Friedrich Merz: Kanzler provoziert mit "Liebling der Nation"-Satz

Mit weitreichenden Reformen will Friedrich Merz Deutschland wieder auf Kurs bringen – auch wenn ihn das Sympathien kostet. Beim Deutschen Arbeitgebertag kündigte der Kanzler Änderungen bei der Rente, am Arbeitsmarkt und beim Bürokratieabbau an. Vor allem eine Aussage sorgte im Netz für Empörung.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Friedrich Merz schockt mit "Liebling der Nation"-Aussage. (Foto) Suche
Friedrich Merz schockt mit "Liebling der Nation"-Aussage. Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
  • Friedrich Merz zu Gast beim Deutschen Arbeitgebertag
  • Kanzler kündigte umfassende Rentenreform und Änderungen am Arbeitsmarkt an
  • Mit "Liebling der Nation"-Aussage liefert Merz Stoff für Spott im Netz

Ein umfassender Reformkurs soll Deutschland wieder auf Kurs bringen. Dass sich Friedrich Merz damit nicht überall beliebt macht, nimmt er nach eigener Aussage in Kauf. Beim Deutschen Arbeitgebertag 2026 stellte er weitreichende Änderungen bei der Rente, am Arbeitsmarkt und beim Bürokratieabbau in Aussicht. Doch ausgerechnet eine Aussage über seine Beliebtheit sorgte anschließend in den sozialen Netzwerken für Spott.

Weitere aktuelle Meldungen aus der Politik finden Sie am Ende dieses Artikels.

Friedrich Merz will große Rentenreform auf den Weg bringen

Ein Schwerpunkt des Auftritts war die geplante Rentenreform. Das bisherige umlagefinanzierte System habe "in einer alternden Gesellschaft keine Zukunft", sagte Merz. Mit einer gesetzlichen Kapitalrente wolle die Bundesregierung die Altersvorsorge breiter aufstellen und Beschäftigte stärker an den Erträgen der Kapitalmärkte beteiligen. Deutschland sei bei diesem Schritt "mindestens 30 Jahre zu spät". Der Bundeskanzler verteidigte zudem das Vorhaben, die abschlagsfreie Frühverrentung einzuschränken. Wer gesund und leistungsfähig sei, müsse sich nach seiner Vorstellung stärker an der Finanzierung des Rentensystems beteiligen. Zugleich räumte Merz ein, dass der Umbau zunächst höhere Beiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedeuten könne. Der Zeitplan ist ambitioniert: Der Gesetzentwurf zur Rentenreform soll noch 2026 ins Kabinett eingebracht werden. Im ersten Quartal 2027 soll die Verabschiedung folgen. Ob sich dieser Zeitplan halten lässt, hängt auch von den weiteren Beratungen innerhalb der Koalition ab.

Lockerer Kündigungsschutz und weniger Bürokratie geplant

Auch den Arbeitsmarkt will Merz verändern. Unternehmen sollen künftig mehr Möglichkeiten erhalten, Beschäftigte befristet einzustellen. Zudem stellte der Kanzler eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Arbeitnehmer mit besonders hohen Einkommen in Aussicht. Diese benötigten den bisherigen Schutz nach seiner Auffassung nicht in gleichem Maße. Beim Bürokratieabbau kündigte Merz an, Berichtspflichten für Unternehmen umfassend zu reduzieren. Künftig sollen demnach nur noch solche Pflichten bestehen bleiben, deren Notwendigkeit die zuständigen Ministerien ausdrücklich begründen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger drängte derweil auf konkrete Ergebnisse. Applaus für politische Ankündigungen allein reiche ihm nicht, machte er deutlich. Entscheidend sei, dass die angekündigten Reformen tatsächlich in Gesetzesvorhaben mündeten und umgesetzt würden.

"Die beste Reform wäre Ihr Rücktritt": Heftige Kritik an Merz-Auftritt

Nach dem Auftritt verbreiteten sich Ausschnitte von Merz' Rede in den sozialen Netzwerken. Unter den Beiträgen sammelten sich kritische Kommentare. "Die beste Reform wäre Ihr Rücktritt. Bitte gehen Sie endlich", schrieb ein Instagram-Nutzer. Andere warfen dem Kanzler vor, die Folgen seiner Arbeitsmarktpläne für Beschäftigte zu wenig zu berücksichtigen. Ein Kommentator kritisierte die Aussicht auf mehr Befristungen und einen gelockerten Kündigungsschutz: "Die arbeitende Bevölkerung soll möglichst viel leisten, möglichst wenig fordern und dabei jederzeit um ihren Arbeitsplatz bangen." Auch die Rentenpläne stießen auf Widerspruch. Ein Instagram-Nutzer schrieb: "Rente mit 70 und Absenkung des Rentenniveaus unter 48 Prozent und gleichzeitig Beitragserhöhungen. Das sind die größten Rentenkürzungen aller Zeiten." Andere Kommentatoren stellten grundsätzlich infrage, ob Merz die richtigen politischen Schwerpunkte setze.

"Die Gefahr besteht auch absolut nicht": Spott über "Liebling der Nation"-Spruch des Kanzlers

Besonders viel Spott löste die Erklärung von Friedrich Merz aus, er wolle nicht "Liebling der Nation" werden. Der Kanzler hatte seine persönlichen Umfragewerte mit dem Konflikt um notwendige Reformen in Verbindung gebracht. Würde er sich aus diesem Konflikt heraushalten, wären seine Werte vermutlich besser, machte er deutlich. In den sozialen Netzwerken wurde die Aussage prompt aufgegriffen. "Die Gefahr besteht auch absolut nicht", kommentierte eine Instagram-Nutzerin trocken. Ein anderer schrieb: "Würde ja sagen, dass der Zug längst abgefahren ist, aber wenn man ehrlich ist, stand der ja nie auf dem Fahrplan."

Mehrere Kommentatoren betonten, dass es ihnen nicht um die persönliche Beliebtheit des Kanzlers gehe, sondern um seine politische Arbeit. "Ich brauche auch keine*n sympathische*n Bundeskanzler*in, sondern eine*n fähige*n. Merz unterbietet halt beide Parameter bis ins nicht mehr Messbare", hieß es in einem Kommentar. Ein weiterer Nutzer formulierte seine Kritik so: "Er soll nicht Liebling der Nation sein oder werden, der soll seinen verdammten Job machen und vielleicht mal ab und zu an seinen geleisteten Amtseid denken."

Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:

/sfx/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.