Von news.de-Volontärin Ines Fedder und News.de-Redakteurin Susann Lederer - 29.04.2014, 16.04 Uhr

Walpurgisnacht 2014: Mystik und Legende: Lasst die Hexen brennen!

Die Walpurgisnacht wird auch 2014 wieder vom 30. April zum 1. Mai vor allem im Harz gefeiert. Auf dem Hexentanzplatz in Thale, auf dem Brocken und in Schierke: Vielerorts übernehmen Hexen die Macht über die Nacht. Alles zu Ursprung, Bedeutung und Brauchtum der Walpurgisnacht.

Die Besen sind gespornt, das Hexenkraut geputzt und der Scheiterhaufen steht schon zum Brennen bereit. Jedes Jahr werden in der Nacht zum ersten Mai aus normalen Menschen, gruselige Hexen und dunkle Gestalten: Es ist Walpurgisnacht!

Walpurgisnacht 2014: Entstehung, Legende und Bedeutung

Die Legende von Hexenfeuern und rituellen Tänzen zur Walpurgisnacht geht auf die alten Germanen zurück. Man feierte ein Fest, um den Frühling zu empfangen und den kalten Winter hinter sich zu lassen.

Im Zuge der Christianisierung wurden die heidnischen Bräuche verdammt und das Fest verboten. Von nun an vertrieb man nicht mehr böse Wintegeister, sondern verbrannte Hexen auf dem Scheiterhaufen. Unter dem Namen «Walpurgis» (Schutzpatronin für Seuchen und Krankheit) wurde die Nacht zur «Nacht der Hexen».

Die Blocksberge im Harz
Walpurgisnacht
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Fliegende Hexen zur Walpurgisnacht: Besenritt, Hexenkraut und Hexensabbat

Die gläubigen Christen gingen fest davon aus, dass sich Weiber mit dunklen Zauberkräften stets zur Walpurgisnacht trafen, um den Teufel anzubeten. Sie tanzten mit dem Rücken zueinander um das Hexenfeuer, aus dem der «Herr der Hölle» emporstieg und küssten ihm bei Ankunft das Hinterteil. Anschließend feierten sie Hochzeit und wurden mit einem dunklen Mal belegt.

Hexenverfolgung und grausame Morde wurden aufgrund dieser Vorstellung im Namen der Kirche praktiziert. Die Vorstellung von Frauen mit Zauberkräften verankerte sich in der Gesellschaft. Nicht nur die Kirche glaubte an diese Idee, sondern auch die Frauen selbst nährten den Mythos.

Den Erzählungen nach wurden zur Walpurgisnacht zuhauf fliegende Weiber auf einem Besen gesichtet. Zahlreiche Augenzeugenberichte aus der Zeit des Mittelalters belegen das. Auch Tagebucheinträge und die Frauen selbst bestätigten die Vorstellung von Hexen, die auf Besen fliegen.

Heute vermutet man, dass durch die Einnahme von bewusstseinsveränderten Kräutern Halluzinationen hervorgerufen wurden, die den Gerüchten um Zauberkräfte und fliegende Hexen Nahrung gaben. Angeblich soll eine spezielle Hexensalbe Schuld daran sein, dass es heute so viele Überlieferungen von fliegenden Hexen gibt.

Die Frauen rieben sich damit ein und gelangten so in einen starken Rauschzustand. Die Folge: Sie glaubten tatsächlich, dass sie fliegen können. Berichte von Orgien mit dem Teufel seien ebenfalls auf das Kraut zurückzuführen.

Walpurgisnacht 2014: Tradition im Harz (Thale, Brocken, Schierke) - und auch in Schweden und Finnland

In den letzten Jahren entwickelte sich die Walpurgisnacht vor allem zu einem großen Volksfest. Sehr weit verbreitet ist das Walpurgisfest in der Region rund um den Harz. Der berühmteste von allen Hexentanzplätzen befindet sich dort auf dem Brocken, wo auch schon Goethe «Mephistopheles» tanzen ließ. Die Region ist die größte Austragungsstätte der Walpurgis-Feierlichkeiten.

Früher trafen sich die Wanderer regelmäßig und feierten den 1. Mai; heute verteilen sich jährlich etwa 100.000 Besucher auf rund 20 Festplätzen. Viele Menschen entstellen ihre Gesichter mit Gruselmasken von Hexen und Dämonen – und tanzen dabei um eine brennende Puppenhexe über dem Scheiterhaufen.

Als »Blocksberg« bezeichnet man seit dem Mittelalter die berüchtigten Hexentanzplätze – und davon gibt es im Harz zur Walpurgis reichlich.

Naturbühne am Hübichenstein, Bad Grund: Mitten im Wald treffen sich Hexen, Teufel, Kobolde und die Maikönigin, um in einem mystischen Schauspiel böse Wintergeister zu vertreiben. Schaurig ist auch der Weg zur Naturbühne mit einem stimmungsvollen Fackelumzug.

Hexentanzplatz Thale: Auf dem Bergplateau über dem Bodetal liegt einer der berühmtesten Hexentanzplätze der Walpurgisnacht. Kindern wie Erwachsenen bietet sich ein buntes Programm. Nicht nur zu Walpurgis erzählt die zum Museum umfunktionierte Walpurgishalle von Legenden des Hexensabbat.

Kurpark in Schierke: Noch historischer präsentiert das 700-Seelen-Dorf Schierke seinen Kurpark zur Walpurgisnacht. Dort bieten Krämer und Kunsthandwerker ihre Waren feil, Wikinger kämpfen und Ritter kampieren auf einem Mittelaltermarkt.

Braunlage: Auch der berühmte Urlaubsort beim Brocken sieht zu Walpurgis allerlei Hexenpack durch die Straßen ziehen – und wer durch seine Alltagskleidung noch nicht dazugehört, den richten Schminkteams für die dämonische Gesellschaft her.

Kurpark in Bad Lauterberg: Feuer trifft Wasser und zischt auf zu einem mystischen Spektakel. Das Lagerfeuer treibt im Kurpark von Bad Lauterberg auf einem Floß aufs Wasser, eine Feuershow malt als Höhepunkt Flammen in den dunklen Nachthimmel.

Walpurgisnacht in Schweden und Finnland: Für die Schwedischen Studenten hat die Walpurgisnacht eine ganz besondere Bedeutung: Die feiern nämlich das Ende ihrer Klausurphase. Die größten Studentenfeiern des Jahres sorgen dabei immer wieder für große Alarmbereitschaft bei der Polizei und den Krankenhäusern. Unter Alkoholeinfluss wird oft tagelang durchgefeiert. Zudem hält sich der Mythos, dass man zur Walpurgisnacht ungestraft Schabernack treiben kann.

So bleibt die Walpurgisnacht nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt ein aufregendes Spektakel, welches sich vom heidnischen Brauch zum beliebten Volksfest entwickelt hat.

Brauchtum Walpurgisnacht: Maibaum, Peitschenknallen und Maisprung

Die Existenz von fliegenden Hexen gilt heute im allgemeinen als widerlegt und auch die Hexenverbrennung ist seit geraumer Zeit passé. Dennoch ist die Walpurgisnacht auch heute noch von Brauchtum und Mystik umgeben.

Noch aus der Zeit des Hexenglaubens stammt der Brauch des nächtlichen «Peitschenknallens». Damit Heim und Familie vor den grausigen Hexen geschützt sind, knallt man mit einem Besen oder Maibusch laut vor seiner Türschwelle, so dass die Hexen ferngehalten werden.

Ebenfalls Brauch am 30. April ist der «Gang durchs Hexenfeuer». Durch das Spazieren zweier Feuerstellen wird angeblich die Seele gereinigt. Übrigens: Ein Sprung zweier Verliebter über das abgebrannte Feuer bringt Glück in der Liebe.

Beim «Maistrich» können die Liebenden ihre Gefühle dann offiziell machen: Dabei werden in der Nacht weiße Linien von Haus zu Haus des Paares gezogen, um dem ganzen Dorf zu zeigen, dass sie zusammen sind.

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ife/news.de

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