Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner - 02.04.2010, 11.27 Uhr

Neonazis: Die Sprache des Hasses

«Neger, Juden, Fidschis, Grüne, Linke, Schwule» - der Hass richtet sich gegen viele, die anders denken, anders aussehen oder - nach Meinung Rechtsradikaler - anders sind. Hitler und sein Antisemitismus sind längst Geschichte, dennoch können sich nicht alle Menschen im Land sicher fühlen.

Der news.de-Nachrichtenüberblick Bild: Istockphoto

Besonders der Grünen-Politiker Cem Özdemir spricht immer wieder das Thema «Muslime und Judenfeindlichkeit» an. Doch Fremdenhass gärt genauso in der deutschen Bevölkerung. Stolberg bei Aachen schickt in diesen Tagen einen Hilferuf auf elektronischem Weg durch die Lande. Ausgerechnet an den Osterfeiertagen wollen die Rechten aufmarschieren. Für den Karfreitag hat der Dürener Neonazi Ingo Haller einen Fackelzug durch die Innenstadt angemeldet. Für den Karsamstag rufen die Neonazis zu einer Kundgebung auf. Zum Anlass nehmen sie den Arnstadt nahe Erfurt öffnet der Bürgermeister seine Türen für Nazis, sympathisiert mit der islamfeindlichen Bewegung pro Deutschland. Die Amadeu Antonio Stiftung, die sich gegen Fremdenhass engagiert, veranstaltete für das Bundesland 2009 die Kampagne «Kein Ort für Neonazis in Thüringen».

FOTOS: Antisemitismus Schmiereien und Hakenkreuze

Material und Statistiken im Allgemeinen veröffentlicht die Stiftung auf der Internetseite gegen Rechtsextremismus «Mut gegen Rechte Gewalt». Besonders erschreckend ist die Chronik der Gewalt, die die Stiftung für die Jahre 1999 bis 2009 zusamengestellt hat.

Einige Auszüge, die beweisen, dass Fremdenfeindlichkeit überall in der Bevölkerung zu finden ist und sich gegen unterschiedliche Zielgruppen richtet. 

2009: Marwa El-Sherbini, 31 Jahre; Während einer Strafverhandlung am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden (Sachsen), zu der Marwa El Sherbini als Zeugin geladen war, wurde sie vom Angeklagten Alex W. aus einer islam- und ausländerfeindlichen Motivation heraus erstochen.

2008: Cha Dong N., 20 Jahre; Der vietnamesische Zigarettenhändler Cha Dong N. wurde am 6. August 2008 in Berlin-Marzahn vom 35-jährigen Tino W. ausgeraubt und mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt. Zuvor war er vom Täter festgehalten und der Polizei telefonisch als illegaler Zigarettenhändler gemeldet worden. W. fragte die Polizei: «Regelt ihr das oder muss ich das selbst erledigen?» Noch ehe ein Streifenwagen zur Stelle war, verletzte er sein Opfer so schwer, dass es im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Die «Fidschis», wie der Täter die «kriminellen Vietnamesen» nannte, waren ihm schon lange ein Dorn im Auge. Gegenüber einem Bekannten hatte er bereits vor der Tat geäußert: «Ich werde hier aufräumen, wenn die Bullen das nicht machen».

2005: Thomas Schulz, 32 Jahre; Am 28. März 2005 trafen in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) ein 17-jähriger Neonazi und seine 16-jährige Freundin gegen 19 Uhr in der U-Bahn-Station Kampstraße auf den 32-jährigen Punk Thomas Schulz. Nach einer verbalen Auseinandersetzung zog der Neonazi ein Messer und stach auf das Opfer ein. Thomas Schulz verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus. 

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