Alexander Kondratov (52) ist tot: Wladimir-Putin-Kritiker tot aufgefunden - Hintergründe unklar

Der Kreml-Kritiker Alexander Kondratov wurde am Moskauer Flughafen festgenommen und ist nun als elfter politischer Häftling in diesem Jahr in russischer Untersuchungshaft gestorben. Die Umstände seines Todes sind nebulös.

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Der Kreml-Kritiker Alexander Kondratov ist bereits der elfte bekannte Fall eines Menschen, der in diesem Jahr in Wladimir Putins Haft starb, während er auf einen Prozess wegen mutmaßlich politisch motivierter Anklagen wartete. (Foto) Suche
Der Kreml-Kritiker Alexander Kondratov ist bereits der elfte bekannte Fall eines Menschen, der in diesem Jahr in Wladimir Putins Haft starb, während er auf einen Prozess wegen mutmaßlich politisch motivierter Anklagen wartete. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Mikhail Metzel
  • Alexander Kondratov (52) ist tot
  • Kreml-Kritiker in russischer U-Haft unter mysteriösen Umständen gestorben
  • Putins politische Häftlinge sterben reihenweise - schon elf Todesfälle in 2026

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexander Kondratov ist im Alter von 52 Jahren in Moskau gestorben. Wie die Menschenrechtsorganisation "Perviy Otdel" berichtete, wurde der Produktionsdesigner am 23. Oktober 2026 mit unbekannten gesundheitlichen Beschwerden in das Moskauer Botkin-Krankenhaus eingeliefert, wo er laut "Daily Mail" verstarb.

Wladimir Putin steckte ihn in U-Haft: Alexander Kondratov in Moskauer Gefängnis gestorben

Kondratov befand sich seit Mai 2026 in Untersuchungshaft und wartete auf seinen Prozess wegen Hochverrats – ein Vorwurf, der in Russland für Männer mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Sein Tod reiht sich in eine erschreckende Serie ein: Er ist bereits der elfte bekannte Fall eines Menschen, der in diesem Jahr in russischer Haft starb, während er auf einen Prozess wegen mutmaßlich politisch motivierter Anklagen wartete.

Zeitgleich mit dem Bekanntwerden seines Todes begann in Sankt Petersburg ein weiterer aufsehenerregender Prozess – gegen den früheren Pro-Kreml-Aktivisten Ilya Remeslo, der sich überraschend gegen Präsident Wladimir Putin gewandt hatte.

Alexander Kondratovs Weg vom preisgekrönten TV-Designer zum Hochverratsverdächtigen

Alexander Kondratov hatte sich als Produktionsdesigner der erfolgreichen russischen Fernsehserie "Liquidation" aus dem Jahr 2007 einen Namen gemacht – einem Krimidrama, das in der Nachkriegszeit spielt. Für seine Arbeit an der Serie erhielt er zwei bedeutende russische Fernsehpreise. Im Jahr 2012 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt in die Ukraine. Am 5. Mai 2026 wurde er von Grenzbeamten am Moskauer Flughafen Wnukowo festgenommen, als er eingereist war, um seinen Pass zu erneuern. Im August folgte die Anklage wegen Hochverrats. Laut seiner Verteidigerin Natalia Tichonowa stützten sich die Vorwürfe auf mindestens sechs Online-Beiträge, die Kondratov verfasst hatte. Der genaue Inhalt dieser Veröffentlichungen in sozialen Medien ist nicht bekannt. Berichten zufolge war er jedoch als offener Kritiker des Kremls bekannt.

Wladimir Putin zerrt ehemaligen Kreml-Helfer Ilya Remeslo vor Gericht

Am 27. Oktober begann in Sankt Petersburg der Prozess gegen den 43-jährigen Ilya Remeslo. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die "Verbreitung falscher Informationen über die russische Armee" vor – ein Straftatbestand, der unter den nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 verschärften Zensurgesetzen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann. Remeslo war jahrelang ein treuer Unterstützer des Kremls gewesen. Er hatte maßgeblich dazu beigetragen, politische Gegner der Regierung juristisch zu verfolgen, und trat als Zeuge der Anklage im Prozess gegen den später verstorbenen Oppositionsführer Alexei Nawalny auf. Umso größer war das Erstaunen, als er sich in diesem Jahr plötzlich gegen Putin stellte. Er bezeichnete den Präsidenten als "Kriegsverbrecher" und erklärte, Moskau führe seinen Angriff auf die Ukraine "einzig zur Befriedigung seines Egos". Nur zwei Tage nach diesen Äußerungen wurde Remeslo im Juli festgenommen.

Angeklagter Putin-Kritiker Remeslo in Zwangspsychiatrie gesteckt

Vor Gericht bekannte sich Remeslo zum Prozessauftakt als nicht schuldig. Bereits bei einer früheren Anhörung hatte er die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. "Ich werde verfolgt, weil ich Behörden kritisiert habe, wegen meiner persönlichen Meinung", erklärte er dem Gericht. Er habe lediglich "von meinem grundlegenden Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht, das von der Verfassung garantiert wird, die leider in Vergessenheit geraten ist."

Besondere Aufmerksamkeit erregte seine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung, die nur zwei Tage nach seinen öffentlichen Äußerungen gegen Putin erfolgte. Dieser Schritt weckt Erinnerungen an die systematische Zwangspsychiatrisierung von Dissidenten in der Sowjetunion, als politische Gegner routinemäßig in geschlossene Kliniken eingewiesen wurden, um sie mundtot zu machen. Remeslo drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Putins Russland: Wer sich auflehnt, riskiert alles

Russland wird seit mehr als 26 Jahren von Wladimir Putin regiert. Abweichende Meinungen oder verbale Angriffe auf den Präsidenten werden nicht geduldet. Zahlreiche Kritiker sitzen hinter Gittern. Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine haben Hunderttausende Menschen das Land verlassen. Putins Gegner sind größtenteils tot, im Exil oder in Haft.

Dennoch kam es während des Krieges immer wieder zu vereinzeltem Widerstand – auch aus den eigenen Reihen. Der wohl dramatischste Fall ereignete sich 2023, als der Chef der Wagner-Söldnertruppe, Jewgeni Prigoschin, seine Kämpfer in Richtung Moskau marschieren ließ. Dieser Aufstand galt als eine der größten Bedrohungen für Putins Machtstellung. Wenige Monate später kam Prigoschin bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben.

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