Friedrich Merz: Umfrage-Schelte nach Wahlniederlage – Wähler wenden sich vom Kanzler ab

Die Unzufriedenheit mit Friedrich Merz hält nach den Wahlniederlagen an. Mehr als die Hälfte der Befragten einer aktuellen Umfrage fordert offen seinen Rücktritt, und selbst jeder fünfte CDU-Wähler hat das Vertrauen in den Parteichef verloren.

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Bundeskanzler Friedrich Merz steckt in einer Krise. (Foto) Suche
Bundeskanzler Friedrich Merz steckt in einer Krise. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Trendbarometer von RTL und "n-tv": Über die Hälfte der Wähler fordert Friedrich Merz' Rücktritt
  • Im Osten ist die Unzufriedenheit mit dem Bundeskanzler besonders groß
  • Union verliert Wähler: Merz wird als ein Problem genannt

Drei Wahlniederlagen haben Bundeskanzler Friedrich Merz zumindest politisch angeschlagen. Sogleich kamen Rücktrittsforderungen nach seiner Rede am Wahlabend auf. Doch der CDU-Chef geht nach vorne und hält an seinem Reformkurs fest. Weitermachen lautet bei ihm die Devise. Über die Hälfte der Befragten einer aktuellenForsa-Erhebung für das Trendbarometer von RTL und "n-tv" will nicht, dass es weitergeht. Sie sprechen sich für den Rücktritt des Kanzlers aus.Lediglich 40 Prozent möchten, dass er weiterregiert.

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Neue Umfrage - Rücktritt von Friedrich Merz gefordert

Besonders drastisch fällt das Urteil in den ostdeutschen Bundesländern aus: Dort verlangen 68 Prozent seinen Abgang. Im Westen liegt der Wert mit 53 Prozent nur geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Gerade einmal elf Prozent der Deutschen bewerten seine Amtsführung positiv – 87 Prozent hingegen sind unzufrieden. Damit hält die Unzufriedenheit gegenüber Merz an.

Fehlender Rückhalt in der Union - CDU-Wähler wollen einen Merz-Abgang

Der Vertrauensverlust macht nicht einmal vor den treuen Parteianhängern halt. Jeder fünfte CDU-Wähler – konkret 21 Prozent – spricht sich mittlerweile dafür aus, dass Merz das Kanzleramt räumen soll. Bei Anhängern der SPD liegt dieser Wert bei 43 Prozent, bei den Grünen bei 39 Prozent. Unter den Linke-Sympathisanten fordern 65 Prozent seinen Abgang, bei AfD-Wählern sind es sogar 89 Prozent.

Dreimal verloren: CDU erlebt desaströse Wahlniederlagen

Die katastrophalen Umfragewerte kommen nicht von ungefähr. Im September musste die CDU bei gleich drei Landtagswahlen schwere Schlappen hinnehmen. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde und ist künftig nicht mehr im Landtag vertreten. In Sachsen-Anhalt stürzte sie auf rund 17 Prozent ab. Und in Berlin lag CDU hinter der Linken.

Gründe für die Wählerflucht bei der Union

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat die Ursachen für den massiven Wählerschwund der Union untersucht. 81 Prozent der Befragten bemängeln, dass sich die CDU nicht mehr um die alltäglichen Probleme der Bevölkerung kümmere. Dieser Punkt wiegt in den Augen der Menschen sogar schwerer als die persönliche Verantwortung des Kanzlers, die 66 Prozent als Grund für die Verluste anführen. Auch gebrochene Wahlversprechen belasten die Partei erheblich. 64 Prozent kritisieren, dass die Union entgegen ihrer Ankündigung im Wahlkampf doch neue Schulden aufgenommen hat. Darüber hinaus empfinden 57 Prozent die Regierungspolitik als sozial unausgewogen. Ehemalige Unionswähler, die der Partei inzwischen den Rücken gekehrt haben, bewerten all diese Kritikpunkte noch deutlich schärfer als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Aufschlussreich ist auch, wie die verbliebenen Unionswähler die Lage einschätzen. Zwar teilen 63 Prozent von ihnen die Kritik, die Regierung vernachlässige die Sorgen der Bevölkerung. Als zweitwichtigstes Problem benennen sie jedoch nicht den Kanzler selbst, sondern die zahlreichen Zugeständnisse an den Koalitionspartner SPD – 52 Prozent sehen darin einen entscheidenden Faktor. Abgewanderte Unionswähler hingegen machen vor allem Merz persönlich und die nicht eingehaltenen Versprechen für ihren Stimmungswandel verantwortlich.

Bundeskanzler spricht von ungelösten Problemen aus der Merkel-Ära

Trotz der verheerenden Umfragewerte denkt der Kanzler nicht an einen Rückzug. Merz betont wiederholt, dass seine Regierung ungelöste Probleme aus vergangenen Jahrzehnten geerbt habe und diese nun abarbeiten müsse. Mit dieser Argumentation steht er nicht allein da: 45 Prozent aller Befragten sehen tatsächlich Spätfolgen der Politik von Ex-Kanzlerin Angela Merkel als mitverantwortlich für die aktuelle Lage. Bemerkenswert dabei: Zwischen heutigen Unionswählern (42 Prozent), ehemaligen (48 Prozent) und dem Gesamtdurchschnitt gibt es in dieser Frage kaum Unterschiede.

Gleichzeitig bemüht sich Merz um mehr Bürgernähe. Dem Vorwurf, er sei abgehoben und zeige zu wenig Verständnis für die Nöte der Menschen, begegnete er zuletzt mit konkreten Themen. Auf einer Pressekonferenz am Montag (21. September) sprach er neben der Aufarbeitung etwa ein Gerechtigkeitsproblem zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung an. Ob diese Kurskorrektur ausreicht, um den dramatischen Vertrauensverlust aufzuhalten, bleibt offen.

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