AfD: Siegmund stellt ZDF-Reporter bloß – Journalisten-Verband erhebt nun schwere Vorwürfe

AfD-Politiker Ulrich Siegmund stellt ZDF-Reporter Fabian Kösters Job infrage. Der Sender und der Journalistenverband reagieren deutlich. Im Zentrum steht die Sorge um Pressefreiheit und unabhängige Berichterstattung.

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AfD-Politiker droht ZDF-Reporter Fabian Köster: Sender und Journalisten-Verband reagieren deutlich Bild: picture alliance/dpa/dpa pool | Jan Woitas
  • Ulrich Siegmund fragt ZDF-Reporter Fabian Köster, ob er bereits einen neuen Job gesucht hat
  • Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Äußerungen als "pure Einschüchterung"
  • Das ZDF betont seine journalistische Unabhängigkeit und kündigt an, für die Sicherheit seiner Mitarbeitenden zu sorgen

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Ein kurzer Wortwechsel im Landtag von Sachsen-Anhalt sorgt für Kritik: AfD-Politiker Ulrich Siegmund stellte die berufliche Zukunft von ZDF-Reporter Fabian Köster infrage und verwies auf die geplante Kündigung des Medienstaatsvertrags durch seine Partei. Nun melden sich der Deutsche Journalisten Verband und das ZDF zu Wort. Beide betonen die Bedeutung unabhängiger Berichterstattung und den Schutz von Medienschaffenden.

Siegmund stellt Kösters Job infrage

Nach der konstituierenden Sitzung des Landtags in Magdeburg sprach Siegmund den Reporter der ZDF "heute show" an. Dabei fragte der AfD-Politiker: "Haben Sie sich schon einen Job gesucht?" Als Begründung verwies er darauf, dass die AfD noch in diesem Jahr den Medienstaatsvertrag kündigen wolle. Die Szene wurde in der Freitagsausgabe der Satiresendung ausgestrahlt. Die lineare Ausstrahlung erreichte laut dem vorliegenden Bericht mehr als 3,3 Millionen Zuschauer.

Köster ließ die Bemerkung nicht unwidersprochen stehen. Er spielte auf Vorwürfe der Vetternwirtschaft innerhalb der AfD an und konterte: "Ich hoffe halt, dass ich mit irgendeinem AfD-Kollegen verwandt bin, weil dann stellt er mich ja einfach ein." Hintergrund sind Medienberichte, wonach AfD-Abgeordnete Angehörige oder Partner von Parteikollegen über ihre Parlamentsbudgets beschäftigt haben sollen.

Journalisten-Verband spricht von Einschüchterung

Der Deutsche Journalisten-Verband reagierte "t-online" zufolge scharf auf Siegmunds Äußerungen. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster sieht darin einen Versuch, kritische Berichterstattung unter Druck zu setzen. "Das ist kein Medienkonzept, das ist pure Einschüchterung", erklärte er. Der Verband kritisierte insbesondere, dass die berufliche Zukunft eines Journalisten mit politischen Plänen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verknüpft werde. Damit werde eine Grenze überschritten.

Zusätzlich äußerte der DJV Besorgnis über einen weiteren Vorfall nach dem Gespräch im Landtag. Laut dem Verband soll Köster anschließend von einem Team des AfD-nahen Portals "Deutschland Kurier" durch die Flure des Parlaments verfolgt worden sein. Der Verband forderte die Verantwortlichen der Landtage auf, sicherzustellen, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit ohne Einschüchterung und Gefährdung ausüben können.

ZDF betont journalistische Unabhängigkeit

Auch das ZDF nahm zu dem Vorfall Stellung. Der Sender machte deutlich, dass politische Wahlergebnisse keinen Einfluss auf seine redaktionelle Arbeit haben dürften. Die Unabhängigkeit sei durch die Rundfunkfreiheit im Grundgesetz sowie durch die staatsferne Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschützt. Eine Sprecherin erklärte, dass "Regierungen und Parteien dem ZDF keine Vorgaben für seine Berichterstattung" machen könnten. Damit weist der Sender mögliche politische Einflussnahme auf seine journalistischen Inhalte zurück. Zugleich verwies das ZDF auf den Schutz seiner Beschäftigten. "Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden hat für das ZDF grundsätzlich hohe Priorität", teilte der Sender mit. Vor Außeneinsätzen würden mögliche Gefahren geprüft. Falls erforderlich, würden entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen. Welche Vorkehrungen im Einzelfall notwendig seien, richte sich nach der jeweiligen Situation.

Die Auseinandersetzung um Siegmunds Äußerungen rückt damit nicht nur das Verhältnis der AfD zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Fokus. Sie wirft auch die Frage auf, wie Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit in politischen Institutionen vor Einschüchterungsversuchen geschützt werden können.

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