Wladimir Putin und seine "Fleischwolf"-Armee: Russen-Priester schreiben Putins Soldaten als "Kanonenfutter" ab

Die russisch-orthodoxe Diözese Brjansk wollte das Heldentum russischer Sturmtruppen preisen – und nannte die Soldaten dabei in einer offiziellen Mitteilung pikanterweise "Kanonenfutter". Der peinliche Lapsus wurde eiligst gelöscht, doch der Skandal war bereits perfekt.

Erstellt von - Uhr

Seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Wladimir Putin Heerscharen russischer Soldaten an die Front geschickt - und in den meisten Fällen zugleich in den sicheren Tod. (Foto) Suche
Seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Wladimir Putin Heerscharen russischer Soldaten an die Front geschickt - und in den meisten Fällen zugleich in den sicheren Tod. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Alexei Nikolsky
  • Russisch-orthodoxe Kirche stempelt Putin-Soldaten öffentlich als "Kanonenfutter" ab
  • Lob für russische Soldaten im Ukraine-Krieg geht nach hinten los
  • Russlands Kirche in Erklärungsnot nach "Kanonenfutter"-Fehltritt

Seit Februar 2022 schickt Wladimir Putin russische Soldaten zuhauf in den Ukraine-Krieg, wo Putins Armee rapide dezimiert wird. Neuer Rekruten kann der Kreml-Chef deshalb nur noch mit gewieften Tricks habhaft werden - nun dürfte ein neuer Eklat dafür sorgen, dass Soldatennachschub in der russische Armee noch knapper wird als bisher. Diesmal waren es Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, die mit einer als Soldaten-Lob geplanten Aktion einen handfesten Skandal verursachte.

Ukraine-Krieg aktuell: Putin-Soldaten als "Kanonenfutter" abgestempelt

Die Einzelheiten dazu sind beispielsweise auf dem Nachrichtenportal "UkrMedia" nachzulesen. Konkret waren es Verantwortliche aus der Diözese Brjansk, die ins Fettnäpfchen traten: In einer offiziellen Mitteilung über den Besuch eines Geistlichen bei einer Sturmeinheit der russischen Armee wurde pikanterweise der Begriff "Kanonenfutter" für die eigenen Soldaten verwendet.

Anlass der Mitteilung war eine Reise des Leiters der Militärabteilung der Diözese Brjansk, Priester Konstantin Wasiljew, zu einer Einheit der russischen Militärgruppe "Sewer". Der Besuch erfolgte mit dem Segen von Metropolit Alexander von Brjansk und Sewsk. Priester Wasiljew überbrachte den Soldaten Lebensmittel, warme Kleidung, Medikamente, Tarnnetze und weitere Hilfsgüter, die von Gemeindemitgliedern gesammelt worden waren. Vor Ort hielt der Geistliche einen Gottesdienst ab und besprengte sowohl die russischen Soldaten als auch deren militärische Ausrüstung mit Weihwasser. Darüber hinaus segnete er die Sturmtruppen unmittelbar vor deren Aufbruch zu einem Kampfeinsatz. Laut der Mitteilung der Diözese leitete Wasiljew zudem ein Gebet für den Sieg der russischen Armee.

Russisch-orthodoxe Kirche nach "Kanonenfutter"-Fehltritt am Pranger - das Internet vergisst nichts

Die Veröffentlichung auf der Webseite der Diözese sorgte für erhebliche Empörung in Medien und sozialen Netzwerken. Daraufhin wurde die brisante Formulierung aus dem Text entfernt und durch eine bereinigte Version ersetzt. Die ursprüngliche Fassung ist jedoch weiterhin über Archivdienste sowie in Berichten unabhängiger russischer Medien abrufbar.

Kreml-nahe Russen-Kirche bezeichnet Putins Soldaten offiziell als "Kanonenfutter"

In der ursprünglichen Fassung der Mitteilung hieß es wörtlich: "Sturmtruppen, oder, wie sie auch genannt werden, 'Kanonenfutter', sind ein Symbol für Widerstandskraft, Opferbereitschaft und einen unbeugsamen Willen." Im weiteren Verlauf des Textes wurde dann das angebliche Heldentum der russischen Soldaten bei ihren Kampfeinsätzen hervorgehoben.

Besonders die Verwendung des Begriffs "Kanonenfutter" in einer offiziellen kirchlichen Veröffentlichung erregte Aufmerksamkeit. Im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg hat sich der Ausdruck "Fleischwolf" als Bezeichnung für Angriffe etabliert, bei denen die Truppen besonders schwere Verluste erleiden. Dass ausgerechnet eine Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche diesen Begriff in einer positiv gemeinten Darstellung verwendete, machte die Formulierung umso brisanter.

Russisch-orthodoxe Priester löschen "Kanonenfutter"-Aussage eilig - die Empörungswelle bleibt

Nachdem zahlreiche Medien und Nutzer sozialer Netzwerke die Passage geteilt hatten, reagierte die Diözese Brjansk mit einer stillen Korrektur. Der erste Satz der Mitteilung wurde auf der offiziellen Webseite umgeschrieben. In der neuen Fassung ist lediglich noch davon die Rede, dass Sturmtruppen ein Symbol für Widerstandskraft, Opferbereitschaft und unbeugsamen Willen seien – der Verweis auf "Kanonenfutter" fehlt vollständig.

Die bereinigte Version ist Stand 29. Oktober auf der Seite der Diözese abrufbar. Allerdings haben Archivdienste den Originaltext gesichert. Auch unabhängige russische Publikationen haben die ursprüngliche Formulierung dokumentiert und zitiert, sodass die Löschung die Verbreitung des Wortlauts nicht mehr rückgängig machen konnte.

Auch diese Beiträge zu Wladimir Putin sind einen Blick wert:

/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.