Lungenkrebs Bis zum letzten Atemzug

Lungenkrebs ist einer der heimtückichsten Tumore. Lange bleibt er im Verborgenen, unerkannt wuchert er vor sich hin. Treten die ersten Symptome auf, ist es meist zu spät. Die Chance auf Heilung ist eingeschränkt. Wie er entsteht, was er anrichtet und welche Therapien es gibt, erklärt news.de.

Krebsdiagnose  (Foto)
Lungenkrebs endet in den meisten Fällen tödlich. Bild: dpa

Wie entsteht Lungenkrebs?

Zellen teilen sich normalerweise nur dann, wenn es für den Körper wichtig ist und der Gesunderhaltung dient. Das betrifft vor allem das Wachstum und die Wundheilung. Teilen sich die Zellen jedoch, obwohl keine neuen benötigt werden, entsteht neues Gewebe, die sogenannte Geschwulst. Dieser Tumor kann gut- oder bösartig sein. Letzterer wächst unkontrolliert und kann in gesundes Gewebe eindringen, es schädigen beziehungsweise zerstören. Gelangen bösartige Zellen in den Blutkreislauf, können sich Tumorabsiedlungen bilden - die sogenannten Metastasen - in anderen Körperteilen oder Organen. Ein Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom) kann in allen Teilen der Lunge enstehen.

Wie wird Lungenkrebs verursacht?

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«85 Prozent der Lungenkrebspatienten sind Raucher», sagt Professor Dr. Michael Thomas von der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Das Risiko, daran zu erkranken, erhöht sich um das 20-Fache, wenn wenn 20 Zigaretten täglich geraucht werden. Ebenso können Passivrauchen, Feinstaub, Lungennarben, Arbeitsstoffe wie Asbest und Quarzrauch sowie erbliche Faktoren die Ursache sein.

Wie macht sich Lungenkrebs bemerkbar?

Lungenkrebs ist besonders heimtückisch, denn er macht sich erst spät bemerkbar. «Andauernder Reizhusten kann ein Symptom sein. Der Tumor verursacht ihn, indem er auf die Bronchien drückt», erklärt Thomas. Einher gehen kann das mit blutigem Auswurf. In diesem Fall ist der Krebs in den Bronchus eingebrochen. «Teilweise handelt es sich dabei um Frühsymptome». Stößt der Tumor gegen die Brustwand oder wächst hinein, verursacht das Schmerzen.

Im news.de-Gespräch berichtet der Experte von weiteren Anzeichen wie dem Bamberger SyndromDas ist ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom. . Der Tumor sondert dabei Botenstoffe ab. Dadurch verdicken sich die Knochen und verursachen Schmerzen. Ein kleinzelliges Lungenkarzinom kann den Salzgehalt im Blut verändern. Die Natriumwerte gehen in den Keller und der Flüssigkeitsgehalt im Körper steigt an. Das führt unter anderem zu Schwäche, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen.

Mitunter werden Hormone wie Kortison oder Kortisol produziert, die zu Fetteinlagerungen im Nacken und den Oberarmen führen können. «Das ähnelt dem Krankheitsbild einer Nebennierenüberfunktion», so der Lungenexperte. Tauchen Fernmetastasen auf, können sie außerdem Knochen- und Kopfschmerzen sowie Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit verursachen.

Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?

Klagt ein Raucher längere Zeit (drei bis vier Wochen) über Reizhusten, der sich nicht bessert, rät Professor Thomas, sich dringend auf Lungenkrebs untersuchen zu lassen. «Die Computertomografie (CT) ist der Goldstandard zur Abklärung.» Erhärtet sich der Verdacht, ist zusätzlich eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) angezeigt. Dabei kann der Arzt Zellgewebe entnehmen und analysieren, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt.

Gibt es diagnostische Verfahren, Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen?

Professor Thomas zufolge gibt es Screeningansätze, die in den USA geprüft wurden. Allerdings ließen die Ergebnisse noch keine klare Empfehlungen zu diesem Verfahren zu.

Wie wird Lungenkrebs behandelt?

Je nachdem welche Form von Lungenkrebs vorliegt (kleinzellig oder nicht-kleinzellig) und wie weit der Krebs schon fortgeschritten ist, gibt es verschiedene Therapieansätze: Für nichtkleinzellige Lungenkarzinome stehen Operation und Strahlentherapie sowie die Chemotherapie zur Verfügung. Anders sieht es beim kleinzelligen Lungenkarzinom aus. Es wächst schnell und bildet früh Metastasen. Eine OP ist nur in seltenen Fällen hilfreich. «Kann man nicht operieren und liegen keine Fernmetastasen vor, wird mit einer Radiochemotherapie behandelt», sagt der Lungenspezialist.

Wie sehen die Überlebenschancen aus?

Die Heilungschancen in der Gruppe aller Patienten mit der Krebserkrankung sind nicht gut. «Fünf Jahre nach Diagnosestellung leben noch etwa 15 bis 18 Prozent der Patienten», so Thomas. Bei einem kleinzelligen Karzinom ist die Überlebensrate deutlich niedriger als bei einem nicht-kleinzelligen. Liegen Fernmetastasen vor, lebt die Hälfte der Patienten mit Therapie noch zehn bis zwölf Monate. Die andere Hälfte stirbt früher. Etwas besser sieht es bei einem limitierten Stadium aus. Eine Operation mit anschließender Chemotherapie erhöht die Überlebenschancen: «Zwei von drei Patienten überleben fünf Jahre», berichtet der Professor.

Gibt es Fälle mit längeren Überlebensraten?

Ja, die gibt es - vor allem in der operierten Situation mit anschließender Chemotherapie. «Das gibt es auch einmal bei metastatsierten Fällen», sagt Thomas. «Wir kennen Menschen, die länger überlebt haben als fünf Jahre.

Wie viele Neuerkrankungen gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es jährlich zwischen 45.000 und 48.000 neue Fälle. «Davon hat knapp die Hälfte Fernmetastasen», berichtet der Lungenexperte. Laut Thomas sind eher ältere Menschen davon betroffen. Das Durchschnittsalter liegt bei 68 Jahren.

Dieser Artikel entstand unter Beratung von Professor Dr. Michael Thomas von der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg

sgo/sca/news.de

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