Wladimir Putin: Kremlchef geht gegen "FAZ"-Reporter vor – Haftbefehl wegen umstrittener Frage

Russland fahndet nach "FAZ"-Reporter Michael Martens. Auslöser ist eine kontroverse Frage bei einer Pressekonferenz mit Selenskyj und Vucic. Nun beschäftigt der Fall auch deutsche Behörden.

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Wladimir Putin: Kremlchef lässt nach "FAZ"-Reporter fahnden Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE POOL REUTERS | Denis Balibouse
  • Russland wirft Martens offenbar Anstiftung zum Hass vor
  • Seine Frage bei einer Pressekonferenz löste heftige Kritik aus
  • Die russische Botschaft wandte sich an die Berliner Staatsanwaltschaft

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Russland geht gegen den Journalisten Michael Martens von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor. Gegen den Balkan-Korrespondenten wurde nach Angaben des russischen Innenministeriums ein Haftbefehl erlassen. Auslöser ist offenbar eine umstrittene Frage, die Martens bei einer Pressekonferenz in Belgrad gestellt hatte.

Kontroverse Frage sorgt für Aufsehen

Martens hatte Anfang August an einer gemeinsamen Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des serbischen Staatschefs Alexander Vucic teilgenommen. Dabei wollte der Journalist wissen, welche Möglichkeiten Europa habe, die Ukraine dabei zu unterstützen, mehr russische Soldaten zu töten.

Martens stellte anschließend klar, dass er mit seiner Frage russische Soldaten gemeint habe. Dennoch löste die Formulierung heftige Reaktionen aus. Besonders in Russland und Serbien sorgte sie für Kritik.

Auch die "FAZ" distanzierte sich "Bild" zufolge von der Wortwahl ihres Korrespondenten. Die Zeitung bezeichnete die Frage als missverständlich formuliert und stellte klar, dass es nicht ihrer redaktionellen Haltung entspreche, eine möglichst hohe Zahl getöteter russischer Soldaten zu befürworten.

Russland wirft Reporter Anstiftung zum Hass vor

Nun hat die Angelegenheit für Martens offenbar juristische Konsequenzen. Das russische Innenministerium führt den Journalisten als gesuchte Person. Nach Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass soll ihm "Anstiftung zum Hass" vorgeworfen werden.
Damit könnte der Fall weitreichende Folgen für den Journalisten haben. Eine Auslieferung aus Deutschland an Russland gilt als nicht zu erwarten. Anders könnte die Situation jedoch in Ländern auf dem Balkan aussehen, insbesondere in Serbien, das enge Beziehungen zu Moskau unterhält.

Der Deutsche Journalistenverband reagierte mit deutlicher Kritik auf das Vorgehen der russischen Behörden. Der Verband sieht die journalistische Arbeit durch das Verfahren gefährdet und fordert die deutschen Behörden dazu auf, den Fall aufmerksam zu verfolgen.

Russische Botschaft schaltet Berliner Staatsanwaltschaft ein

Unterdessen beschäftigt der Fall auch deutsche Behörden. Die russische Botschaft in Berlin hat sich an die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt gewandt. Dabei soll es um eine rechtliche Einschätzung zu Martens' umstrittener Frage gegangen sein. Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang eines entsprechenden Schreibens. Nun müsse geprüft werden, ob ein Anfangsverdacht besteht. Die Behörde betonte zugleich, dass eine solche Prüfung gesetzlich vorgeschrieben sei und nicht automatisch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bedeute. Für Martens gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Der Fall zeigt damit auch die politischen Spannungen, die eine einzelne journalistische Frage auslösen kann. Während Russland strafrechtliche Konsequenzen prüft, verteidigen Journalistenverbände grundsätzlich das Recht von Reportern, auch kontroverse Fragen bei Pressekonferenzen zu stellen.

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