CDU-Brandmauer bröckelt: Wirbel um AfD-"Überläufer" - Siegmund-Gespräch auf Toilette soll Absprache belegen

In der CDU kursieren viele Theorien über die Wahl von AfD-Mann Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Mit 48 Stimmen erhielt er vier mehr als AfD und BSW zusammen haben. Woher die zusätzlichen Stimmen kamen, ist unklar. Doch ein Gerücht macht die Runde.

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Ein Toiletten-Gespräch von Ulrich Siegmund soll die Absprache zwischen AfD und CDU belegen. (Foto) Suche
Ein Toiletten-Gespräch von Ulrich Siegmund soll die Absprache zwischen AfD und CDU belegen. Bild: picture alliance/dpa/AFP Pool | Ronny Hartmann
  • Wirbel um AfD-"Überläufer" in Sachsen-Anhalt
  • AfD-Mann Tobias Rausch mit vier zusätzlichen Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt
  • Siegmund-Gespräch auf Toilette soll Absprache belegen

In Sachsen-Anhalt steht die CDU vor einem politischen Beben: Der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch (35) wurde am Dienstag in geheimer Abstimmung mit 48 Stimmen zum neuen Landtagspräsidenten gewählt. Das Problem: AfD und BSW kommen zusammen nur auf 44 Mandate – 39 von der AfD, fünf vom BSW. Vier Stimmen kamen also offenbar von anderswo.

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Wirbel um AfD-"Überläufer" in Sachsen-Anhalt - woher kamen Rauschs zusätzliche Stimmen?

Beweise gibt es keine, dafür aber ein hartnäckiges Gerücht, das die ohnehin angeschlagene CDU-Fraktion in Magdeburg erschüttert. Wie die "Bild" aktuell berichtet, sollen vier Abgeordnete der CDU für den AfD-Kandidaten gestimmt haben. Die viel beschworene Brandmauer zur AfD – sie hätte damit nicht nur Risse bekommen, sondern wäre an entscheidender Stelle durchbrochen worden. Befeuert wird der Verdacht durch Äußerungen aus der AfD selbst. Deren Wahlsieger Ulrich Siegmund hatte bereits vor der Abstimmung öffentlich von "konstruktiven Gesprächen" mit einer anderen Fraktion und "einzelnen Abgeordneten" gesprochen.

Siegmund-Gespräch auf Toilette soll Absprache belegen

Besonders brisant: Unmittelbar vor dem Wahlgang soll es auf der Toilette des Landtags zu einer aufschlussreichen Begegnung gekommen sein. Ein CDU-Abgeordneter traf dort laut "Bild" auf AfD-Politiker Siegmund. Als die Rede auf die angeblich schlechten Chancen des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider für den Posten des Landtagsvizepräsidenten kam, soll Siegmund vielsagend geantwortet haben: "Warte mal ab." Eine Ansage, die sich als prophetisch erwies – oder eben als Hinweis auf eine bereits getroffene Vereinbarung.

Denn auch Tillschneider erhielt bei seiner Wahl zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten exakt vier Stimmen mehr, als das Lager aus AfD und BSW rechnerisch hergeben konnte. Das gleiche Muster, die gleiche Zahl – ein Zufall, an den in der CDU-Fraktion kaum noch jemand glauben mag.

Spekulationen um AfD-"Überläufer" aus der CDU

Innerhalb der CDU-Fraktion kursieren laut "Bild" die Namen von fünf Abgeordneten, die als mögliche Abweichler gehandelt werden. Hinter den verdächtigen Stimmen soll ein Gegengeschäft stecken: Die AfD habe den betreffenden CDU-Parlamentariern zugesagt, im Gegenzug einen ihrer Kandidaten bei der Wahl zum Vizepräsidenten des Landtags zu unterstützen. Tatsächlich erzielte dieser CDU-Kandidat ein auffällig starkes Ergebnis mit 64 Ja-Stimmen – bei einer Fraktion, die selbst nur über 15 Sitze verfügt.

Rausch befeuert Spekulationen um AfD-"Überläufer" aus der CDU

Rausch selbst befeuerte die Spekulationen zusätzlich: Man habe "mit mehr als zehn CDU-Abgeordneten geredet", erklärte der frisch gewählte Landtagspräsident. "Bild" kennt die Namen der Verdächtigen und hakte nach. Einige wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Andere hingegen verweigerten auch auf wiederholte Nachfrage jede Stellungnahme – was den Argwohn in der Fraktion nicht gerade dämpfte.

Nach Rausch-Wahl: AfD wittert historische Chance, Siegmund als erster AfD-Ministerpräsident

Für die AfD und insbesondere Ulrich Siegmund ist die Wahl Rauschs weit mehr als ein symbolischer Erfolg. Sie ist ein strategischer Probelauf mit konkretem Ziel: Im Dezember will Siegmund sich selbst zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt wählen lassen. Die entscheidende Erkenntnis aus der Abstimmung vom Dienstag lautet aus AfD-Perspektive: Bei geheimen Wahlen lassen sich offenbar Stimmen jenseits der eigenen Fraktionsgrenzen mobilisieren. Genau diese zusätzlichen Stimmen wären für Siegmunds Griff nach der Staatskanzlei unverzichtbar. Dass das Muster bei gleich zwei Wahlgängen – Präsident und Vizepräsident – identisch funktionierte, dürfte die Zuversicht in der AfD-Fraktion weiter beflügeln.

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