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Ukraine-Krieg im News-Ticker: Ukrainischer Botschafter: Keine Kenntnis von Moskau-Reise Schröders

Es wird weiter gekämpft und gestorben nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Doch erstmals seit Kriegsbeginn wollen sich die Außenminister wieder am Verhandlungstisch treffen. Alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg erfahren Sie hier im News-Ticker.

Ukrainische Behörden melden Tote und viele Verletzte bei russischen Luftangriffen. Bild: picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire Service | Emergency Service Of Ukraine

Vor dem ersten Treffen der Außenminister aus Russland und der Ukraine seit Beginn des Kriegs vor zwei Wochen haben Truppen beider Seiten auch in der Nacht zum Donnerstag gegeneinander gekämpft. Die Ukraine meldete Beschuss auf mehrere Großstädte. In der Hauptstadt Kiew gab es wieder Fliegeralarm. Für den Vormittag ist ein neuer Versuch geplant, bei einer regionalen Feuerpause Menschen aus umkämpften Städten zu retten. Die Hoffnung ruht aber vor allem auf dem ersten hochrangigen Gespräch beider Seiten.

Ukraine-Krieg, Tag 15 im News-Ticker - Alle aktuellen Geschehnisse am 10.03.2022 im Überblick

+++ Ukrainischer Botschafter: Keine Kenntnis von Moskau-Reise Schröders +++

Der ukrainische Botschafter in Deutschland hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis von einem angeblichen Vermittlungsversuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Ihm sei nichts von einer Reise Schröders zu Präsident Wladimir Putin nach Moskau bekannt, sagte Botschafter Andrij Melnyk am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Über eine solches Treffen hatte das Nachrichtenportal "Politico" am Donnerstag berichtet. "Ich kann mir schwer vorstellen, dass meine Regierung Schröder darum gebeten hat", sagte Melnyk.

Der Botschafter hatte einen Vermittlungsversuch Schröders allerdings vor einer Woche in einem Interview befürwortet. "Er ist einer der wenigen hier in Deutschland, die womöglich noch einen direkten Draht zu Herrn Putin haben. Es gibt keinen, der so etwas hat in Deutschland und den anderen europäischen Ländern", sagte Melnyk der "Bild".

+++ Scholz will Bericht über Moskau-Reise Schröders nicht kommentieren +++

Bundeskanzler Olaf Scholz will sich zu einem Bericht über ein angebliches Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Altkanzler Gerhard Schröder in Moskau nicht äußern. "Ich möchte das nicht kommentieren", antwortete der SPD-Politiker am Donnerstag am Rande eines EU-Gipfels im französischen Versailles auf eine entsprechende Frage.

Das Nachrichtenportal "Politico" hatte zuvor berichtet, Schröder sei im Zuge eines Vermittlungsversuchs in Moskau, um den russischen Präsidenten zu treffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Die Bundesregierung hatte von einem solchen Treffen keine Kenntnis. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin aus Regierungskreisen erfuhr, wurden Scholz und seine Regierung nicht über einen solchen Besuch informiert.

+++ Russland will nicht mehr an Arbeit im Europarat teilnehmen +++

Als Reaktion auf die Suspendierung Russlands aus dem Europarat will das Land nicht mehr an der Arbeit in dem Gremium teilnehmen. Das teilte das russische Außenministerium am Donnerstag in Moskau mit. "Russland wird sich nicht an der Umwandlung der ältesten Organisation Europas durch die Nato und die ihr gehorsam folgende EU in eine weitere Plattform für westliche Vorherrschaft und Narzissmus beteiligen. Sie sollen Spaß an der Kommunikation untereinander haben, ohne Russland", hieß es in einer Mitteilung.

"Der Ausstieg aus dem Europarat zieht auch den Ausstieg aus allen Mechanismen mit sich", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge auf die Frage, ob sich die Mitteilung des Außenministeriums auch auf die Arbeit des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg beziehe, an dessen Urteile sich Russland dann nicht mehr halten würde.

Gegen Russland eingestellte Staaten würden ihre Mehrheit im Ministerkomitee mit Vertretern der 47 Mitgliedsländer missbrauchen und setzten damit die "Vernichtung" des Europarats fort, behauptete das russische Außenministerium. Russland beklagt immer wieder eine angebliche Diskriminierung.

Das Gremium hatte vor gut zwei Wochen mit der Suspendierung auf den russischen Angriff auf die Ukraine reagiert. Diese Entscheidung galt als historisch. Russland verlor vorläufig seine Repräsentationsrechte in der Straßburger Organisation. Das Land bleibt dennoch formell Mitglied bis zum Ende des Finanzjahrs, wie russische Politiker in Moskau betonten.

+++ USA: Reale Gefahr von russischem Bio- oder Chemiewaffen-Einsatz +++

Die Vereinigten Staaten sehen ein steigendes Risiko für den Einsatz von Bio- oder Chemiewaffen durch Russland im Ukraine-Krieg. Kursierende "Propaganda" aus Moskau über die angebliche Produktion von Massenvernichtungswaffen durch die Ukraine könnten ein Vorwand sein, um diese selbst einzusetzen, sagte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Jeffrey Prescott der Deutschen Presse-Agentur.

"Russland hat diese neuen falschen Behauptungen aufgestellt. Wir haben gesehen, dass China diese Propaganda unterstützt hat. Und deshalb sollten wir Ausschau halten, ob Russland möglicherweise chemische oder biologische Waffen in der Ukraine einsetzt oder eine Operation unter falscher Flagge startet", sagte Prescott.

"Russlands Einsatz chemischer Waffen, einschließlich versuchter Attentate und Vergiftungen von Putins politischen Feinden, einschließlich (Alexej) Nawalny, sind gut dokumentiert", betonte Prescott. Außerdem unterstütze Moskau das "Assad-Regime" in Syrien, das wiederholt chemische Waffen eingesetzt habe. Russland unterhalte außerdem in Verletzung des Völkerrechts seit langem ein biologisches Waffenprogramm. Die nun kursierenden Vorwürfe gegen die Ukraine seien "genau die Art von falschem Vorwand, vor dem wir seit einigen Monaten warnen, dass Russland ihn erfinden würde."

+++Putin überzeugt: Sanktionen werden Russlands Unabhängigkeit fördern +++

Die beispiellosen Sanktionen des Westens werden Russland laut Kremlchef Wladimir Putin unabhängiger vom Rest der Welt machen. "Sanktionsdruck gab es schon immer, aber jetzt hat er einen komplexen Charakter, er schafft bestimmte Fragen, Probleme und Schwierigkeiten für uns", räumte Putin am Donnerstag bei einer Sitzung mit Regierungsvertretern ein. "Aber so, wie wir diese Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren überwunden haben, werden wir sie jetzt überwinden", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

"Diese Zeit müssen wir durchstehen", fuhr Putin fort. "Die Wirtschaft wird sich zweifellos an die neue Situation anpassen. Dies wird zu einer Steigerung unserer Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Souveränität führen."

Als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine haben die EU, die USA und andere Staaten weitreichende Sanktionen verhängt. So wurde ein Ausschluss zahlreicher russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift beschlossen. Auch russische Superreiche und Putin-Vertraute wurden mit Strafmaßnahmen belangt. Die USA erließen als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine darüber hinaus ein Importverbot für Öl aus Russland.

+++ Putin: Russland erfüllt Verpflichtungen bei Öl und Gas +++

Russland will nach Angaben von Präsident Wladimir Putin Lieferungen von Öl und Gas ins Ausland trotz beispielloser Sanktionen des Westens nicht stoppen. "Wir erfüllen alle unsere Verpflichtungen im Bereich der Energieversorgung. Wir liefern alles, was wir zu liefern haben", sagte der Staatschef am Donnerstag bei einer Sitzung der Regierung der Agentur Interfax zufolge. Er bezeichnete Europa als Hauptabnehmer russischer Energieträger.

Wegen der Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Kriegs und der Diskussionen in der EU, sich von russischem Gas und Öl zu lösen, hatte die Energiegroßmacht erstmals damit gedroht, die Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland einzustellen.

Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak hatte am Montag gesagt: "Wir haben das volle Recht, eine "spiegelgerechte" Entscheidung zu treffen und ein Embargo zu erlassen auf die Durchleitung des Gases durch die Pipeline Nord Stream 1, die heute maximal mit 100 Prozent ausgelastet ist." Russland gilt als größter Öllieferant in Europa - mit 30 Prozent des jährlichen Verbrauchs von 500 Millionen Tonnen.

Putin verwies bei dem Ministertreffen auch auf die hohe Auslastung der Gaspipeline durch die Ukraine. Kiew befürchtet, dass es mit einer möglichen Inbetriebnahme von Nord Stream 2 durch die Ostsee als Transitland überflüssig werden und damit hohe Einnahmen verlieren könnte. Die Pipeline durch die Ukraine sei zu 100 Prozent ausgelastet, sagte Putin. "Das ist erstaunlich, aber Tatsache."

Zugleich warb er für ausländische Investitionen in Russland. Man werde sich vor niemandem verschließen, sagte Putin. "Wir sind offen für die Zusammenarbeit mit all unseren ausländischen Partnern, die dies wollen." Die Rechte ausländischer Investoren, die das Land nicht verlassen wollten, müssten zuverlässig geschützt werden.

+++ UN-Menschenrechtsbüro dokumentiert Tod von 549 Zivilisten in Ukraine +++

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat in der Ukraine seit dem Einmarsch Russlands am 24. Februar und bis Mittwoch, 00.00 Uhr, den Tod von 549 Zivilisten dokumentiert. Am Vortag waren es 516. Darunter waren 41 Minderjährige, wie das Büro in Genf berichtete. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 957 Verletzte vor. Am Vortag waren es 908.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, betont stets, dass die tatsächlichen Zahlen mit Sicherheit deutlich höher lägen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bräuchten oft Tage, um Opferzahlen zu überprüfen. Das Hochkommissariat gibt nur Todes- und Verletztenzahlen bekannt, die es selbst unabhängig überprüft hat.

"Die meisten Opfer unter der Zivilbevölkerung wurden durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite verursacht, darunter durch den Beschuss mit schwerer Artillerie und mit Raketenwerfern sowie durch Raketen- und Luftangriffe", teilte Bachelets Büro mit.

Das Büro lieferte auch eine Aufteilung nach Regionen: Demnach kamen in den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten des Landes 99 Menschen in von der Regierung kontrollierten Zonen ums Leben, 24 auf dem Gebiet der selbst ernannten und von Russland anerkannten Republiken. 426 Todesfälle wurden in anderen Landesteilen registriert, darunter in Kiew, Charkiw und Cherson.

+++2.000 Menschen aus Isjum geholt - Keine Evakuierung in Mariupol +++

In der Ukraine ist die Evakuierung von Zivilisten aus umlagerten Städten am Donnerstag fortgesetzt worden. Aus der Stadt Isjum im Osten des Landes seien etwa 2000 Menschen gerettet worden, sagte der Leiter des Gebiets Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Facebook. 44 Busse seien im Einsatz gewesen, um Bewohner in sichere Regionen zu fahren. In einem Video war zu sehen, wie Flaschen mit Trinkwasser und andere Lebensmittel in Lastwagen verladen wurden.

Im Fokus der Evakuierungen sollte einmal mehr die Stadt Sumy im Nordosten liegen. Bewohner seien bereits in bereitgestellte Kleinbusse gestiegen, teilten Regierungsvertreter mit. Zahlen wurden zunächst nicht genannt.

Abermals gescheitert sind dagegen Rettungsaktionen in der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. "Mariupol bleibt sowohl für die Evakuierung von Menschen als auch für humanitäre Hilfe vollständig blockiert", sagte die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk der Agentur Ukrinform zufolge. Wegen Kämpfen direkt auf der Fluchtroute seien Lastwagen mit humanitärer Fracht nach Saporischschja zurückgekehrt. "Es ist der vierte Tag, an dem wir kein Wasser, keine Medikamente und keine Lebensmittel liefern können."

Nach Angaben von Wereschtschuk war mit der russischen Seite die Öffnung eines Fluchtkorridors ab dem Morgen vereinbart worden. Schon mehrere Anläufe zur Rettung der Bewohner mussten abgebrochen werden. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld.

+++ Bundesregierung weiß nichts von angeblicher Moskau-Reise Schröders +++

Die Bundesregierung hat keine Kenntnis von einem angeblichen Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Altkanzler Gerhard Schröder in Moskau. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin aus Regierungskreisen erfuhr, wurden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Regierung nicht über einen solchen Besuch informiert.

Das Nachrichtenportal "Politico" hatte zuvor berichtet, Schröder sei im Zuge eines Vermittlungsversuchs in Moskau, um Putin zu treffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

+++ Gerhard Schröder in Moskau, um Putin um Frieden zu bitten +++

Laut einstimmiger Medienberichte ist Alt-Kanzler Gerhard Schröder nach Moskaus gereist, um Wladimir Putin um Frieden zu bitten. Wie die "Welt" berichtet, ist Schröder im Auftrag der Ukraine in den Kreml gereist. Zuletzt war der SPD-Politiker für sein Schweigen massiv in die Kritik geraten.

+++ Ukrainische Hafenstadt Mariupol meldet neue Luftangriffe +++

Auf die von russischen Truppen belagerte ukrainische Hafenstadt Mariupol hat es am Donnerstag nach Angaben des Stadtrats neue Luftangriffe gegeben. In der Nähe eines Wohnhauses seien Bomben abgeworfen worden, teilte der Stadtrat am Mittag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Die Technische Universität in der Nähe des Stadtzentrums sei getroffen worden. Angaben zu Opfern lagen zunächst nicht vor. Auf einem Video waren Einschläge zu sehen. Ein Platz war übersät mit Trümmern.

Der Stadtrat machte Russland für den Angriff verantwortlich. Moskau hat stets zurückgewiesen, zivile Ziele anzugreifen. Das russische Verteidigungsministerium kündigte zudem die Einnahme mehrerer Stadtteile der Stadt am Asowschen Meer an. Russische Truppen und Kämpfer aus Donezk stünden bereits am Stahlwerk Asow-Stahl, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow.

In den vergangenen Tagen waren bereits mehrere Anläufe für Evakuierungen von Zivilisten aus der Stadt gescheitert. Mariupol im Südosten des Landes hat offiziell 400 000 Einwohner.

+++ Lawrow wirft USA Betrieb von Labors für Biowaffen in Ukraine vor +++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den USA vorgeworfen, heimlich in der Ukraine Laboratorien für die Entwicklung von biologischen Waffen betrieben zu haben. Moskau habe Washington schriftlich aufgefordert, seine Experimente in den Biolaboratorien in der Ukraine zu erklären, sagte Lawrow nach einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba in Antalya. Lawrow warf den USA vor, unter größter Geheimhaltung an der Entwicklung von biologischen Waffen gearbeitet zu haben.

Kritik aus dem Westen, dass es dafür keine Belege gebe, wies Lawrow zurück. "Das ist nicht verwunderlich", sagte Lawrow. Niemand habe bisher davon gewusst, weil es sich um ein geheimes Programm handele. Das russische Verteidigungsministerium hatte dazu bereits Dokumente veröffentlicht, die das Programm beweisen sollen, und kündigte weitere Belege an.

+++ Pure Propaganda: Lawrow: Kein Überfall auf die Ukraine +++

Außenminister Lawrow rechtfertige den Einmarsch Russlands in der Ukraine erneut und behauptete, es handele sich nicht um einen "Überfall". Russland betont stets, es handele sich um eine "militärische Spezial-Operation", um die russischsprachige Bevölkerung zu schützen und Gefahren für die eigene Sicherheit abzuwenden. Die Operation laufe nach Plan. Lawrow kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Westen die Ukraine mit Waffen ausstatte. Verantwortung für die Lage in der Ukraine hätten auch jene, die etwa Söldner dorthin schickten. "Wir wollen diesen Krieg beenden", sagte der Minister.

"Wir planen nicht, weitere Länder zu überfallen. Wir haben auch nicht die Ukraine überfallen", sagte Lawrow. Russland sei weiter bereit zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand und die Funktion von humanitären Korridore. Moskau sei offen für jede Form von Kontakten zur Lösung der Krise in der Ukraine. Zugleich betonte er, dass es keine Alternative zu den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Belarus gebe. Das sei auch bei den Gesprächen mit Kuleba klar geworden.

+++ Finnischer Präsident Niinistö will am Freitag mit Putin sprechen +++

Finnlands Präsident Sauli Niinistö will am Freitag mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin telefonieren. Worüber er mit dem Kremlchef sprechen will, ließ der Finne nach Angaben des Rundfunksenders Yle am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Helsinki zunächst offen. "Das weiß ich nicht einmal selbst", sagte Niinistö, der manchmal als eine Art Putin-Versteher beschrieben wird.

Finnland ist das EU-Land mit der längsten gemeinsamen Grenze mit Russland. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine diskutieren die Finnen ebenso wie die benachbarten Schweden erneut über einen möglichen Beitritt zur Nato - beide Länder sind keine offiziellen Mitglieder des Militärbündnisses, aber enge Partner der Allianz. Der finnische Verteidigungsminister Antti Kaikkonen sagte nach Yle-Angaben während eines Treffens mit seinem US-Kollegen Lloyd Austin in Washington, die Hauptsorge der Nato sei derzeit, wie die Lage in der Ukraine beruhigt werden könne. Deshalb sei es nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Nato-Mitgliedschaft zu beantragen.

+++ Kiew will weitere Evakuierungen von Menschen in umkämpften Städten +++

Die Ukraine plant weitere Evakuierungen von Zivilisten aus den umkämpften Städten im Norden und Osten des Landes sowie der Hauptstadt Kiew. Evakuiert werde vor allem aus dem Gebiet Sumy an der russischen Grenze in Richtung des zentralukrainischen Poltawa, teilte der Vizechef des Präsidentenbüros Kyrylo Tymoschenko am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Ebenso werde versucht, Menschen aus Isjum im Gebiet Charkiw und den belagerten Städten Mariupol und Wolnowacha im Donezker Gebiet in sichere Regionen zu bringen.

Zudem seien weitere Transporte aus den nordwestlichen Vororten von Kiew in die Hauptstadt geplant. Menschen können sowohl mit eigenen Autos als auch mit bereitgestellten Bussen über die vereinbarten Korridore aus dem Kampfgebiet hinausgelangen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Donnerstag, Russlands Vorschlag zur täglichen Öffnung von Fluchtrouten bleibe bestehen. Zeitpunkt und konkrete Wege müssten von denen bestimmt werden, die die Lage vor Ort kontrollierten.

+++ Gespräch von Lawrow und Kuleba beendet - keine Fortschritt +++

Das erste Gespräch von Russlands Außenminister Sergej Lawrow und seinem ukrainischen Kollege Dmytro Kuleba seit Beginn des Kriegs in der Ukraine ist beendet. Die beiden Minister gingen nach etwa anderhalb Stunden wieder auseinander, berichtete das russische Staatsfernsehen am Donnerstag aus Antalya in der Türkei. Zu Ergebnissen wurde zunächst nichts bekannt. Einen gemeinsamen Auftritt vor der Presse soll es offenbar nicht geben. Beide Seiten begannen getrennt voneinander mit Pressekonferenzen.

Das Treffen der Außenminister von Russland und der Ukraine hat nach Angaben des ukrainischen Ministers Dmytro Kuleba keine entscheidenden Fortschritte gebracht. Es sei auch nicht gelungen, humanitäre Korridore für die Stadt Mariupol am Asowschen Meer zu vereinbaren, sagte Kuleba am Donnerstag nach dem Treffen im türkischen Antalya.

+++ Außenminister aus Russland und Ukraine verhandeln erstmals +++

Erstmals seit Beginn des Kriegs vor zwei Wochen haben sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba zu Verhandlungen getroffen. Die beiden Politiker kamen am Donnerstag in der türkischen Stadt Antalya zusammen.

+++ Russen-Angriff auf Kiew - Fluchtkorridore aus Sumy und Poltawa +++

Von 08.00 Uhr an deutscher Zeit ist nach ukrainischen Angaben ein neuer Versuch vorgesehen, über drei Fluchtkorridore Menschen aus Städten der Region Sumy im Nordosten in die weiter westlich liegende Stadt Poltawa zu retten. Dafür sei regional eine Waffenruhe geplant, teilte die Gebietsverwaltung mit. Aus der umzingelten Großstadt Sumy selbst waren am Dienstag und Mittwoch fast 50.000 Menschen entkommen. Um die Evakuierung der südukrainischen Hafenstadt Mariupol wird seit Tagen gerungen. Dort löste am Mittwoch ein Angriff auf eine Geburtsklinik Entsetzen aus - auch bei UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der ein Ende der "sinnlosen Gewalt" forderte.

Das Kriegsgeschehen in der Nacht blieb unübersichtlich, zumal Angaben der Kriegsparteien nicht unabhängig zu überprüfen sind. Ukrainische Behörden und die Armee meldeten russische Angriffe in der Umgebung von Sumy und die Millionenstadt Charkiw sowie versuchte Vorstöße auf die Hauptstadt Kiew und die südukrainische Stadt Mykolajiw. Doch habe man die russische Offensive gebremst. Die prorussischen Separatisten im Gebiet Luhansk sprachen ihrerseits von Beschuss durch die Ukraine, wie die russische Agentur Tass meldete.

+++ Ukraine-Russland-Verhandlungen in Antalya +++

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba ist im türkischen Antalya eingetroffen, wo er mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow Optionen für ein Ende des Kriegs ausloten will. Vermitteln will der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, will in Antalya die Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen thematisieren. Die IAEA hat nach eigenen Angaben nicht nur den Kontakt zum Kraftwerk Tschernobyl verloren, sondern auch zum größten ukrainischen Meiler Saporischschja.

Als Bedingung für eine Einstellung der Gefechte fordert Russland, dass sich die Ukraine in ihrer Verfassung für neutral erklärt. Zudem müsse Kiew die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisch sowie die Separatistengebiete als unabhängig anerkennen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine gewisse Kompromissbereitschaft angedeutet. Auch aus Moskau waren nicht mehr alle Maximalforderungen zu hören.

+++ Ukraine hofft auf weitere deutsche Waffenlieferungen +++

Die Ukraine hofft auf weitere Waffenlieferungen aus Deutschland, wie Botschafter Andrij Melnyk der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die deutsche Rüstungsindustrie habe dem Verteidigungsministerium Vorschläge gemacht. Wir erwarten eine positive Entscheidung."

Trotz einer klaren Absage der US-Regierung gibt Melnyk auch die Hoffnung auf Lieferung von MiG-29-Kampfjets nicht auf. Polen hatte sich bereit erklärt, die Flugzeuge den USA zur Verfügung zu stellen mit dem Ziel, sie letztlich in die Ukraine zu bringen. Die US-Regierung lehnt dies ab, weil sie eine Verwicklung der Nato in den Krieg befürchtet. Das US-Repräsentantenhaus billigte aber in der Nacht 13,6 Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro) Hilfen für die Ukraine.

+++ Biowaffen-Lüge! UN hat keine Kenntnis von Massenvernichtungswaffen in der Ukraine +++

Den Vereinten Nationen wissen nach eigenen Angaben nichts über angeblich in der Ukraine produzierte Massenvernichtungswaffen. UN-Sprecher Stephane Dujarric sagte am Mittwoch in New York, der Weltgesundheitsorganisation seien "keine Aktivitäten der ukrainischen Regierung bekannt, die ihren internationalen Vertragsverpflichtungen widersprechen, einschließlich chemischer oder biologischer Waffen."

Die Äußerung der UN kommt nach Vorwürfen Russlands, dass die Ukraine nukleare oder biologische Waffen entwickelt. Erst am Montag behauptete das russische Verteidigungsministerium, in der Ukraine gebe es ein Netzwerk von Bio-Laboren, die im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums arbeiteten. Internationale Faktenchecker haben diese Behauptung allerdings längst entkräftet.

Sicherheitsexperten einer westlichen Regierung warnten wegen der Vorwürfe Moskaus davor, dass Russland nicht-konventionelle Waffen in der Ukraine einsetzen könnte. Dies ähnele einem Muster, das auch bereits in Syrien zu sehen gewesen sei, sagte ein Regierungsexperte am Mittwoch vor Journalisten. "Die Russen haben angefangen, von so etwas zu reden, kurz bevor sie selbst oder ihre Verbündeten solche Waffen eingesetzt haben", so der Beamte.

+++ Britische Regierung verurteilt mutmaßlichen Angriff auf Klinik +++

Die britische Regierung hat den mutmaßlichen Angriff russischer Streitkräfte auf eine Klinik in der Ukraine auf Schärfste verurteilt. "Es gibt wenige Dinge, die verkommener sind, als die Verletzlichen und Hilflosen ins Visier zu nehmen", schrieb Premierminister Boris Johnson am Mittwoch als Reaktion auf einen entsprechenden Bericht der ukrainischen Regierung auf Twitter. Die britische Außenministerin Liz Truss sprach bei einer Pressekonferenz im Anschluss an ein Gespräch mit ihrem US-Kollegen Antony Blinken von einem "abscheulichen, skrupellosen und entsetzlichen" Angriff.

Forderungen nach einer Flugverbotszone über der Ukraine wies Truss jedoch, wie auch Blinken, erneut zurück. Großbritannien werde stattdessen Luftabwehrsysteme an die Ukraine liefern. "Wir glauben, dass der beste Weg, um diese Bedrohung anzugehen ist, den Ukrainern mit dem Starstreak-Luftabwehr-System zu helfen, dass wir liefern", sagte Truss.

+++ Zehn SPD-Chefs fordern Schröder zu Distanzierung von Putin auf +++

Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil sowie acht ehemalige SPD-Chefs haben den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Distanzierung von Kreml-Chef Wladimir Putin aufgerufen. "Handle und sage klare Worte", heißt es in dem Brief, über den das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet und der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Angesichts des Kriegs in der Ukraine gehe es jetzt darum, "unmissverständlich sich auch gegen das kriegerische Handeln von Präsident Putin zu stellen".

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Der Blick vieler Menschen richtet sich auf Dich. Und Du entscheidest in diesen Tagen selbst, lieber Gerhard, ob Du auch zukünftig ein geachteter Sozialdemokrat bleiben willst." Wenn Schröder nicht öffentlich eine Erklärung abgebe, werde man sich "in diesem Sinne" äußern, schrieben die aktuellen und früheren Parteichefs bereits am 3. März, wie nun bekannt wurde. Unterzeichnet haben noch Norbert Walter-Borjans, Andrea Nahles, Martin Schulz, Kurt Beck, Franz Müntefering, Matthias Platzeck, Rudolf Scharping und Björn Engholm. Nicht unterschrieben haben die früheren SPD-Chefs Sigmar Gabriel und der zur Linkspartei gewechselte Oskar Lafontaine.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die SPD-Spitze hatten den früheren Regierungschef und Parteivorsitzenden bereits aufgefordert, wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine seine Posten bei russischen Staatsunternehmen zu räumen. Über eine Antwort Schröders wurde bisher nichts bekannt.

+++ Selenskyj wirft Russland Angriff auf Geburtsklinik in Mariupol vor +++

Die Ukraine hat Russland einen Angriff auf eine Geburtsklinik in der umkämpften Hafenstadt Mariupol vorgeworfen. Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter ein Video, das völlig verwüstete Räume der Klinik zeigen soll. Demnach müssen eines oder mehrere Geschosse oder Bomben im Hof des Klinikkomplexes eingeschlagen sein. Die Druckwelle zerstörte Scheiben, Möbel und Türen, wie im Video zu sehen ist. Das Gelände rund um das Gebäude am Asowschen Meer im Südosten des Landes war mit Trümmern übersät.

Von russischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor. Moskau betont stets, keine zivilen Ziele zu attackieren.

"Angriff russischer Truppen auf die Entbindungsstation. Menschen, Kinder sind unter den Trümmern", schrieb Selenskyj. Die strategisch wichtige Hafenstadt wird seit Tagen von russischen Truppen belagert. Mehrere vereinbarte Versuche, Menschen über Fluchtkorridore in Sicherheit zu bringen, scheiterten. Beide Seiten gaben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Nach Angaben der lokalen Behörden wurden mehrere Bomben abgeworfen. Das ließ sich nicht überprüfen. "Die Zerstörung ist enorm", teilte der Stadtrat mit. Angaben zu möglichen Opfern wurden zunächst nicht gemacht. In der Klinik seien kürzlich noch Kinder behandelt worden. Selenskyj forderte als Konsequenz aus dem Angriff einmal mehr eine Flugverbotszone über der Ukraine. Die Nato hat das aber abgelehnt.

+++ Putin und Scholz telefonieren wegen Ukraine-Krieg +++

Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Die Spitzenpolitiker hätten "politisch-diplomatische Anstrengungen" zur Lösung des Konflikts besprochen, teilte der Kreml am Mittwoch in Moskau mit. Putin habe mit Scholz zudem über die russischen Verhandlungen mit der Ukraine gesprochen. Beide Seiten hatten sich zuletzt am Montag in Belarus ausgetauscht, ohne dass nennenswerte Fortschritte bekannt wurden.

Zudem habe Putin Scholz über die Rettungsmaßnahmen für Zivilisten in umkämpften ukrainischen Städten informiert. Der Kremlchef warf demnach ukrainischen Einheiten vor, die Evakuierungen zu behindern. Die Ukraine hält ihrerseits Russland vor, die Fluchtkorridore zu beschießen. "Es wurde vereinbart, die Kontakte auf verschiedenen Ebenen fortzusetzen", hieß es vom Kreml abschließend über das Telefonat.

+++ UN-Menschenrechtsbüro dokumentiert Tod von 516 Zivilisten in Ukraine +++

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat in der Ukraine seit dem Einmarsch Russlands am 24. Februar und bis Mittwoch, 00.00 Uhr, den Tod von 516 Zivilisten dokumentiert. Darunter waren 37 Minderjährige, wie das Büro in Genf berichtete. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 908 Verletzte vor, darunter 50 Minderjährige.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, betont stets, dass die tatsächlichen Zahlen mit Sicherheit deutlich höher lägen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchten oft Tage, um Opferzahlen zu überprüfen. Das Hochkommissariat gibt nur Todes- und Verletztenzahlen bekannt, die es selbst unabhängig überprüft hat.

"Die meisten Opfer unter der Zivilbevölkerung wurden durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite verursacht, darunter durch den Beschuss mit schwerer Artillerie und mit Raketenwerfern sowie durch Raketen- und Luftangriffe", teilte Bachelets Büro mit. Das Büro lieferte auch eine Aufteilung nach Regionen: Demnach kamen in den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten des Landes 87 Menschen in von der Regierung kontrollierten Zonen ums Leben, 24 auf dem Gebiet der selbst ernannten und von Russland anerkannten Republiken. 405 Todesfälle wurden in anderen Landesteilen registriert, darunter in Kiew, Charkiw und Cherson.

+++ London kündigt weitere Waffenlieferungen an die Ukraine an +++

Die britische Regierung will die Ukraine im Kampf gegen russische Truppen weiter mit Waffenlieferungen unterstützen. Das kündigte Verteidigungsminister Ben Wallace am Mittwoch im Parlament in London an. Bislang seien 3615 sogenannte NLAW-Panzerabwehrraketen geliefert worden, so Wallace. Weitere sollen folgen. Die Regierung wolle aber auch eine kleine Zahl an Javelin-Panzerabwehrwaffen in die Ukraine schicken. Zudem werde geprüft, Boden-Luft-Raketen vom Typ Starstreak zu schicken.

"Es ist elementar, dass die Ukrainer die Fähigkeit erhalten, zu fliegen, und russische Luftangriffe unterdrücken können", sagte Wallace. Großbritannien war eines der ersten Länder, dass der Ukraine in der aktuellen Krise Waffen geschickt hat. Luftabwehrraketen erhielt das Land bisher unter anderem auch aus Deutschland.

+++ Ukraine zieht Truppenkontingent aus Kongo-Friedensmission ab +++

Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch in Afrika Auswirkungen. Der osteuropäische Staat zieht sein Truppenkontingent in der UN-Friedensmission Monusco im Osten der Demokratischen Republik Kongo ab. Das gab die Monusco am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa bekannt. Das ukrainische Kontingent bestehe aus insgesamt 250 Soldaten, Helikoptern sowie Militärgerät. Im Osten des zentralafrikanischen Kongos sind mehrere Milizen aktiv, denen es meist um die Kontrolle wertvoller Bodenschätze wie Kupfer, Kobalt, Gold und Diamanten geht. Die US-Regierung hat die ADF-Rebellen etwa als Ableger der Miliz Islamischer Staat (IS) eingestuft.

+++Gipfel dürfte Ukraine keine Hoffnung auf schnellen EU-Beitritt machen +++

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten werden die Hoffnung der Ukraine auf einen schnellen Beitritt zur Europäischen Union voraussichtlich enttäuschen. Ein Entwurf der Abschlusserklärung für den bevorstehenden EU-Gipfel weist lediglich darauf hin, dass die EU-Kommission um eine Einschätzung zum Antrag der Ukraine auf Mitgliedschaft gebeten wurde. Von einem beschleunigten Verfahren oder einer grundsätzlichen Zustimmung ist nicht die Rede.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angesichts des russischen Kriegs gegen sein Land vergangene Woche die Mitgliedschaft in der EU beantragt. Der Beitritt zur EU ist allerdings ein langer und komplizierter Prozess. Selbst wenn die EU-Kommission den Beitrittsantrag positiv bewerte sollte, könnte allein der Start der Aufnahmeverhandlungen noch lange auf sich warten lassen, da alle EU-Staaten einverstanden sein müssen. Neben der Ukraine haben zuletzt auch Moldau und Georgien einen Beitrittsantrag gestellt.

Ein ranghoher EU-Beamter sagte am Mittwoch, der ukrainische Antrag dürfte einer der Hauptpunkte der Debatte beim EU-Gipfel werden. Alle seien für eine Annäherung zwischen der Ukraine und der EU. Jedoch sei nur ein Teil der EU-Staaten dafür, bei der EU-Mitgliedschaft des Landes zügig voranzukommen. Der andere Teil bevorzuge eine ausführliche Debatte zu einem späteren Zeitpunkt.

Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU treffen sich an diesem Donnerstag und Freitag zu einem informellen EU-Gipfel in Versailles bei Paris. Dabei wollen sie auch darüber beraten, wie die EU unabhängiger von russischen Energieimporten werden und ihre Verteidigungsfähigkeit ausbauen kann. In dem Entwurf der Erklärung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden zudem weitere Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt. Man sei bereit, schnell zu handeln, wenn weitere Sanktionen nötig seien, heißt es.

+++ Putin will angeblich keinen Selenskyj-Sturz - Gespräche in Antalya +++

Russland strebt nach eigenen Angaben mit dem Krieg gegen die Ukraine keinen Machtwechsel in der ehemaligen Sowjetrepublik an. Ziel sei "weder die Besatzung der Ukraine noch die Zerstörung ihrer Staatlichkeit noch der Sturz der aktuellen Führung" unter Präsident Wolodomir Selenskyj, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Staatsagentur Tass zufolge in Moskau. An diesem Donnerstag wollen der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba zu Gesprächen in der Türkei zusammenkommen. Die Begegnung, die in Antalya stattfinden soll, wäre zwei Wochen nach dem russischen Angriff auf das Nachbarland das erste solche Treffen.

Sacharowa bekräftigte die russischen Forderungen an Kiew für ein Ende der Kämpfe. "Die Ziele der militärischen Spezialoperation sind der Schutz der Volksrepubliken Donezk und Luhansk, die Demilitarisierung und Denazifizierung der Ukraine und die Beseitigung der militärischen Bedrohung Russlands." Russland behauptet, die ukrainische Führung um den jüdischstämmigen Selenskyj sei von Nazis unterwandert, die in den ostukrainischen Separatistengebieten einen "Genozid" an der russischen Minderheit verübten. Dafür gibt es keine Belege. Zudem fordert Moskau, Kiew müsse auf das in der ukrainischen Verfassung verankerte Ziel eines Nato-Beitritts verzichten, sich für neutral erklären und abrüsten. Der ukrainische Außenminister Kuleba räumte wie zuvor Selenskyj ein, der Nato-Beitritt sei nicht aufgehoben, aber aufgeschoben. Allerdings benötige die Ukraine sofort starke Sicherheitsgarantien, denen die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats zustimmen müssten, also auch Russland.

+++Mehr als 80.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland +++

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine haben die Behörden in Deutschland die Ankunft von 80.035 Kriegsflüchtlingen festgestellt. Das teilte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall, am Mittwoch in Berlin mit. Die Bundespolizei habe ihre Kontrollen zwar deutlich verstärkt. Da es an der Grenze zu Polen und Tschechien keine stationären Kontrollen gebe und viele Neuankömmlinge bei Verwandten untergekommen seien, sei die tatsächliche Zahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht gesucht haben, aber noch nicht bekannt. Es ergebe sich allerdings "von Tag zu Tag ein genaueres Bild", weil sich Flüchtlinge mittelfristig um staatliche Hilfe bemühten oder wegen Schulplätzen für die Kinder anfragten.

Um Engpässe bei der Unterbringung der Geflüchteten, vor allem in Berlin, zu vermeiden, würden inzwischen zusätzliche Züge und Busse eingesetzt, mit denen die Menschen in andere Bundesländer gebracht würden, teilte die Bundesregierung mit. Auch eine kostenlose Weiterreise in ein anderes europäisches Zielland sei möglich. Es gebe große Anstrengungen, die Behörden der Hauptstadt zu entlasten, sagte Kall - auch durch Personal aus den Bundesbehörden.

Die meisten der mehr als zwei Millionen Menschen, die in den vergangenen zwei Wochen aus der Ukraine geflohen sind, halten sich in den Nachbarländern auf. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) will am Donnerstag eine Aufnahmeeinrichtung in Polen besuchen. Im Zusammenspiel von Staat, privaten Helfern und Angehörigen der Flüchtlinge funktioniere die Versorgung der Ankommenden in Deutschland gut, sagte der SPD-Innenpolitiker Helge Lindh. Dennoch müsse über eine Entlastung von besonders stark durch Zuzug betroffene Kommunen gesprochen werden, da "einige Kommunen schon am Anschlag" agierten.

+++ Rettung aus Mariupol? Ukraine und Russland starten neuen Versuch +++

An Tag 14 des russischen Kriegs gegen die Ukraine haben beide Seiten am Mittwoch erneut versucht, Menschen die Flucht aus umkämpften Städten zu eröffnen. Russland verkündete dazu am Morgen eine weitere Feuerpause, die Ukraine akzeptierte sechs Fluchtrouten. Die militärischen Fronten schienen am Mittwoch weitgehend statisch. Nach ukrainischen Angaben gab es wieder Angriffe auf mehrere Städte und dabei Tote und viele Verletzte. Ukrainische Kräfte hätten die Angreifer zurückgeschlagen, hieß es im ukrainischen Lagebericht. Die Angaben der Kriegsgegner sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Das britische Verteidigungsministerium erklärte auf Twitter, nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew werde weiter gekämpft, doch hätten die russischen Truppen dort keinen entscheidenden Durchbruch erreicht. Die ukrainische Luftabwehr habe offenbar Erfolge. Die Städte Charkiw, Tschernihiw, Sumy und Mariupol seien weiter eingeschlossen.

+++ Ukrainische Behörden: Evakuierung aus Sumy wird fortgesetzt +++

Die Evakuierung von Zivilisten aus der nordostukrainischen Großstadt Sumy soll heute weitergehen. Der Fluchtkorridor in Richtung der zentralukrainischen Stadt Poltawa sei bis 21.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr MEZ) geöffnet, schrieb der Chef der Gebietsverwaltung, Dmytro Schywyzkyj, am Morgen im Nachrichtenkanal Telegram. Das Verhandlungsteam habe die ganze Nacht daran gearbeitet. Die Evakuierungen sollten um 8.00 Uhr MEZ starten. Die Menschen können Schywyzkyj zufolge die Stadt mit eigenen Autos oder mit 22 Bussen verlassen. Dabei werde mit dem Roten Kreuz zusammengearbeitet.

Auch das russische Verteidigungsministerium kündigte am Vormittag eine Feuerpause ab 8.00 Uhr (MEZ) an, um die sichere Flucht für Zivilisten aus Sumy und anderen Städten zu gewährleisten. Aus Kiew etwa sollte es diesen Angaben zufolge Korridore über Belarus nach Russland geben. Aus der ostukrainischen Großstadt Charkiw sei eine Fluchtroute in die russische Stadt Belgorod geplant, aus der Hafenstadt Mariupol nach Rostow am Don. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden bereits 6700 Menschen aus Sumy gerettet. Es war bislang der einzige von fünf vereinbarten Fluchtkorridoren, der auch wirklich zu funktionieren schien.

Nach Angaben Schywyzkyjs stieg die Zahl der Todesopfer der schweren Luftangriffe aus der Nacht zum Dienstag auf 22. Darunter seien drei Kinder. Die Leiche eines Jungen sei am Dienstag unter den Trümmern gefunden worden. Eine Bombe habe ein Privathaus getroffen und dort neun Menschen getötet, schrieb der Chef. Er veröffentlichte Fotos von völlig zerstörten Häusern und Trümmern auf den Straßen.

+++ Russische Flugzeuge können in Großbritannien festgesetzt werden +++

Russische Flugzeuge können auf britischem Boden künftig festgesetzt werden. Eine Landung der Maschinen in Großbritannien soll gesetzeswidrig werden, wie die britische Regierung am Dienstagabend als neue Sanktion gegen Russland ankündigte. Das soll auch Privatjets betreffen, die von reichen Russen gechartet werden.

Einem BBC-Bericht vom Mittwoch zufolge soll im Zusammenhang mit einer Maschine auf einem Flughafen in der englischen Grafschaft Hampshire bereits ermittelt werden. Zuvor hatte Großbritannien wie die EU-Staaten und andere Länder den eigenen Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt und Landungen verboten. Außerdem dürfen künftig keine britischen Güter mehr an die russische Luft- oder Raumfahrtindustrie geliefert werden. Die Maßnahmen sollten weiteren wirtschaftlichen Schaden für Russland und den innersten Kreml-Zirkel verursachen, sagte die britische Außenministerin Liz Truss. Man arbeite weiter daran, "Russland auf der internationalen Bühne zu isolieren".

+++ Gazprom: Gaslieferungen durch Ukraine laufen weiter +++

Trotz des Kriegs in der Ukraine liefert der russische Energieriese Gazprom eigenen Angaben zufolge weiter in hohem Umfang Gas für den Transit durchs Nachbarland. Die tägliche Liefermenge betrage am Mittwoch weiterhin wie vertraglich vereinbart 109,5 Millionen Kubikmeter, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow der Agentur Interfax zufolge. Vor dem Hintergrund gestiegener Preise sei die Nachfrage der europäischen Kunden deutlich gestiegen.

Russland betont stets, auch in Krisenzeiten ein zuverlässiger Energielieferant zu sein. Wegen der Sanktionen des Westens und der Diskussionen in der EU, sich von russischem Gas und Öl zu lösen, hatte Moskau am Montag allerdings erstmals damit gedroht, die Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland einzustellen.

+++ Ukraine-Kriegs: Tote Kinder bei Russen-Angriff Schytomyr und Charkiw +++

Auch in der Nacht zum Mittwoch meldeten ukrainische Behörden Tote - darunter auch Kinder - und viele Verletzte bei russischen Luftangriffen unter anderem in den Regionen Schytomyr und Charkiw. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

+++ Keine Fluchtkorridor in Mariupol - 200.000 Menschen eingeschlossen +++

Die Kriegsgegner ringen seit Tagen darum, Zivilisten aus den von Russland belagerten Städten fliehen zu lassen. Für die umkämpfte südukrainische Stadt Mariupol ist aber bisher kein Fluchtkorridor gelungen. Dort warten nach Angaben des Roten Kreuzes 200.000 Menschen bei katastrophalen Bedingungen darauf, aus der Stadt zu kommen. Auch Hilfslieferungen in die Hafenstadt seien gescheitert, sagte die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk der Agentur Unian.

+++ Flucht vor Krieg aus Sumy - 2 Millionen aus Ukraine geflohen +++

 

Aus Sumy hingegen flohen nach Wereschtschuks Angaben am Dienstag rund 5000 Ukrainer und etwa 1700 ausländische Studenten an einen sichereren Ort. Die Stadt, die etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt, hat allerdings rund 270.000 Einwohner. Die Fluchtrouten führen nach ukrainischen Angaben nach Poltawa, nach Lwiw (Lemberg) oder in benachbarte EU-Länder. Inzwischen sind nach UN-Angaben mehr als zwei Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. In Deutschland wurden bis Dienstag rund 64.600 Kriegsflüchtlinge registriert, doch dürften Einschätzung der Behörden schon viel mehr Ukrainer hierher gekommen sein.

+++ Kriegsende? Ukraine-Verhandlungen mit Russland über Neutralität +++

Der ukrainische Präsident Wolodymir Selenskyj richtet immer neue Appelle an den Westen, seinem Land zu helfen. "Der Krieg muss enden", sagte Selenskyj in einer veröffentlichten Videobotschaft. "Wir müssen uns an den Verhandlungstisch setzen." Nach Angaben seines außenpolitischen Beraters Ihor Showkwa schließt die Ukraine nicht aus, in Verhandlungen mit Russland auch über eine mögliche Neutralität des Landes zu sprechen. Der Berater forderte in den ARD-"Tagesthemen" ein direktes Gespräch Selenskyjs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

+++ Russische Wirtschaft wankt wegen Ukraine-Krieg - Zahlungsausfall droht +++

Da militärische Hilfe heikel ist, setzt der Westen vor allem auf wirtschaftlichen Druck. Die Bundesregierung sieht zwar bisher keine Möglichkeit, auf russische Energieimporte zu verzichten. Die USA hatten aber ein Importverbot für russisches Öl erlassen und Großbritannien eines avisiert. Mit Coca-Cola, Pepsico und Starbucks kündigten weitere Weltkonzerne Einschränkungen ihres Russland-Geschäfts an.

Die russische Wirtschaft scheint wegen der zahlreichen Sanktionen inzwischen auch schwer angeschlagen. Die russische Zentralbank verhängte drastische Einschränkungen für den Devisenhandel. So werden russische Banken kein ausländisches Bargeld mehr an Bürger verkaufen können, wie die Zentralbank mitteilte. Die Ratingagentur Fitch stufte Russlands Kreditwürdigkeit erneut herunter - auf Ramschniveau. Die Ratingnote bedeute, dass ein Zahlungsausfall unmittelbar bevorstehen dürfte, teilte Fitch mit.

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/news.de/dpa