Nach Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: BSW-Chefin schmiedet Umsturz-Plan gegen Bundeskanzler Merz

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt soll die Weichen stellen für eine Landesregierung von AfD und BSW. Während die Sahra-Wagenknecht-Partei bereits plant, Bundeskanzler Merz zu stürzen, haben die Rechtsextremen ganz andere Pläne.

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Hinter dem taktischen Manöver des BSW für Sachsen-Anhalt steckt ein Plan, der weit über Magdeburg hinausreicht: Sahra Wagenknecht will damit Kanzler Merz zu Fall bringen. (Foto) Suche
Hinter dem taktischen Manöver des BSW für Sachsen-Anhalt steckt ein Plan, der weit über Magdeburg hinausreicht: Sahra Wagenknecht will damit Kanzler Merz zu Fall bringen. Bild: Montage news.de / picture alliance/dpa | Peter Gercke / picture alliance/dpa | Michael Kappeler

In Sachsen-Anhalt geht es im Vorfeld der Landtagswahl am 6. September 2026 heiß her: Während die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD aktuellen Umfragen zufolge mit einem Rekord-Hoch auf der Überholspur unterwegs ist, steht für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das erstmals bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt antritt, weit mehr auf dem Spiel als ein paar Mandate in Magdeburg.

Machtkampf vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt spitzt sich zu

Knapp einen Monat, bevor in Sachsen-Anhalt gewählt wird, zeichnet sich ein beispielloser Machtkampf um die Regierungsbildung ab. Das Bündnis Sahra Wagenknecht fordert offen, die AfD künftig in die parlamentarische Arbeit einzubinden – und stellt sich damit gegen die Brandmauer und bringt ein Modell ins Spiel, das die politische Landschaft in Sachsen-Anhalt grundlegend verändern könnte. Gleichzeitig hat das BSW das erklärte Ziel, den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze von der CDU aus dem Amt zu drängen.

BSW auf dem Kriegspfad gegen die CDU: "Unser Ziel ist die Abwahl"

"Unser Ziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers", erklärte BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali gegenüber der "Rheinischen Post". Statt einer klassischen Koalition schwebt der Partei ein überparteilicher Regierungschef vor, der sich auf wechselnde Mehrheiten stützt. Eine Partei, die bei rund 40 Prozent der Stimmen liege, dürfe man nicht einfach übergehen, so Mohamed Ali.

"Unser Ziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers", erklärte BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali. (Foto) Suche
"Unser Ziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers", erklärte BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali. Bild: Peter Gercke/dpa/dpa

Sachsen-Anhalt wählt neuen Landtag: AfD dominiert die Umfragen, BSW zittert um den Einzug

Die jüngsten Insa-Zahlen verdeutlichen die dramatische Ausgangslage: Mit 42 Prozent liegt die AfD meilenweit vor allen anderen Parteien. Die CDU kommt auf gerade einmal 22 Prozent, gefolgt von der Linken mit 13 und der SPD mit 6 Prozent. Grüne und FDP würden es demnach nicht in den Magdeburger Landtag schaffen. Das BSW selbst steht bei 5 Prozent und muss damit um den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde bangen. Dennoch könnte ausgerechnet diese kleine Fraktion zum Zünglein an der Waage werden. Denn rechnerisch vereint die AfD allein mehr Mandate auf sich als CDU, Linke und SPD zusammen. Ohne das BSW hätten die übrigen Parteien schlicht keine Möglichkeit, eine Alternative zur AfD-Dominanz zu organisieren.

BSW schmiedet in Sachsen-Anhalt Doppel-Plan und will unabhängigen Ministerpräsidenten

Das BSW verfolgt dabei eine durchdachte Doppelstrategie. Mohamed Ali warb in der "Rheinischen Post" für ein Regierungsmodell, bei dem ein unabhängiger Ministerpräsident je nach Sachfrage mit unterschiedlichen Fraktionen zusammenarbeitet – ausdrücklich auch mit der AfD. "Ganz egal, wie man zu den Positionen dieser Partei steht, wenn sie rund 40 Prozent der Wählerstimmen erhalten, kann man sie nicht komplett ignorieren", so die Co-Vorsitzende.

Für den Fall, dass die anderen Fraktionen diesen Vorschlag zurückweisen, hat das BSW bereits einen Alternativplan parat: Im dritten Wahlgang würde sich die Partei der Stimme enthalten. Nach den Regeln der sachsen-anhaltischen Landesverfassung genügt in dieser Runde eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen – Enthaltungen bleiben unberücksichtigt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte so rein rechnerisch mit den Stimmen seiner eigenen Fraktion zum Regierungschef gewählt werden.

AfD-Spitzenkandidat Siegmund erteilt BSW schroffe Absage: Alleinregierung als einziges Ziel

Er lasse sich "selbstverständlich nicht" durch eine Enthaltung des BSW ins Amt hieven, stellte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund klar. Sein Ziel sei vielmehr eine Alleinregierung mit eigener parlamentarischer Basis. (Foto) Suche
Er lasse sich "selbstverständlich nicht" durch eine Enthaltung des BSW ins Amt hieven, stellte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund klar. Sein Ziel sei vielmehr eine Alleinregierung mit eigener parlamentarischer Basis. Bild: Heiko Rebsch/dpa/dpa

Der AfD-Spitzenkandidat erteilt diesem Szenario allerdings eine klare Absage. Er lasse sich "selbstverständlich nicht" durch eine Enthaltung des BSW ins Amt hieven, stellte Siegmund gegenüber "Welt TV" klar. Sein Ziel sei vielmehr eine Alleinregierung mit eigener parlamentarischer Basis. "Was bringt es mir denn, ein formaler Ministerpräsident zu sein, ohne eine Mehrheit im Parlament?", fragte Siegmund rhetorisch. Er benötige eine verlässliche Mannschaft für die gesamte Legislaturperiode von fünf Jahren – darauf müsse sich das Land verlassen können.

Damit prallen zwei grundverschiedene Machtkonzepte aufeinander: Während das BSW auf flexible Bündnisse ohne feste Koalition setzt, besteht Siegmund auf einer stabilen Regierungsmehrheit unter AfD-Führung.

Sahra Wagenknecht will Friedrich Merz stürzen - Sachsen-Anhalt-Wahl ist erst der Anfang

Die BSW-Gründerin verknüpft den Kampf um Magdeburg mit einem weitaus größeren Ziel. Auf der Plattform X formulierte Sahra Wagenknecht unmissverständlich: "Wer BSW wählt, kann Merz stürzen!"

Ein Sturz der CDU-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt könnte nach ihrer Überzeugung auch die Kanzlerschaft von Friedrich Merz ins Wanken bringen. "Nur mit dem BSW kann es Mehrheiten für eine andere Politik im Parlament geben", schrieb die frühere Parteivorsitzende, die den Bundesvorsitz im November 2025 abgegeben hatte. Eine Wiederwahl von Amtsinhaber Schulze mit Unterstützung ihrer Partei schloss sie kategorisch aus.

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