Litauen: Warnung vor Russland-Aggression – Nato-Kampfjets schießen Drohne ab
Zum ersten Mal in der Geschichte der Nato haben Kampfjets eine Drohne über litauischem Boden abgeschossen - und zwar von Flugzeugen eines Nato-Partnerstaates. Damit ist erneut ein unbemanntes Flugobjekt in den baltischen Luftraum eingedrungen.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
Suche
- Kampfdrohne über Litauen abgeschossen
- Litauens Präsident warnt vor Russlands Aggression in der Ukraine
- In Polen wurde ebenfalls eine Drohne entdeckt
Nato-Kampfjets haben Berichten zufolge erstmals eine Drohne über litauischem Territorium abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei kurz nach Mitternacht vonitalienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit.Die Behörden hatten die Bevölkerungmehrerer Regionen des baltischen EU- und Nato-Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.
Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende des Artikels.
Kampfdrohne über Litauen abgeschossen
Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein, wie er im litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es bislang nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die nun untersucht werden.
Litauens Präsident warnt vor Russlands zunehmender Aggression in der Ukraine
Präsident Gitanas Nauseda reagierte noch in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X. "Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion", betonte er . "Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren Nato-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen." Zuletzt warnte auch der frühere BND-Chef Gerhard Schindler vor Putins hybriden Krieg gegen die Nato.
A drone that just entered Lithuanian airspace was destroyed by NATO fighter jets. I thank Allied personnel for their swift response.
— Gitanas Nausėda (@GitanasNauseda) September 14, 2026
With Russia intensifying its aggression against Ukraine, such readiness is vital for our region. Together with our NATO Allies, Lithuania will…
Auch Außenminister Kestutis Budrys richtete seinen Dank an die Bündnispartner, deren Präsenz den Schutz des litauischen Luftraums gewährleiste. Der Vorfall sei "das beste Beispiel für alliierte Einheit und Entschlossenheit in Aktion", zitierte der "Guardian" den Politiker. Die Botschaft an potenzielle Aggressoren sei eindeutig: Die Nato bleibe wachsam und handlungsbereit.
Bundeswehr-Brigade soll Nato-Ostflanke stärken
Litauens geopolitische Lage macht das Land besonders verwundbar. Das Land grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.
Die Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800 Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein – ein deutliches Signal der Bündnissolidarität an der östlichen Nato-Grenze.
Nato überwacht baltischen Luftraum
Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen.
Größere Nato-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von Nato-Kampfjets vom Himmel geholt.
Vorfall in Polen - russische Drohne aus der Ostsee geborgen
Nahezu zeitgleich mit dem Vorfall in Litauen beschäftigt auch Polen ein Drohnenfund. Am Montag barg das polnische Militär ein unbemanntes Flugobjekt aus der Ostsee nahe dem Strand von Rusinowo an der Nordküste des Landes. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte, eine erste Begutachtung deute auf eine russische Militärdrohne hin.
Laut einem Sprecher der polnischen Streitkräfte handelt es sich offenbar um eine Drohne vom Typ Gerbera – ein kostengünstiges Langstreckenmodell aus einfachen Materialien wie Sperrholz und Schaumstoff. Solche Flugkörper dienen häufig als Täuschkörper, können aber auch mit Sprengstoff bestückt werden. Ein Marineschiff hatte die Drohne vor der Küste geborgen. Polens Premierminister Donald Tusk warnte wiederholt davor, dass die Nato-Staaten mit einer Zunahme russischer Provokationen rechnen müssten. Zudem aktivierte Warschau vorsorglich seine Luftwaffe angesichts anhaltender russischer Drohnenangriffe auf die Ukraine.
Diese News rund um die Nato und den Ukraine-Krieg sind ebenfalls einen Blick wert:
- Schwarzmeer-Stadt brennt - Putins Ölterminal offenbar unter Beschuss
- Putin testet die Nato - wann greifen Artikel 4 und 5?
- Ex-BND-Chef warnt vor Eskalation mit der Nato - Putin gefährdet sein Überleben
- Putins Drohnen-Offensive eskaliert? Experte warnt vor schwerem "Winter"
- Menschen mit Behinderungen als Köder? Kremlchef soll sogar Blinde rekrutieren
- Verluste übersteigen Rekrutierungen - Kremlchef ändert Strategie
bos/mlk/news.de/dpa/stg
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.