Auch Friedrich Merz spekuliert: Wer hat die Brandmauer durchbrochen? Drei Theorien über die heimlichen AfD-Helfer

Bis zu neun Abgeordnete anderer Fraktionen stimmten bei der Wahl des Landtagspräsidiums in Sachsen-Anhalt heimlich für die AfD. Doch niemand will es gewesen sein. Nun bringt sogar Bundeskanzler Friedrich Merz eine "False-Flag-Operation" ins Spiel.

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Friedrich Merz sprach im Zusammenhang mit der Wahl in Sachsen-Anhalt von einer möglichen False-Flag-Operation. (Foto) Suche
Friedrich Merz sprach im Zusammenhang mit der Wahl in Sachsen-Anhalt von einer möglichen False-Flag-Operation. Bild: picture alliance/dpa | Michael Brandt
  • Rätsel um geheime AfD-Stimmen nach Wahl in Sachsen-Anhalt
  • Drei Theorien zu heimlichen AfD-Helfern
  • Kanzler Friedrich Merz spekuliert über "False Flag"-Operation

Im Landtag von Sachsen-Anhalt sorgt eine brisante Abstimmung für politischen Zündstoff. Bei der geheimen Wahl des Landtagspräsidiums am Dienstag (6. Oktober) erhielten die AfD-Kandidaten erheblich mehr Stimmen, als die 39 Abgeordnete zählende Fraktion aus eigener Kraft hätte aufbringen können.

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Rätsel um geheime AfD-Stimmen nach Wahl in Sachsen-Anhalt

Der AfD-Politiker Tobias Rausch wurde mit 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt, sein Parteikollege Hans-Thomas Tillschneider erhielt 44 Stimmen für den Vizeposten. Mindestens fünf bis neun Stimmen kamen also von Abgeordneten anderer Fraktionen. Wer hat also für die AfD gestimmt? Zusätzlich befeuert wird die Debatte durch das Ergebnis des CDU-Abgeordneten Carsten Borchert, der als Vizepräsident sogar 64 Stimmen auf sich vereinte.

Nach Wahl-Beben in Sachsen-Anhalt - drei Theorien zu heimlichen AfD-Helfern

In Magdeburg wird seither fieberhaft nach den anonymen AfD-Unterstützern gefahndet. Drei Theorien stehen im Raum, doch keine davon ist bislang belegt. Allerdings birgt jede einzelne politische Sprengkraft. Der erste Erklärungsansatz führt direkt in die innerparteilichen Grabenkämpfe der CDU-Fraktion. Demnach könnten Abgeordnete aus dem Umfeld von Guido Heuer, dem parteiinternen Widersacher von Ministerpräsident und Fraktionschef Sven Schulze, bewusst für die AfD-Bewerber gestimmt haben. Das Kalkül dahinter wäre simpel: Schulze sollte als Fraktionschef vorgeführt werden, der seine eigenen Leute nicht unter Kontrolle hat.

AfD-Knall in Sachsen-Anhalt - Spekulationen um geheimen Deal hinter den Kulissen

Noch brisanter wird diese Theorie durch einen möglichen Deal hinter den Kulissen. AfD-Abgeordnete könnten im Gegenzug für die Unterstützung ihrer Kandidaten Rausch und Tillschneider dem CDU-Mann Borchert ihre Stimmen gegeben haben. Dessen auffällig hohes Ergebnis von 64 Stimmen bei der Vizepräsidentenwahl nährt diesen Verdacht eines Stimmentauschgeschäfts zwischen den Lagern. Beweise für diese These gibt es allerdings nicht.

Haben Schulze-Anhänger heimlich für die AfD gestimmt?

Die zweite Theorie dreht die Verdachtsrichtung komplett um. Auffällig war, dass unmittelbar nach der Abstimmung Namen vermeintlicher Abweichler aus dem Heuer-Lager kursierten. Das wirft die Frage auf: Haben möglicherweise Anhänger von Schulze selbst für die AfD-Kandidaten gestimmt, um ihre parteiinternen Kritiker gezielt zu belasten? Besonders im Umfeld der AfD findet diese Theorie Anklang. Dort werden sogar konkrete Namen von CDU-Parlamentariern genannt, die angeblich den Kontakt zur AfD gesucht hätten. Ein AfD-Vertreter erklärte gegenüber "Bild": "Ausgerechnet diejenigen, die bei uns waren, beschuldigen am lautesten andere."

Das mutmaßliche Ziel einer solchen Aktion: Innerparteiliche Gegner als heimliche AfD-Unterstützer brandmarken und damit politisch unter Druck setzen. Handfeste Belege existieren jedoch auch für dieses Szenario nicht.

Stecken Linke und Grüne hinter den heimlichen AfD-Stimmen?

Die dritte Theorie verlagert den Verdacht völlig weg von der CDU. Sachsen-Anhalts ehemalige Bildungsministerin Eva Feußner äußerte gegenüber "Bild" einen langjährigen Verdacht: "Ich hatte in meinen fast 30 Jahren im Landtag mehrfach den Verdacht, dass SPD, Linke oder Grüne heimlich der AfD zustimmten – um der CDU zu schaden." Das Ziel solcher Manöver wäre es, den Eindruck zu erzeugen, die sogenannte Brandmauer zur AfD sei löchrig.

Kanzler Friedrich Merz spekuliert über "False Flag"-Operation nach AfD-Knall in Sachsen-Anhalt

Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz schloss ein solches Szenario nicht aus. Bei einer Veranstaltung von "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" erklärte er: "False-Flag-Operationen gibt es nicht nur militärisch, die gibt es auch politisch."

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