Ukraine-Krieg aktuell: Mit Tricks an die Front gelockt - Alkoholabhängige und Kranke sollen für Putin kämpfen

Greift Russland zu immer perfideren Methoden, um sein Personalproblem im Ukraine-Krieg zu lösen? Einem aktuellen Medienbericht zufolge werden nun kranke und alkoholabhängige Männer mit Tricks für die Armee zwangsrekrutiert.

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Wladimir Putin lässt sich im Ukraine-Krieg offenbar auch von kranken und alkoholabhängigen Menschen unterstützen. (Foto) Suche
Wladimir Putin lässt sich im Ukraine-Krieg offenbar auch von kranken und alkoholabhängigen Menschen unterstützen. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexander Kazakov
  • Medienbericht: In Russland sollen kranke, alkoholabhängige und verschuldete Männer mit Tricks an die Ukraine-Front gelockt werden
  • Einige Betroffene wurden später als vermisst gemeldet
  • Kann Wladimir Putin dadurch bislang auf eine öffentliche Massenmobilisierung verzichten?

Mit Drohnenangriffen auf wichtige Rüstungsfabriken sowie im Kampf an der Front wehrt sich die Ukraine nach mehr als viereinhalb Jahren Krieg weiterhin hartnäckig gegen die russische Invasion. Die Verluste für Kremlchef Wladimir Putin sind immens. Bereits in den vergangenen Monaten wurde häufiger über zunehmenden Personalmangel in Moskaus Armee berichtet. Deshalb geraten nun offenbardie Schwächsten der Gesellschaft ins Visier der russischen Kriegsmaschinerie.

Gehen Wladimir Putin die Soldaten aus? Alkoholabhängige Männer sollen in den Ukraine-Krieg geschickt werden

Wie aktuell "CNN" berichtet, werden kranke, alkoholabhängige und verschuldete Männer mit Tricks und Gewalt in den Militärdienst gezwungen. Anwälte und Menschenrechtsorganisationen verzeichnen seit dem Sommer einen drastischen Anstieg solcher Fälle.

Laut dem in Berlin tätigen russischen Militäranwalt Artem Klyga handele es sich mittlerweile um ein alltägliches Problem. Er beschreibt die Lage der Betroffenen: "Sie haben schlicht keine Möglichkeit, Nein zu sagen, und kennen ihre Rechte nicht", erklärte er gegenüber "CNN". Die Koalition "Call to Conscience", die Wehrpflichtige und Reservisten juristisch berät, bestätigt: Die Methoden der Rekrutierer würden "von Tag zu Tag brutaler". Statt einer offiziellen Massenmobilisierung, die 2022 eine Massenflucht ausgelöst hatte, setzt Moskau offenbar auf eine verdeckte, schleichende Variante.

Bericht über Zwangsrekrutierungen mit Tricks in Russland

Der "CNN"-Bericht dokumentiert auch einige Einzelschicksale. Ein Mann Ende 50 aus Westrussland, schwer gefäßkrank und alkoholabhängig, wurde im vergangenen Juli vor seiner Wohnung von mehreren Männern in Zivil abgefangen. Man legte ihm ein Dokument vor, angeblich eine bloße Empfangsbestätigung – tatsächlich war es ein Militärvertrag. Eine Woche später verschwand er und meldete sich kurz aus einem Ausbildungslager in der besetzten Ostukraine. Ende September galt er als vermisst.

Ähnlich erging es einem weiteren Mann, der betrunken aufgegriffen und abtransportiert wurde. Ein Video zeigt den tränenreichen Abschied von seiner Mutter vor einem weißen Transporter. Die Militärstaatsanwaltschaft wies die Beschwerde der Familie zurück – er habe sich "aus freiem Willen" gemeldet. Auch er wurde wenige Wochen später als vermisst gemeldet.

In der Region Pensa, rund 600 Kilometer südlich von Moskau, zeigen im Sommer aufgetauchte Videos verzweifelte Frauen, die vor einem Bus voller zwangsrekrutierter Männer protestieren. "Glaubt ihr, die haben freiwillig unterschrieben?", schreit eine von ihnen in die Kamera. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Berichte als Fälschung.

Prämien für erfolgreich angeworbene Soldaten?

Eine besonders perfide Masche ist offenbar, dass regionale Behörden Prämien für jeden erfolgreich angeworbenen Soldaten zahlen. Der Gouverneur der Region Rjasan verkündete im Regionalparlament Boni zwischen 50.000 und 300.000 Rubel – umgerechnet rund 550 bis 3.300 Euro – pro unterschriebenem Vertrag. "CNN" fand vergleichbare Programme in zahlreichen weiteren Regionen.

Kritiker vergleichen die Praxis mit Kopfgeldjagd: "Man findet irgendjemanden – einen Betrunkenen, einen Obdachlosen – schleppt ihn zum Rekrutierungsbüro, zwingt ihn zur Unterschrift und kassiert", beschreiben die Gründer der Anti-Kriegsorganisation "New Alternative Route" das Vorgehen. Laut Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik wird dieses System von der Kreml-Führung zumindest geduldet – als bequeme Lösung für Russlands Personalproblem.

Währenddessen soll in der russischen Zivilbevölkerung große Angst herrschen.Menschenrechtsorganisationen registrieren steigende Anfragen zur Auswanderung.

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