Kommunalwahl in Niedersachsen: AfD rechnet trotz Bewerber-Ausschluss mit Erdrutsch-Sieg - alle Updates auf einen Blick

Niedersachsen hat die Wahl, wenn am 13. September in den Landkreisen, Städten und Gemeinden Kommunalvertretungen, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte gewählt werden. Alle Prognosen und Ergebnisse im News-Ticker zur Wahl.

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Niedersachsen hat die Wahl: Etwa 6,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger können am 13. September 2026 bis 18.00 Uhr über die politische Zukunft ihrer Kommunen abstimmen. (Foto) Suche
Niedersachsen hat die Wahl: Etwa 6,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger können am 13. September 2026 bis 18.00 Uhr über die politische Zukunft ihrer Kommunen abstimmen. Bild: Julian Stratenschulte/dpa/dpa
  • Niedersachsen wählt: Kommunalwahl am 13.09.2026
  • 6,3 Millionen Menschen an die Wahlurne gebeten - was wird in Niedersachsen gewählt?
  • Mehrere AfD-Kandidaten von Wahl ausgeschlossen - alle Hochrechnungen, Prognosen und Ergebnisse im News-Überblick

Die nächste Landtagswahl in Niedersachsen ist zwar erst für den 27. September 2027 anberaumt, doch die am 13. September 2026 stattfindenden Kommunalwahlen finden schon jetzt bundesweit Beachtung: Wenn rund 6,3 Millionen Menschen von der Nordsee bis zum Harz am Sonntag ab 08.00 Uhr zur Wahlurne gebeten werden, dürfte die Abstimmung ein wegweisendes Stimmungsbild im von Rot-Grün regierten Niedersachsen abgeben.

Kommunalwahl in Niedersachsen am 13. September: Darum geht es am Wahltag

In den niedersächsischen Landkreisen, Städten und Gemeinden werden die Kommunalvertretungen, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte neu gewählt. Zur Abstimmung stehen insgesamt mehr als 29.000 Sitze in 2.182 kommunalen Vertretungen – von Kreistagen über Stadt- und Gemeinderäte bis hin zur Regionsversammlung der Region Hannover. Zusätzlich werden in 395 Kommunen die Verwaltungsspitzen direkt bestimmt, darunter Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister. Mehr als 68.000 Kandidierende bewerben sich um die Mandate. Es sind die ersten landesweiten Wahlen, seit Olaf Lies das Amt des Ministerpräsidenten von Stephan Weil (beide SPD) übernahm.

Gesichert rechtsextreme AfD rechnet bei niedersächsischen Kommunalwahlen mit massiven Zugewinnen

Besonders im Fokus steht das Abschneiden der AfD. Die Partei erwartet nach dem Erdrutschsieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent auch in Niedersachsen einen deutlichen Aufwärtstrend. Der stellvertretende Landesvorsitzende Stephan Bothe zeigte sich im Vorfeld zuversichtlich und nannte als Zielmarke "weit über 20 Prozent" in zahlreichen Regionen. Insgesamt strebe die AfD an, ihre kommunalen Mandate zu vervierfachen – vor allem im ländlichen Raum rechne man mit starkem Zulauf.

Der Kontrast zu 2021 könnte kaum größer sein: Damals erreichte die Partei auf Kreisebene lediglich 4,6 Prozent und spielte in den meisten Kommunen keine nennenswerte Rolle. Ihr damaliges Spitzenergebnis lag bei 10,5 Prozent in Salzgitter und Wagenhoff im Landkreis Gifhorn. Schon bei der Bundestagswahl 2025 hatte die AfD allerdings in fast 400 niedersächsischen Gemeinden die 20-Prozent-Marke überschritten.

Juristischer Zoff vor den Kommunalwahlen: Vier AfD-Bewerber von Direktwahlen ausgeschlossen

Für erhebliche juristische Auseinandersetzungen sorgte im Vorfeld eine Neuregelung im niedersächsischen Kommunalwahlgesetz. Diese ermöglicht es, Kandidatinnen und Kandidaten unter Einbeziehung von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auf ihre Verfassungstreue zu überprüfen. Der niedersächsische Landesverband der AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Auf dieser Grundlage wurden vier AfD-Kandidaten von den Direktwahlen ausgeschlossen – darunter der stellvertretende Landesvorsitzende Bothe, der sich um das Amt des Landrats im Kreis Lüneburg beworben hatte, sowie Martin Sichert im Kreis Friesland. Sämtliche Eilanträge dagegen scheiterten vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht. Auch der Landtagsabgeordnete Thorsten Moriße, der in Wilhelmshaven als Oberbürgermeister kandidieren wollte, wurde nicht zugelassen – er zog seine Beschwerde laut "Echo24" allerdings selbst zurück. Den betroffenen Kandidaten bleibt nun lediglich die Möglichkeit, die Wahl nachträglich per Wahlprüfverfahren anzufechten.

Krise beim Autokonzern VW überschattet Kommunalwahlen in Niedersachsen

Die Kommunalwahlen finden vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise beim Autokonzern Volkswagen statt, der für Niedersachsen eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung hat. Sowohl Hannover als auch Emden gelten als Standorte, an denen VW in den kommenden Jahren Werke schließen könnte. Die Verunsicherung in der Belegschaft und den betroffenen Regionen dürfte sich auch an den Wahlurnen niederschlagen. Am VW-Stammsitz Wolfsburg hatte die AfD bereits bei der Bundestagswahl 2025 beinahe gleichauf mit der SPD abgeschnitten – beide Parteien landeten dort hinter der CDU. Der Erfolg in Sachsen-Anhalt könnte der Partei nun zusätzlichen Schwung verleihen. Für die SPD steht besonders viel auf dem Spiel: Es ist die erste landesweite Abstimmung, seit Olaf Lies das Amt des Ministerpräsidenten von seinem Vorgänger Stephan Weil übernommen hat.

Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover als Gradmesser für die SPD

In der Landeshauptstadt könnte sich zeigen, wie es um die Sozialdemokraten in einer ihrer einstigen Hochburgen bestellt ist. Nach mehr als 70 Jahren SPD-Herrschaft hatte der Grünen-Politiker Belit Onay 2019 das Oberbürgermeisteramt erobert. Auch diesmal führt er die Umfragen an. Sollte die SPD es nicht einmal in eine mögliche Stichwahl am 27. September schaffen, könnte das parteiinterne Diskussionen um Vizekanzler und Co-Parteichef Lars Klingbeil weiter anheizen.

Während mehrere AfD-Kandidaten von Direktwahlen ausgeschlossen wurden, darf die Landtagsabgeordnete Jessica Schülke für die Partei bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover antreten. Auch Alexander Hensel vom Göttinger Demokratieforschungsinstitut sieht in der Abstimmung eine Wahl mit Signalcharakter weit über Niedersachsen hinaus.

So sah die Kräfteverteilung nach den Kommunalwahlen 2021 aus

Bei den letzten Kommunalwahlen vor fünf Jahren dominierte die CDU auf Kreisebene mit 31,7 Prozent knapp vor der SPD, die 30,0 Prozent erreichte. Die Grünen kamen auf 15,9 Prozent, gefolgt von der FDP mit 6,5 Prozent. Die AfD landete mit 4,6 Prozent weit abgeschlagen, die Linke erzielte 2,8 Prozent. Gut 57 Prozent der Wahlberechtigten gaben damals ihre Stimme ab.

Allerdings folgen Wahlen auf kommunaler Ebene anderen Regeln als Bundestags- oder Landtagswahlen. Lokale Themen und bekannte Persönlichkeiten vor Ort spielen eine deutlich größere Rolle. Zudem bieten kommunale Wählergruppen in vielen Gemeinden eine eigenständige Alternative zu den etablierten Parteien – ein Faktor, der die Ergebnisse schwerer vorhersagbar macht als bei überregionalen Abstimmungen.

Deshalb lassen die Prognosen am Wahlabend auf sich warten

Anders als bei Landtags- oder Bundestagswahlen wird es am heutigen Abend keinen klassischen Prognose-Moment um 18.00 Uhr geben. Die Landeswahlleitung erwartet erste Resultate aus den Direktwahlen frühestens ab 19.00 Uhr. Ergebnisse auf Kreisebene dürften erst gegen 22.30 Uhr eintreffen – kurz zuvor, gegen 22.10 Uhr, will der NDR einen landesweiten Trend von Infratest dimap präsentieren. Das vorläufige Gesamtergebnis für ganz Niedersachsen wird voraussichtlich erst am Morgen des 14. September 2026 feststehen. Wo bei den Direktwahlen kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, folgt am 27. September eine Stichwahl. Reaktionen der Parteispitzen sind für Montagvormittag in der Landespressekonferenz geplant. Genau ein Jahr vor der Landtagswahl am 26. September 2027 dürften die Ergebnisse als Richtungsanzeiger für das Kräftemessen zwischen SPD, CDU und AfD dienen – in einem Bundesland, in dem alle drei Parteien Regierungsansprüche erheben.

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/news.de/dpa/stg

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