Wladimir Putin: Krieg gegen die Nato – Experten fürchten diese 5 Szenarien

Ein russischer Angriff auf die Nato muss nicht mit Panzerkolonnen und Raketen beginnen. Experten halten auch Sabotage, verdeckte Operationen und blitzartige Vorstöße für mögliche Szenarien. Besonders fünf Brennpunkte könnten im Ernstfall zum Pulverfass werden.

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Experten fürchten, dass Russland das westliche Bündnis mit gezielten Angriffen an seinen Schwachstellen herausfordern könnte. (Foto) Suche
Experten fürchten, dass Russland das westliche Bündnis mit gezielten Angriffen an seinen Schwachstellen herausfordern könnte. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Mikhail Metzel
  • Sabotage aus der Tiefe: Russland könnte Unterseekabel, Pipelines und andere kritische Infrastruktur im Meer angreifen
  • Brennpunkte im Norden und Osten: Narva, Gotland, Åland und Spitzbergen gelten als mögliche Schauplätze verdeckter oder begrenzter russischer Operationen
  • Die Suwalki-Lücke als Schlüssel: Ein Vorstoß zwischen Belarus und Kaliningrad könnte die baltischen Staaten vom übrigen Nato-Gebiet abschneiden

Panzerkolonnen, Raketen im Anflug, marschierende Soldaten: So stellen sich viele Menschen den Beginn eines Krieges vor. Doch Sicherheitsexperten warnen vor einer weitaus schwerer erkennbaren Gefahr. Sollte Russland die Nato tatsächlich herausfordern, könnte Moskau zunächst auf Sabotage, verdeckte Operationen oder räumlich begrenzte Vorstöße setzen und damit bewusst eine Grauzone schaffen. Für das westliche Bündnis wäre genau das ein enormes Problem. Denn je unklarer der Urheber und die Dimension eines Angriffs sind, desto schwieriger wird es, eine gemeinsame Reaktion zu beschließen. Wie "Bild" berichtet, werden unter Militärstrategen seit Jahren verschiedene Szenarien diskutiert. Fünf davon gelten als besonders brisant.

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Angriff aus der Tiefe: Russland könnte Nato-Infrastruktur ins Visier nehmen

Besonders heimtückisch wäre ein Erstschlag unter der Wasseroberfläche. Russland besitzt spezialisierte Tiefsee-U-Boote und Spezialeinheiten, die in der Lage sind, Unterwasser-Infrastruktur gezielt anzugreifen. Datenleitungen, Stromkabel, Pipelines und Offshore-Anlagen kämen als Ziele infrage. Würden mehrere dieser Verbindungen gleichzeitig gekappt, hätte das massive Auswirkungen auf Kommunikation, Energieversorgung und Wirtschaft. Das zentrale Problem: Bei Anschlägen auf hoher See lässt sich der Urheber zunächst kaum eindeutig identifizieren.

Die Narva-Falle: Russisches Vorgehen nach Krim-Muster?

Ein weiteres Szenario betrifft die estnische Grenzstadt Narva. Dort wird seit Jahren eine verdeckte Operation nach dem Muster der Krim-Annexion durchgespielt: Bewaffnete ohne Hoheitszeichen – sogenannte "grüne Männchen" – tauchen auf, Unruhen werden angefacht, Separatisten melden sich zu Wort. Moskau würde jede Beteiligung abstreiten. Für die Nato entstünde ein Dilemma: Gegen wen genau soll der Bündnisfall ausgerufen werden?

Gotland im Fadenkreuz – Russlands Griff nach der Ostsee

Auch die strategisch bedeutsamen Inseln in der Ostsee spielen in den Bedrohungsanalysen eine zentrale Rolle. Wer die schwedische Insel Gotland oder die finnischen Åland-Inseln kontrolliert, hält einen Schlüssel zur gesamten Region in der Hand. Denkbar wäre ein blitzartiger russischer Zugriff mit dem Ziel, dort Flugabwehrsysteme und Schiffsabwehrraketen in Stellung zu bringen. Die Konsequenzen wären gravierend: Nato-Verstärkungen für die baltischen Staaten auf dem See- und Luftweg könnten dadurch massiv behindert oder sogar vollständig blockiert werden. Estland, Lettland und Litauen wären im Ernstfall weitgehend auf sich gestellt. Genau deshalb tauchen beide Inselgruppen in nahezu jedem militärischen Planspiel auf, das sich mit einer Konfrontation zwischen Russland und dem westlichen Bündnis in der Ostseeregion befasst.

Spitzbergen – Pulverfass am Nordpol

Weit nördlich der Ostsee liegt ein weiterer potenzieller Krisenherd: die norwegische Inselgruppe Spitzbergen. Als Teil eines Nato-Staates genießt das Archipel zugleich einen völkerrechtlichen Sonderstatus. Russland unterhält dort mit der Siedlung Barentsburg bis heute eine eigene Präsenz. Fachleute befürchten, dass der Kreml diese besondere Konstellation gezielt ausnutzen könnte. Vorstellbar wäre etwa, dass Moskau Norwegen angebliche Vertragsverstöße vorwirft oder den Schutz russischer Staatsbürger als Vorwand nutzt. Damit ließe sich politischer Druck aufbauen oder sogar eine militärische Besetzung strategisch wichtiger Positionen rechtfertigen.

Der Hintergrund macht das Szenario besonders brisant: Nur wenige Hundert Kilometer entfernt befindet sich die Kola-Halbinsel mit zentralen Stützpunkten der russischen Nordflotte und der seegestützten Nuklearstreitkräfte. Ein Zugriff auf Spitzbergen würde den Schutzschirm für diese Anlagen erheblich erweitern.

Suwalki-Lücke: Der gefährlichste Engpass im Baltikum

Das wohl meistgefürchtete Szenario spielt sich an einem schmalen Landstreifen zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad ab. An dieser sogenannten Suwalki-Lücke könnten russische Streitkräfte von belarussischem Territorium aus in Richtung Kaliningrad vorstoßen und damit die einzige Landverbindung zwischen den baltischen Staaten und dem restlichen Nat-Gebiet durchtrennen. Bei einem schnellen Durchbruch bestünde die Gefahr, dass Moskau vollendete Tatsachen schafft, noch bevor das Bündnis nennenswerte Verstärkungen in die Region verlegen kann. Estland, Lettland und Litauen wären dann auf dem Landweg vollständig isoliert. Genau aus diesem Grund zählt die Suwalki-Lücke seit Jahren zu den absoluten Kernszenarien in der Planung für eine mögliche direkte militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Nato.

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