Angela Merkel reagiert auf Merz: Nach CDU-Wahldebakel - jetzt reagiert die Altkanzlerin

Die historische Wahlniederlage der CDU in Mecklenburg-Vorpommern sorgt für heftige Reaktionen – während Friedrich Merz versucht, die Wogen zu glätten, ist es nun Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel, die deutliche Worte findet.

Erstellt von - Uhr

Angela Merkel (CDU), ehemalige Bundeskanzlerin, richtet bei der Ausstellungseröffnung „Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt." im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus deutliche Worte in Richtung Merz. (Foto) Suche
Angela Merkel (CDU), ehemalige Bundeskanzlerin, richtet bei der Ausstellungseröffnung „Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt." im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus deutliche Worte in Richtung Merz. Bild: Kay Nietfeld/dpa/dpa
  • Angela Merkel mit deutlicher Botschaft an Friedrich Merz
  • Nach CDU-Absturz erinnert sie an Konrad Adenauer
  • Diese drei Wurzeln sieht die Altkanzlerin als Fundament der CDU
  • Merkels Appell an die Union lässt tief blicken

Ein historischer Tiefpunkt für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern hat die Partei erstmals bei einer Landtagswahl die Fünfprozenthürde gerissen und wird künftig nicht mehr im Schweriner Landtag vertreten sein. Ausgerechnet in jenem Bundesland, das einst der Bundestagswahlkreis von Angela Merkel war, ist die einstige Volkspartei damit zur Splittergruppe geschrumpft.

Auch in Berlin musste die CDU schwere Verluste hinnehmen. Ein doppelter Wahlabend, der in der Partei tiefe Wunden hinterlässt und grundsätzliche Fragen über die eigene Ausrichtung aufwirft.

Die frühere Kanzlerin und langjährige Parteivorsitzende, Angela Merkel, ließ nicht lange auf eine Reaktion warten – und griff dabei weit in die Geschichte der Bundesrepublik zurück, um ihrer Partei, allem voran aber Friedrich Merz, einen Kompass für die Zukunft anzubieten.

Angela Merkel erinnert an Adenauer als Wegweiser aus der Krise

Bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag nahm Merkel am Tag nach dem Wahldebakel direkt Bezug auf die fatalen Ergebnisse für Friedrich Merz und die CDU. "An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken, was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?", fragte sie in die Runde.

Ihre Antwort fand die Altkanzlerin in der Grundhaltung des ersten Regierungschefs der Bundesrepublik. "Für ihn war klar, man muss Brücken bauen. Und gleichzeitig ergab sich daraus automatisch, mit wem man keine Brücken bauen konnte", erklärte Merkel.

Adenauer habe aus den historischen Fehlern die Erkenntnis gewonnen, dass eine Partei sämtliche Menschen ansprechen und sich zugleich ihrer eigenen Werte bewusst sein müsse. Eine Botschaft, die angesichts des Absturzes in Merkels einstiger politischer Heimat kaum deutlicher hätte ausfallen können.

Ex-Kanzlerin erinnert an die drei Säulen der Partei

Merkel skizzierte dabei ein klares Bild davon, was die CDU in ihrem Kern ausmacht – oder ausmachen sollte. Für Adenauer sei unumstößlich gewesen, "dass so eine Partei wie die CDU sich aus drei gleichberechtigten Wurzeln speist – konservativ, liberal, christlich-sozial", betonte sie.

Daraus ergebe sich zwangsläufig die Aufgabe, Verbindungen zu schaffen: zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen, Stadt und Land, Umwelt und Wirtschaft, zwischen den Konfessionen und den Generationen. Die Altkanzlerin erweiterte diese Aufzählung um eine zeitgemäße Ergänzung: "Ich würde heute hinzufügen, zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte."

Damit machte Merkel deutlich, dass der Brückenbau-Gedanke Adenauers aus ihrer Sicht nicht nur historisches Erbe ist, sondern aktiv weiterentwickelt werden muss.

Volkspartei, die für alle da ist - das fordert Merkel jetzt

Den Anspruch, als Volkspartei für alle da zu sein, bezeichnete Merkel als bleibende Verpflichtung. "Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein, das hat er uns mitgegeben", sagte sie mit Blick auf Adenauers Vermächtnis. Für alle da zu sein - ein Mantra, welches unter Friedrich Merz laut Meinung der Bürger:innen nicht so sehr greift. Der Kanzler wird regelmäßig im Netz für seine harte, seiner Meinung nach fehlinterpretierte, Wortwahl kritisiert.

Zugleich räumte die Altkanzlerin ein, dass das Verbinden unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen heute keineswegs leichter geworden sei – doch genau daran müsse die Partei festhalten: "Und um dieses Brückenbauen, was sicherlich heute nicht einfacher geworden ist, muss es auch weitergehen."

Der Rahmen für Merkels Appell war dabei durchaus symbolträchtig: Die Kunstausstellung im Bundestag zeigt unter anderem ein Adenauer-Porträt des Malers Oskar Kokoschka, das Merkel sowohl während ihrer Kanzlerschaft als auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt in ihrem Büro hängen hatte.

Weitere aktuelle Themen lesen Sie auch hier:

/sfx/news.de/dpa/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.