Do., 23.02.12

Störsender Selbstjustiz gegen das Handy-Gebrabbel

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Artikel vom 20.01.2012

Handygespräche des Nachbarn im Zug nerven oft. Freunde der Ruhe kaufen illegale Störsender, um ungestört zu bleiben. Auch ein österreichischer Schulleiter nutzte ein solches Gerät zur Selbstjustiz gegen die Smartphone-Schummelei seiner Schüler. Prompt wurde er angezeigt.

Vokabeln kurz im Netz checken, die Matheaufgaben schnell dem Kumpel mailen, weil man selbst nicht weiter weiß: Der Schulleiter eines Salzburger Gymnasiums hatte genug von der Schummelei seiner Schüler per Smartphone. Das Einsammeln der Telefone habe nicht funktioniert: «Die kommen mit zwei Handys, geben das von der Oma ab und behalten ihr Smartphone», sagte er österreichischen Medien.

Für den ordnungsgemäßen Ablauf von Abiturprüfungen im vergangenen Jahr schritt der Lehrer dann zur Selbstjustiz. Er bestellte sich einen Handy-Störsender und stellte ihn auf die Toilette. Im Umkreis von 15 Metern war nun kein Empfang mehr möglich. Doch plötzlich kamen zwei Mitarbeiter des Fernmeldebüros mit Peilgeräten in die Schule, orteten den Störsender und beschlagnahmten ihn.

Der Netzbetreiber habe die Störung bemerkt, so die offizielle Version. Der Schulleiter glaubt aber an Verrat aus den eigenen Schülerreihen. «Eine demütigende Geschichte» sei es gewesen. Weil der Störsender illegal ist, hätte der Schulleiter 4000 Euro bezahlen müssen, schließlich blieb es bei einer Abmahnung.

Handy-Störsender für Privatleute verboten

Wie in Österreich ist die Rechtslage auch in Deutschland und vielen Teilen der EU: Die «Jammer», handygroße Störsender, die durch Störwellen alle Mobilfunksignale im Umkreis von 15 Metern blockieren, dürfen zwar gekauft, aber privat nicht genutzt werden.

Offiziell dürfen mit dem Signalstörer nur Behörden arbeiten. Verschiedene Bundesländer haben in den vergangenen Jahren damit begonnen, ihre Gefängnissen mit den Sendern auszustatten - etwa Nordrhein-Westfalen. In der Freiheit jedoch lässt nur Frankreich die Handystörer zu: Dort dürfen Störsender in Kinos, Theater und bei öffentlichen Veranstaltungen eingesetzt werden.

Für private Freunde der Ruhe bleibt das Internet. Dort gibt es Geräte, die alle Vieltelefonierer im Umkreis von 15 Meter zur Ruhepause zwingt, für rund 200 Euro. Als Einsatzbereiche werden neben Schule, Uni, Bibliotheken, Casinos, Meetings eben auch Bahnfahrten genannt. Auch wenn es illegal ist: Offenbar erfreuen sich die Geräte in Deutschland eines immer größeren Zuspruchs.

«Fantastisch! Ich habe keinen Big-Brother-Effekt mehr»

Wenn Sie demnächst im Zug mal wieder keinen Empfang haben, stürmen Sie nicht gleich wütend auf den nächsten Schaffner zu. Vielleicht sitzt irgendwo in der Umgebung ein Freund der Ruhe. Auf der Webseite eines Anbieters rühmen sich die Ruhefreunde ihrer Siege: «Fantastisch, es funktioniert! Nun habe ich bei der Benutzung (tgl. zirka 2 Stunden) der öffentlichen Verkehrsmittel in meiner näheren Umgebung endlich kein Handy ‹Big Brother-Effekt› mehr» bedankt sich ein euphorischer Dieter.

Und Käufer Erwin ergänzt erfreut, wie beim Test im Zug «drei Personen daraufhin gleichzeitig Probleme beim Telefonieren bekamen». Und zu Hause «kann ich dem Freund meiner Tochter das Surfen mit dem iPhone zur Qual machen», so der Störfreund hämisch.

iwi/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren

Ruhe in Zug und Schule: Störsender gegen das Handy-Gebrabbel immer populärer » Technik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/technik/855264030/ruhe-in-zug-und-schule-stoersender-gegen-das-handy-gebrabbel-immer-populaerer/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 15.02.2012 12:01
von
Hedoja49

Ob im Krankenhaus, der Oper, dem Musical, dem Kino oder in gemeinsam benutzten Räumen wie in Zügen, bitte nur bestimmte Bereiche für Handys zulassen. Ich würde mich jetzt schon über die Beschwerden der Handybenutzer freuen, die sich von dem vielen Gebrabbel ihrer Mitstreiter gestört fühlen. Ist es wirklich nötig im Zug anzurufen nur um zu sagen: Schatz, bin gleich da.- ? Bereits mehrfach -bei Veranstaltungen- man lauscht beglückt und dann klingeling klingeling. Ich könnte diese Leute am liebsten wegen Rücksichtslosigkeit rausschmeißen.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 3
  • 22.01.2012 13:10
von
Mobilfreund

alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Schön, wenn man in der Schule währed des Unterrichts oder Prüfungen - nicht in den Pausen - den Handy-Verkehr stören kann. Aber im öffentlichen Bereich, darf das nicht eingeschränkt werden, dann wären die allgemein gewünschte Mobilität und Notrufe nicht mehr möglich! Wo ist die Waffe gegen die Waffe? Mit welchem Gerät kann ich - wenn Handy-Empfang gestört - einen Störer feststellen und lokalisieren. Wer kann mir dazu Antwort geben???

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 2
  • 21.01.2012 14:24
von
icke

Ich bin in meiner Wohnung umzingelt von Ausländischen Mitbürgern.Wenn diese telefonieren ob Handy oder Festanschluss,ich höre alles vrstehe aber leider nicht alles,sonst würde ich mich mit unterhalten.Warum nur schreien die so?Angst das es in der Heimat nicht ankommt oder was?

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 1
  • 21.01.2012 13:19
von
HAH
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren