"Markus Lanz": "Ganz Europa" schaut auf Deutschland – düstere AfD-Warnung im ZDF

Was passiert, wenn die AfD in Deutschland weiter an Einfluss gewinnt? Bei Markus Lanz zeichnete Gerald Knaus ein düsteres Szenario für Europa und warnte insbesondere vor einem möglichen Kurswechsel in der Ukraine- und Russlandpolitik.

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Gerald Knaus zeichnet bei "Markus Lanz" ein düsteres Szenario für Europa. (Foto) Suche
Gerald Knaus zeichnet bei "Markus Lanz" ein düsteres Szenario für Europa. Bild: ZDF / Cornelia Lehmann
  • Gerald Knaus warnt bei Markus Lanz vor den sicherheitspolitischen Folgen der jüngsten AfD-Wahlerfolge
  • Der Migrationsforscher sieht insbesondere bei der Ukraine-Hilfe und dem Verhältnis zu Russland einen möglichen Wendepunkt
  • Mit Blick auf die Sicherheitslage in Europa sagt Knaus: "Das demokratische Europa war vielleicht seit 1948 nicht mehr so gefährdet wie heute"

Der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus hat in der Nacht bei Markus Lanz mit deutlichen Worten vor den sicherheitspolitischen Konsequenzen der jüngsten AfD-Wahlerfolge gewarnt. Der 56-Jährige zeichnete ein besorgniserregendes Bild: Ganz Europa blicke mit wachsender Nervosität auf Deutschland, wo eine Partei mit prorussischem Kurs immer stärker werde.

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"Alle Sicherheitsexperten, alle Regierungen Europas warnen uns, dass die Demokratien Europas in einer gefährlicheren Lage sind als je zuvor", erklärte Knaus sichtlich alarmiert. Die AfD kratze bundesweit an der 30-Prozent-Marke und rücke in immer mehr Bundesländern in die Nähe der Macht. Eine Entwicklung, die laut dem Experten in den europäischen Hauptstädten eine zentrale Frage aufwerfe: "Können wir uns auf Deutschland noch verlassen?"

Evakuierungspläne und dramatische Reden: Deutschlands Nachbarn schlagen AfD-Alarm

Knaus schilderte bei Lanz konkret, wie aufgewühlt die Stimmung in den europäischen Nachbarstaaten bereits sei. Polens Regierungschef Donald Tusk habe sich mit einer Ansprache zu Wort gemeldet, "die an Dramatik wirklich nicht mehr zu überbieten war". Im Baltikum gehe die Sorge sogar so weit, dass Regierungschefs bereits über Evakuierungsszenarien für die litauische Hauptstadt Vilnius diskutierten.

Auch in Frankreich dominiere das Thema. Knaus berichtete von einem kürzlichen Aufenthalt in Paris, wo sich sämtliche Gespräche um die Zukunft Deutschlands gedreht hätten. Die zentrale Befürchtung dort: Was geschieht mit der europäischen Abschreckungsfähigkeit gegenüber der wachsenden militärischen Bedrohung? Der Experte verwies darauf, dass bei Vilnius bereits deutsche Soldaten stationiert seien. Im Ernstfall wäre die Bundesrepublik unmittelbar betroffen.

AfD will Ukraine-Hilfe streichen – Knaus warnt vor Zusammenbruch

Als Hauptursache für die europäische Verunsicherung identifizierte Knaus die Schwäche der CDU. Die entscheidende Frage laute, was aus Europa werde, wenn die politische Mitte in Deutschland wegbreche und gleichzeitig eine Partei triumphiere, deren Vorsitzende Alice Weidel noch im Sommer eine Zusammenarbeit mit Putin gefordert habe. Der Migrationsforscher verwies auf den AfD-Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, der die Finanzierung seines Programms durch ein Ende der Ukraine-Unterstützung erreichen wolle. Die Konsequenz sei absehbar: "Das bedeutet, dass die Ukraine zusammenbricht", so Knaus. Denn in der Gesamtbetrachtung sei Deutschland der wichtigste Unterstützer Kiews. Stattdessen wollten viele nun "wieder mit Putin Geschäfte machen".

Knallharter Konter: Knaus zerlegt AfD-Verharmlosung der russischen Gefahr

Besonders scharf ging Knaus mit AfD-Chef Tino Chrupalla ins Gericht, der erklärt hatte, seine Partei habe "keine Angst vor Putin". Noch brisanter: Chrupalla könne angeblich keine russischen Kriegsverbrechen erkennen, halte aber Polen für eine mögliche Bedrohung. Als der AfD-Spitzenpolitiker Leif-Erik Holm, Wahlsieger in Mecklenburg-Vorpommern, die Aussagen seines Parteichefs abzumildern versuchte und einen russischen Angriff auf die EU für unwahrscheinlich erklärte, hielt Knaus dagegen. "Die Angriffe gibt's ja, die hybriden Angriffe, die Drohnen", stellte er klar. Ex-Präsident Medwedew drohe den Europäern offen, der Kreml kündige Vergeltung für die Ukraine-Unterstützung an. Täglich würden Raketen auf zivile Ziele abgefeuert und Drohnen gezielt auf Zivilisten gelenkt. Die Aufnahmen davon würden bewusst zur Einschüchterung im Netz verbreitet.

Demokratisches Europa so gefährdet wie seit 1948 nicht mehr

Knaus zog bei Lanz eine düstere Gesamtbilanz der aktuellen Lage. Das demokratische Europa sei möglicherweise seit 1948 nicht mehr derart bedroht gewesen wie in der gegenwärtigen Situation. Gleich mehrere Faktoren kämen zusammen: Aus den USA gebe es keine verlässliche Unterstützung mehr, aus Russland würden die Drohungen immer aggressiver – und in den Nachbarstaaten, allen voran Polen, wachse die Nervosität stetig.

In den vergangenen Wochen hätten sich zahlreiche hochrangige Militärs und Geheimdienstvertreter mit Warnungen zu Wort gemeldet, berichtete Knaus. Einen direkten russischen Angriff in naher Zukunft könne zwar niemand konkret vorhersagen. Doch die Gesamtlage sei so bedrohlich, dass ganz Europa bange auf Deutschland schaue – und sich frage, welchen Kurs das Land künftig einschlage.

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