Iran-Krieg aktuell: Donald Trump droht, Vance wagt Vorstoß - knallt's nach den Zwischenwahlen?

Kurz vor den US-Zwischenwahlen wagt J.D. Vance einen diplomatischen Vorstoß gen Nahost - Donald Trump verlegt sich derweil auf unverhohlene Drohungen und liebäugelt mit neuen Militärschlägen gegen den Iran. Knallt's nach den Midterms?

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Kurz vor den Midterm-Wahlen schickt J.D. Vance einen Brief an einen der mächtigsten Hardliner Teherans, während Donald Trump gleichzeitig mit einer neuen Militäroffensive droht. (Foto) Suche
Kurz vor den Midterm-Wahlen schickt J.D. Vance einen Brief an einen der mächtigsten Hardliner Teherans, während Donald Trump gleichzeitig mit einer neuen Militäroffensive droht. Bild: picture alliance/dpa/Palacio Planalto | Ricardo Stuckert
  • Donald Trump droht dem Iran mit erneuten Militärschlägen nach US-Zwischenwahlen
  • Trump-Vize J.D. Vance wagt diplomatischen Vorstoß und schreibt Brief an Hardliner Mohsen Rezaei
  • Widersprüchliche US-Strategie im Iran-Krieg zwischen Drohungen und Diplomatie

Angesichts der für den 3. November 2026 anberaumten Zwischenwahlen in den USA liegen die Nerven in den Vereinigten Staaten blank: Nicht nur die drohende Wahlniederlage von Donald Trumps Republikanern bei der Abstimmung zur Neubesetzung des Repräsentantenhauses und eines Teils des Senats lässt beim 80-jährigen US-Präsidenten die Sicherungen durchbrennen, auch der seit Ende Februar 2026 schwelende Iran-Krieg hält Donald Trump weiter auf Trab. Während sich "The Don" nun erneut in unheilvollen Drohgebärden gen Nahost ergeht, wagt Trumps Vize J.D. Vance einen diplomatischen Vorstoß in Richtung Teheran, der aufmerken lässt.

Trump-Vize Vance auf Kuschelkurs mit Iran-Hardliner Mohsen Rezaei

Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, richtete Vance ein Schreiben an Mohsen Rezaei (72), den Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats. Ziel sei es, auszuloten, ob die ins Stocken geratenen Gespräche zwischen Washington und Teheran noch einmal in Gang gebracht werden können.

Es handelt sich um die hochrangigste Kontaktaufnahme der USA mit dem Iran seit mehreren Monaten. Präsident Donald Trump (80) gab wenige Tage vor den Midterm-Wahlen grünes Licht für die Initiative seines Stellvertreters. Er beschrieb den Austausch so: "Er hat mich gefragt, was ich davon halte, ich habe gesagt: Wenn du das machen willst, ist das in Ordnung." Über den genauen Zeitpunkt des Briefes und seinen vollständigen Inhalt ist bislang nichts Näheres bekannt.

Donald Trumps Stellvertreter nennt iranisches Atomprogramm als Bedingung für Gespräche

Laut "Axios" stellte J.D. Vance in seinem Schreiben eine zentrale Bedingung: Jede Verhandlung zur Abwendung weiterer US-Militärschläge müsse zwingend das iranische Atomprogramm umfassen. Nur unter dieser Voraussetzung könnten erneute Angriffe noch verhindert werden. Der Brief skizziere dabei einen Rahmen für mögliche Gespräche, enthalte jedoch keinen konkreten Friedensvorschlag.

Mohsen Rezaei kommandierte im Krieg gegen den Irak die Revolutionsgarden und die Basidsch-Miliz – er zählt zum harten Kern der iranischen Machtstruktur. (Foto) Suche
Mohsen Rezaei kommandierte im Krieg gegen den Irak die Revolutionsgarden und die Basidsch-Miliz – er zählt zum harten Kern der iranischen Machtstruktur. Bild: Vahid Salemi/AP/dpa/dpa

Die Wahl des Adressaten macht den Vorstoß besonders heikel. Rezaei kommandierte im Krieg gegen den Irak die Revolutionsgarden und die Basidsch-Miliz – er zählt zum harten Kern der iranischen Machtstruktur. Gegenüber Verhandlungen mit den USA hatte er sich bislang ablehnend positioniert. Noch in diesem Monat drohte er laut "Wall Street Journal" damit, iranische Attacken auf Ziele in arabischen Nachbarstaaten auszuweiten – darunter Rechenzentren und Internetkabel. Sein politisches Gewicht in Teheran nimmt dennoch stetig zu.

Iran unter wachsendem Druck: Zugang für UN-Inspektoren gefordert

Parallel zur Briefinitiative von Donald Trumps Stellvertreter laufen nach Informationen von "Axios" intensive Vermittlungsbemühungen unter Führung Katars. Ziel der regionalen Diplomaten sei es, Teheran dazu zu bewegen, internationalen Atominspektoren Zutritt zu den durch Bombardierungen beschädigten Nuklearanlagen zu ermöglichen. Im Gegenzug stehe eine teilweise Aufhebung amerikanischer Sanktionen im Raum. Wie der Iran auf diesen Vorschlag reagiert hat, ist bislang nicht bekannt.

Außenminister Abbas Araghtschi (63) signalisierte auf der Plattform X grundsätzliche Gesprächsbereitschaft. Sein Land sei zwar kampfbereit, halte die Tür zur Diplomatie aber offen. "Wir stehen weiterhin in engem und ständigem Kontakt mit Vermittlern, um Vorschläge zu prüfen", schrieb er. Araghtschi verwies dabei auf einen iranischen Sieben-Tage-Deeskalationsplan, den Washington allerdings bisher zurückgewiesen hat. Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani traf sich unterdessen in Amman mit Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi, um über diplomatische Lösungswege zu beraten.

Donald Trump droht dem Iran mit neuen Militärschlägen nach den Zwischenwahlen

Während sein Stellvertreter diplomatische Kanäle nach Nahost öffnet, verschärft Donald Trump indes seinen Tonfall. Bei einem Wahlkampfauftritt in Fort Myers (Florida) drohte Donald Trump zuletzt unverhohlen mit einer Wiederaufnahme militärischer Gewalt gegen den Iran. "Vielleicht machen wir noch eine kleine 'Epic Fury'", sagte er. Unter diesem Codenamen hatten die USA und Israel Ende Februar 2026 eine gemeinsame Militäroffensive gegen iranische Ziele gestartet.Trump fügte hinzu: "Oder sie einigen sich. Wenn sie schlau sind, sagen sie einfach: Lasst uns zur Sache kommen. Aber ich bezweifle, dass sie das tun werden, weil sie vielleicht nicht schlau sind."

Laut "Wall Street Journal" hat Washington zudem mehrere arabische Golfstaaten angewiesen, sich auf einen kurzen, aber heftigen Militäreinsatz nach den Kongresswahlen am 3. November vorzubereiten. Seit Längerem kursieren Berichte, wonach amerikanische und israelische Streitkräfte nach den Midterms erneut im Iran zuschlagen könnten.

Donald Trump verfolgt widersprüchliche Doppelstrategie im Iran-Krieg mit Diplomatie und Drohungen

Die Signale aus Washington könnten gegensätzlicher kaum sein: Auf der einen Seite streckt der Vizepräsident einem iranischen Hardliner die Hand entgegen, auf der anderen kündigt der Präsident neue Bombardements an. Trump selbst stellte die Initiative seines Stellvertreters zudem anders dar als Medienberichte – ihm zufolge gehe es dabei um iranische Bitten nach medizinischen Hilfsgütern und anderen Lieferungen.

Neu ist die Doppelstrategie aus Gesprächsangeboten und militärischem Druck nicht. Bereits im April hatten sich Vance, die US-Unterhändler Steve Witkoff (69) und Jared Kushner (45) mit Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf (65) und Außenminister Araghtschi in Islamabad getroffen. Die damaligen Gespräche zogen sich über 21 Stunden hin – brachten aber keinen Durchbruch. Ob der neue Anlauf über Rezaei mehr Erfolg haben wird, bleibt offen.

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/news.de/dpa/stg

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