Alexander Gauland privat: Was will der AfD-Politiker wirklich?

Alexander Gauland zählt zu den prominentesten Gesichtern der AfD und scheint für viele Anhänger die einzige Figur in der rechtspopulistischen Partei zu sein, die die Interessen von Rechts und Links, von Alt und Jung und von Ost und West in einer Person politisch bündeln und vertreten könnte. Dabei galt der Mann einmal als Verkörperung des kultivierten Intellektuellen. Was ist mit ihm passiert?

Alexander Gauland spricht am 07. Oktober 2015 in Erfurt (Thüringen) auf einer Demonstration gegen die Asylpolitik. Bild: dpa

1959 flieht ein 18-Jähriger aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Weil er in dem sozialistischen Staat nicht studieren darf. Nach seiner Flucht ist er in Notaufnahmelagern in Berlin-Marienfelde und im hessischen Gießen untergebracht. Sein Name: Alexander Gauland.

Heute ist der 77-Jährige einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion der "Alternative für Deutschland" (AfD) - und Oppositionsführer im Bundestag. Die AfD ist eine Partei, die sich wie keine andere gegen den Kurs der Bundesregierung in der Flüchtlingsthematik stemmt. Doch viel wichtiger als die tatsächlich bekleideten Ämter und Posten ist seine Autorität unter Parteigenossen: Er gilt als intellektuelles Schwergewicht und Ideengeber der noch jungen Partei, und trotz seines Alters vielen als Hoffnungsträger. Wer ist der Mann, der bei öffentlichen Auftritten häufig Polizeischutz benötigt?

Alexander Gauland: Vom Osten in den Westen, von der CDU in die AfD

Gauland wird am 20. Februar 1941 in Chemnitz geboren, in der Bundesrepublik studiert und promoviert er. 40 Jahre lang ist er Mitglied der CDU, von 1987 bis 1991 Leiter der hessischen Staatskanzlei unter dem damaligen Ministerpräsidenten Walter Wallmann. Zuletzt ist er Vertreter des sogenannten Berliner Kreises, der eine Stärkung konservativer, christlicher und marktliberaler Positionen innerhalb der CDU anstrebt und immer wieder Kritik an der Ausrichtung der Partei unter Angela Merkel übt.

Im März 2013 tritt er schließlich aus der CDU aus. Ihm sei der "gesellschaftliche Mainstream" und auch die CDU "zu links geworden", sagt er 2014 der "Zeit". Die ehemalige Volkspartei kümmere sich um Minderheiten und vergesse dabei die Mehrheit. Sie stoße diejenigen vor den Kopf, "die nicht ununterbrochen über Gender-Mainstreaming, Homosexuellenrechte und Inklusion nachdenken wollen." Er habe noch einmal etwas bewirken wollen: Zusammen mit dem Publizisten Konrad Adam und dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke gründet er im September 2012 die "Wahlalternative 2013", aus der nur wenig später die AfD hervorgeht.

FOTOS: Alternative für Deutschland Der AfD-Aufstieg in Bildern

Gegen Energiewende, gegen Ende der Wehrpflicht, gegen "Multikulti"

Wenn es etwas gibt, dass Gauland umzutreiben scheint, dann ist es die Modernisierung der Gesellschaft. Egal, ob es um die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten aus allen Teilen der Welt oder die Gleichstellung von Schwulen und Lesben geht: Nicht erst seit seinem Aufstieg in der AfD beklagt der Publizist den Bedeutungsverlust von Dingen wie der traditionellen Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, das Verschwinden eines Heimatgefühls, das Verblassen von Traditionen und einer vermeintlichen deutschen Leitkultur.

Als Autor diverser kulturkritischer Bücher - unter anderem "Was ist Konservatismus?" (1991) und "Anleitung zum Konservativsein" (2002) - fordert er wiederholt als Gegenmittel eine Entschleunigung der fortschreitenden Technologisierung und eine Rückbesinnung auf eben jene Werte und deren frühere Geltung. Eine vermeintliche "Politische Korrektheit" ist dabei immer sein erklärter Gegner.

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