er schon seit zehn Jahren Nichtraucher. Unbemerkt wuchert der Krebs in seiner Lunge. Was das bedeutet, zeigt sich 2010.

Für den Mittvierziger beginnt das Jahr 2010 gut: Er ist erfolgreich im Job, hat eine Frau und zwei kleine Kinder, die er liebt und will sich gerade ein Haus kaufen. Nur auf die Gesundheit, auf die hat er in den vergangenen Jahren nicht so sehr geachtet. Also fängt der Manager an, Sport zu treiben und seine Ernährung umzustellen. Dann schleicht sich der Krebs in sein Leben.

Glimmstengel ade: Die zehn besten Gründe Nichtraucher zu werden

Bei Hausarbeiten plagen ihn plötzlich starker Reizhusten und höllische Knieschmerzen. «Ich habe mir sofort in der Apotheke ein Hustenmittel gekauft. An Lungenkrebs dachte ich natürlich nicht», sagt er im news.de-Gespräch.

Erst in Indien, als er auf Dienstreise ist, bekommt er Angst. Er hustet viel Blut. Seine Knie schmerzen wie noch nie und die Fußgelenke schwellen an. «Andauernder Reizhusten kann ein Symptom für Lungenkrebs sein», erklärt Professor Dr. Michael Thomas von der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg.

In René Schlutters Fall waren Schmerzen und Wassereinlagerungen in den Gelenken weitere Symptome, die der Tumor verursachte. «Heute weiß ich, dass es sich dabei um das Bamberger SyndromDas ist ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom. handelte. Damals vermutete ich Tuberkulose (TBC), weil ich viel im Ausland unterwegs war», sagt er.

Zurück in Deutschland geht er zum Arzt. «Dort wurde ich sofort auf die Isolationsstation gebracht. Keiner wusste, was los ist. Die Schwestern und Ärzte kamen alle mit Mundschutz zu mir ins Zimmer, weil ich ständig Blut hustete.» Zahlreiche Untersuchungen wie Röntgen, Computertomografie (CT) und Lungenspiegelung folgen, bis René Schlutter am 1. April 2010 die Horror-Diagnose Lungenkrebs erhält. «Ein Aprilscherz sieht anders aus», sagt der Familienvater heute zynisch. «An diesem Tag wurde mir zudem die Besitzurkunde für unser neues Haus überreicht. Damit sollte eigentlich ein neuer, ein schöner Lebensabschnitt mit meiner Familie beginnen. Wie ironisch kann das Leben eigentlich sein?»

Der Wahlbayer gibt zu, an Selbstmord gedacht zu haben. «In diesem Augenblick denkt man, es ist sowieso alles vorbei.» Aber er beschließt zu kämpfen. Rückhalt gibt ihm in dieser Zeit seine Schwester, die sich darum kümmert, dass er in einer Lungenklinik behandelt wird. Die Ehe mit seiner Frau wird die schwere Zeit nicht überstehen.

Kaum Hoffnung auf Überleben

Der Tumor im rechten Lungenflügel ist 13 Zentimeter groß und inoperapel. «Die Ärzte gaben mir maximal noch zwei Jahre», erinnert er sich. Der Schock sitzt tief. Doch zum Glück hat der Krebs nicht gestreut.

Zwei Chemotherapien mit jeweils fünf Behandlungsrunden sowie gleichzeitiger Bestrahlung folgen. «Die ersten Tage habe ich die Chemo gut vertragen. Erst als ich wieder zuhause war, tauchten Nebenwirkungen auf.» Der heute 45-Jährige kann schlecht laufen, klagt über Schwindel, Schwäche und Haarausfall. Geschmacks- und Geruchsinn verändern sich. «Eistee schmeckte plötzlich so süß wie Sirup», beschreibt er die Veränderungen. Eine Speiseröhrenentzündung macht ihm zusätzlich das Leben zur Qual. In dieser Zeit kann er fast nichts mehr essen. «Es machte mich wahnsinnig, Heißhunger auf ein Wurstbrötchen zu haben und dennoch nichts herunterzubekommen.»

Der Kampf ist nicht aussichtslos

Bei lokal weit fortgeschrittenen Tumoren - wie in René Schlutters Fall - wird dem Facharzt zufolge die Chemotherapie vor der Operation bevorzugt. «Dadurch hofft man, den Tumor zu verkleinern und ihn besser entfernen zu können», so der Experte. Das bringt auch bei René Schlutter den erhofften Erfolg: Der Tumor verschwindet. «Ich war so glücklich und dachte, eine Operation sei jetzt unnötig», sagt er. Doch die Ärzte raten dazu, den rechten Lungenflügel zu entfernen, da das Risiko zu groß sei, dass der Tumor wiederkommt.

Angst vor der Operation hat der Familienvater keine. «Mir ging es zu dieser Zeit gut, körperlich und mental - dachte ich», erinnert er sich. Doch ein Zwischenfall lässt ihn zusammenbrechen. Kurz vor der Operation will er einen Leidensgenossen auf Station besuchen und erfährt von dessen Tod. «Georg war erst 39 und hatte etliche Chemos hinter sich. Ich konnte es einfach nicht fassen», sagt er mit zittriger Stimme. Noch heute treibt ihn die Erinnerung daran die Tränen in die Augen. Ein Gedanke, der ihm zeigt, wie endlich das Leben ist.

Ende Juli wird ihm in einem achtstündigen Eingriff die halbe Lunge entfernt. Nach nur neun Tagen kann er wieder nach Hause. Seitdem hat sich sein Leben verändert. Der 45-Jährige muss sich in vielen Dingen einschränken. Im offenen Meer schwimmen kann er nicht, Treppen steigen fällt ihm schwer, es nimmt ihm die Luft.

Professor Michael Thomas beruhigt: «Auch mit 40 Prozent Lungenvolumen», wie im Fall von René Schlutter, «kann man gut zurechtkommen. Zwar können die Betroffenen keinen Marathon mehr laufen, aber der Körper kann sich darauf einstellen.»

René Schlutter wird als geheilt entlassen. Der Kampf gegen den Krebs hat sich gelohnt. Doch bedauert er heute, dass er keine psychoonkologische Betreuung in Anspruch nahm. «Ich dachte, ich verkrafte das alles schon irgendwie. Erst vier Monate nach der Entlassung bin ich zum Psychologen», sagt er.

Ganzheitliche Behandlung verbessert die Situation

Wie wichtig eine ganzheitliche Betreuung bei Lungenkrebs ist, weiß Professor Michael Thomas: «Eine Studie hat gezeigt, dass das deutlich die Lebensqualität und Überlebenszeit verbessert.» Dazu gehöre es, dass die Patienten alle Informationen über ihre Krankheit, die Symptome wie Depressionen, Schmerzen als auch über den Behandlungsplan erhalten. Zusätzlich sei psychoonkologische und seelsorgerische Hilfe nötig. «Wichtig ist, dass man den Patienten dazu bekommt, sich aktiv mit seiner Krankheit und den möglichen Folgen wie Patientenverfügung, Testament, Beerdigung auseinanderzusetzen», sagt der Facharzt.

Seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus lebt René Schlutter sein Leben intensiver als vorher, denn er weiß nicht, ob der Krebs zurückkommt - und will es auch gar nicht wissen. Er verreist oft, geht verschiedenen Hobbys nach und genießt die Zeit, die ihm noch bleibt.

sca/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • PEDRO
  • Kommentar 1
  • 25.12.2011 12:51

Alles, was man über den Krebs wissen sollte, finden betroffene Personen, indem sie googlen: "Laetril" oder "Vitamin B17" oder "Curcumin" oder www.deutschland-krebsfrei.de. Wenn dann noch ein Arzt gefunden wird, der für den Patienten diese Möglichkeiten mit einbindet, dann ist man auf einer möglichen Erfolgsspur.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig