Alice Weidel und Tino Chrupalla in Sommerinterviews: AfD-Chefin ätzt gegen "Flachzangen"-Regierung und kassiert "Mimosen"-Konter

In den Sommerinterviews von ARD und ZDF hatten Alice Weidel und Tino Chrupalla ihren großen Auftritt - und ätzten nicht nur gegen die "Flachzangen" der Bundesrepublik, sondern verbreiteten auch siegesgewiss Vorwürfe der Wahlmanipulation.

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"Wir werden in den ersten Bundesländern regieren, nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und wir werden auch im Bund regieren", verkündete Alice Weidel im ZDF. (Foto) Suche
"Wir werden in den ersten Bundesländern regieren, nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und wir werden auch im Bund regieren", verkündete Alice Weidel im ZDF. Bild: Fabian Weiss/ZDF/dpa/dpa
  • Alice Weidel und Tino Chrupalla in Sommerinterviews bei ARD und ZDF
  • AfD-Chefin ätzt gegen "Flachzangen" der Bundesregierung - und wird für "mimosenhaftes Verhalten" bloßgestellt
  • Chrupalla schürt Verschwörungstheorien um Betrug bei Briefwahl

Im Vorfeld der diesjährigen Landtagswahlen genießt die AfD ihren aus aktuellen Umfragewerten resultierenden Höhenflug: Vor allem in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September zwei Wochen vor Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ein neues Landesparlament gewählt wird, steht die AfD in den Umfragen in der Nähe der absoluten Mehrheit. Bundesweit liegt die AfD um bis zu acht Prozentpunkte vor CDU und CSU.

AfD-Parteiführung strotzt vor Selbstbewusstsein in Sommerinterviews von ARD und ZDF

 

In den Sommerinterviews von ARD und ZDF ließen Alice Weidel und Tino Chrupalla am 23. August 2026 keinen Zweifel daran, dass sie ihre Partei auf Siegeskurs sehen - die vor Selbstbewusstsein strotzende Parteiführung ätzte erneut gegen die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und erging sich darüber hinaus in Verschwörungstheorien, die direkt aus dem Handbuch von US-Präsident Donald Trump stammen könnten.

Alice Weidel und Tino Chrupalla sehen sich vor Landtagswahlen bereits an der Macht

Sowohl Alice Weidel als auch Tino Chrupalla machten in den TV-Interviews deutlich, dass sie sich bereits auf der Siegerstraße sehen. "Wir werden in den ersten Bundesländern regieren, nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und wir werden auch im Bund regieren", verkündete Alice Weidel im ZDF. Ihr Co-Chef Tino Chrupalla formulierte es in der ARD ähnlich offensiv: "Natürlich ist die Wahl in Sachsen-Anhalt mit eine der herausforderndsten Wahlen, wo wir wirklich greifbar auch die Machtfrage, die Machtoption stellen."

AfD-Chefin Weidel giftet gegen "Flachzangen"-Regierung - und wird für "mimosenhaftes Verhalten" bloßgestellt

Im ZDF-Interview teilte Alice Weidel in gewohnt respektloser Manier kräftig gegen die Bundesregierung aus. "Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen", polterte die AfD-Chefin und zielte dabei direkt auf Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD): "Entweder Sie können es nicht, oder es ist Vorsatz. Herr Merz kann es nicht. Herr Klingbeil kann es auch nicht." Die Bürger würden von CDU und SPD systematisch getäuscht und "über den Tisch gezogen".

ZDF-Moderator Wulf Schmiese hielt dagegen und konterte mit einem Seitenhieb auf Alice Weidels eigene Empfindlichkeit, der seine Wirkung nicht verfehlte. Ein AfD-Abgeordneter hatte sie als "Alice Merkel" betitelt und dafür ein Parteiordnungsverfahren kassiert. Schmieses Spitze: "Die Frau, die andere Flachzangen und Schlimmeres nennt, ist also beleidigt, wenn sie jemand Alice Merkel nennt? Was ist das denn für ein mimosenhaftes Verhalten?" Weidel wiegelte ab – sie sei "richtig froh" und nicht beleidigt.

Alice Weidel legt Pläne für Deutschland offen - ohne Euro, Schengen und Syrer

Inhaltlich bekräftigte Alice Weidel die radikalen europapolitischen Positionen ihrer Partei. Bei einer Regierungsübernahme wolle die AfD sowohl die Gemeinschaftswährung als auch das Schengener Abkommen über offene Binnengrenzen hinter sich lassen. "Deutschland ging es deutlich besser vor der Euro-Einführung. Wir sehen eine breite Verarmung breiter arbeitender Bevölkerungsschichten", begründete sie den Kurs. Beim Thema Migration wurde die AfD-Chefin noch deutlicher: Die Grenzen würden geschlossen, sämtliche Syrer in ihre Heimat zurückgebracht und keine Afghanen mehr ins Land geholt. Dass für solche Abschiebungen Rücknahmeabkommen mit den betroffenen Staaten nötig wären, ließ sie unkommentiert. Die von der Union aufrechterhaltene Brandmauer gegen die AfD bezeichnete Weidel als "das Undemokratischste, was es gibt" – die CDU werde daran zerbrechen. Sie selbst sei bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, der die Interessen des Landes vertrete.

Donald Trump wäre stolz: Tino Chrupalla verbreitet Briefwahl-Verschwörungstheorien, ohne Beweise zu liefern

Der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla nutzte das ARD-Sommerinterview, um die Integrität der Briefwahl in Frage zu stellen. (Foto) Suche
Der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla nutzte das ARD-Sommerinterview, um die Integrität der Briefwahl in Frage zu stellen. Bild: Carsten Koall/dpa/dpa

Der Co-Vorsitzende der AfD Tino Chrupalla nutzte sein ARD-Sommerinterview derweil, um die Integrität der Briefwahl in Frage zu stellen und ähnliche Töne anzuschlagen, wie es Donald Trump in den USA seit geraumer Zeit tut. Chrupalla behauptete, aus Gesprächen mit Pflegekräften und Angehörigen von Fällen in Seniorenheimen zu wissen, "wo der Stift sozusagen geführt wurde". Solche Vorfälle seien "unstrittig" – konkrete Namen oder Belege lieferte er allerdings nicht. Die AfD fordere die komplette Abschaffung der Briefwahl, die ursprünglich nur als Ausnahmelösung gedacht gewesen sei. Zusätzlich bemängelte Chrupalla die Lagerung von Briefwahlunterlagen in Rathäusern, "wo teilweise nur der Bürgermeister selbst den Schlüssel hat". Auch der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hatte zuvor mit ähnlichen Behauptungen über angebliche Wahlunregelmäßigkeiten für Aufsehen gesorgt – ebenfalls ohne handfeste Nachweise zu präsentieren.

Tino Chrupalla wiegelt Klimawandel als "Panikmache" ab - "ganz normaler Sommer" – trotz 14.000 Hitzetoter

Auch beim Klimawandel blieb Chrupalla der Parteilinie treu und spielte die Erderwärmung als weitgehend natürliches Phänomen herunter. Obwohl Wissenschaftler allein in den zurückliegenden Wochen rund 14.000 Hitzetote in Deutschland geschätzt hatten, erklärte der AfD-Chef: "Für mich war das ein ganz normaler Sommer." Es habe sowohl trockene als auch regenreiche Phasen gegeben – "Also ich sehe da auch viel Panikmache."

Die Klimadebatte diene nach Chrupallas Überzeugung vor allem einem Zweck: der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Bundesregierung nutze den "Klimahype", wie er es nannte, als Vorwand für finanzielle Belastungen der Bürger. Einen menschengemachten Klimawandel in relevantem Ausmaß erkennt die AfD-Führung weiterhin nicht an.

AfD-Doppelspitze in Sommerinterviews mit viel Krawall und wenig Substanz

Unter dem Strich boten beide Sommerinterviews reichlich Provokation und scharfe Rhetorik – bei den konkreten Lösungsvorschlägen wurde es dagegen dünn. Als ZDF-Moderator Schmiese etwa von Alice Weidel wissen wollte, wie die AfD deutsche Autobauer auf dem chinesischen Markt wieder wettbewerbsfähig machen würde, wich die Parteichefin auf Grundsatzkritik an EU-Vorgaben und E-Auto-Subventionen aus. Eine tatsächliche Strategie für die Branche blieb sie schuldig. Auch Tino Chrupalla glänzte nicht gerade durch Präzision: Der Frage, ob die AfD in Sachsen-Anhalt notfalls mit dem BSW koalieren würde, wich er aalglatt aus: "Das BSW muss sich erst mal selbst orientieren." So entstand bei beiden Gesprächen über weite Strecken der Eindruck eines hitzigen Schlagabtauschs, bei dem die Moderatoren hartnäckig nachfragten und die AfD-Spitze sich in Systemkritik verlor, statt Antworten zu liefern.

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