Intersexualität: Zwitter-Fische durch Hormone im Wasser

20 Prozent der männlichen Flussbarsche in Flüssen in den USA haben weibliche Geschlechtsmerkmale entwickelt. Betroffen sind vor allem Schwarzmaul- und Forellenbarsch. Schuld sind Spuren der Antibabypille im Wasser.

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Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Studie des US Geological Survey (USGS) durchgeführt, die in der Fachzeitschrift Aquatic Toxicology erschien. Eine zentrale Ursache der Verweiblichung der Barsche ist die zunehmende Belastung von Abwässern durch Hormonpräparate und Antibabypillen. Vor allem synthetisch hergestelltes Östrogen, das im weiblichen Körper die Reifung der Eizellen reguliert, löst offenbar gravierende Veränderungen in männlichen Flussbarschen aus, die der Hormonbelastung ausgesetzt sind.

In manchen der untersuchten Flüsse konnten sogar bei bis zu 70 Prozent der Männchen weibliche Sexualmerkmale festgestellt werden – sogar entwickelte Eizellen ließen sich in den Körpern der männlichen Barsche nachweisen. Bekannt ist das Phänomen der verweiblichenden Barsche schon länger, auch dass die Ursache in der Verunreinigung des Wassers durch Hormonpräparate zu suchen ist, hatten Studien bereits nachgewiesen.

Doch nun hat die landesweite Analyse des USGS gezeigt, dass intersexuelle Barsche, also Tiere mit gemischtgeschlechtlichen Merkmalen, noch wesentlich stärker verbreitet ist als angenommen. Im Südosten der USA waren die Raten besonders hoch, während der einzige untersuchte Fluss, in dem keine männlichen Exemplare mit weiblichen Merkmalen gefunden wurden, der Yukon in Alaska war. Warum ausgerechnet die zwei Barscharten so stark betroffen sind und bei anderen Süßwasserfischen keine derartigen Effekte auftreten, ist allerdings noch ungeklärt.

Klar ist allerdings, dass Stoffe, die das endokrinologische System, also das hormonelle Gleichgewicht im Körper, beeinflussen, in großen Mengen ins Wasser gelangen – zu diesen sogenannten Disruptoren zählen neben Hormonen aber auch Schwermetalle, giftige Chlorverbindungen wie PCB, Pestizide, Reinigungsmittel und Medikamente. Unter unterschiedlichen Bedingungen können also auch ganz andere Stoffe das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen.

Klar ist bislang nur, dass es sich tatsächlich um ein Umweltproblem handelt, da alle diese Stoffe auf verschiedenen Wegen in die Gewässer gelangen können. Den Nachweis zu führen, welche Stoffe auf welche Arten wirken, ist aber sehr komplex – die Studienleiter folgerten daher aus ihren Beobachtungen, dass noch weitere Ursachenforschungen betrieben werden müssen.

An sich sind aber Zwitterwesen in der Biologie keine Seltenheit – auch beim Menschen ist das Phänomen verbreiteter als die gesellschaftliche Tabuisierung der Intersexualität es vermuten ließe. Hormonstörungen oder Anomalien der Chromosomen führen dazu, dass eine eindeutige Geschlechtszuordnung unmöglich ist. Allein in Deutschland gibt es zehntausende Intersexuelle – jedes 2000. Baby soll mit gemischtgeschlechtlichen Merkmalen zur Welt kommen. Jüngst musste sich etwa die Sprinterin Caster Semenya Tests unterziehen, weil sie unter «Verdacht» stand, ein Zwitter zu sein.

kat/car/news.de

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