Der Bundesbunker Geheimsache «Rosengarten»

Wenn den Kalten Krieg eines prägte, dann die Angst vor einem Atomschlag. Auch die Bundesregierung war darauf vorbereitet und hatte sich in der Eifel einen Bunker bauen lassen. Der aber birgt bis heute so manches Geheimnis und manche unglaubliche Geschichte.

Der Eingang zum ehemaligen Regierungsbunker in Marienthal in der Eifel. Bild: ddp

«Wo f√§ngst Du an zu fragen, wenn keiner antworten will?» Vor diesem Problem stand Michael Preute, als er in den 1980er Jahren den Hinweis eines Bekannten bekam, in der Eifel solle es einen geheimen Bunker der Regierung geben. Preute, damals Journalist unter anderem f√ľr Stern und Spiegel, wurde neugierig, begann zu recherchieren und stie√ü auf die Geschichte seines Lebens. Die Geschichte des «Rosengartens», so der Codename der Anlage.

Gut 20 Jahre zuvor, 1960, hatten in der N√§he des Weinguts Marienthal an der Ahr, 20 Kilometer s√ľdlich der damaligen Hauptstadt Bonn, Arbeiter, Ingenieure und Beamte begonnen, eines der teuersten Bauwerke der bundesrepublikanischen Geschichte zu errichten - pikanterweise an der Stelle, wo im Dritten Reich ein KZ gestanden hatte, ein Au√üenlager Buchenwalds. Der Bau war streng geheim, sofern das bei einem Vorhaben dieser Gr√∂√üenordnung √ľberhaupt m√∂glich ist. So geheim aber, dass bis heute so manches Ger√ľcht √ľber den Regierungsbunker exisitiert. Fast alle wichtigen Angaben, die man √ľber die Anlage finden kann, widersprechen sich.

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Preute spricht etwa davon, der Bau habe 5,7 Milliarden Mark verschlungen, andere Quellen sprechen von drei Milliarden, und auch die Anzahl der Arbeiter, die den Bunker in den Berg trieben, bewegt sich irgendwo zwischen einigen hundert und 20.000. Angeblich soll es sogar einen Tunnel vom Bunker bis zum Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardth√∂he gegeben haben, wahrscheinlich aber handelt es sich um ein Missverst√§ndnis. Denn es gibt zwar einen Tunnel, er f√ľhrt auch grob in Richtung Bonn, gemeint war jedoch vermutlich der Ausstieg im Weinbegebiet Hardtberg in Dernau.

Doch es gibt auch Fakten. Einen der ersten Anhaltspunkte f√ľr den Bunker findet man in einer Ausgabe des Spiegel vom 2. Juli 1958. Das Magazin vermeldet an diesem Tag: «Im Bundeskabinett werden Pl√§ne zum Bau atomsicherer Unterk√ľnfte f√ľr St√§be der Regierung er√∂rtert. Einer dieser Pl√§ne sieht vor, die Regierungsbunker nahe der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel zu errichten.»

Wirklich sicher aber war der Regierungsbunker nie, wie Preute herausgefunden hat. In seiner 2008 erschienen Gebrauchsanweisung f√ľr die Eifel schreibt er: «Dann hie√ü es, der Bunker sei absolut atombombensicher - aber nur so lange, bis ein alter, grauhaariger Handwerker mich ansah und murmelte: ‹Der Bunker ist doch f√ľr den Arsch, Junge, die verrecken doch alle, der ist doch nicht sicher bei Atombomben.›»

Und auch der Autor Jörg Diester (Geheimakte Regierungsbunker) fand 2008 heraus, dass der Bunker gerade einmal einer 20 Kilotonnen-Bombe, vergleichbar mit Hiroshima, standgehalten hätte. Er fand geheime Gutachten aus dem Jahre 1962, die bereits zu diesem Zeitpunkt mit 250 Mal stärkeren Waffen rechneten. Die aber hätten nicht nur den Bunker, sondern den gesamten Weinberg gleich mit vernichtet.

Der Handwerker, mit dem Preute gesprochen hatte, war eine von mehr als 100 Personen, die dem Journalisten w√§hrend seiner mehrj√§hrigen Recherche begegneten. Er recherchierte offen, lie√ü jeden zu Wort kommen, der meinte, etwas zu wissen, und fand mehr heraus, als den Geheimdiensten lieb war. In zwei heute vergriffenen B√ľchern schrieb er die Geschichte des Bunkers auf.

Heute ist der Regierungsbunker so gut wie zerstört, zu teuer wäre der Unterhalt gewesen, gerade einmal 200 Meter sind noch zugänglich und zu einem Museum umgebaut, das die Geschichte der Anlage erzählt und in diesem Jahr den Titel Europäisches Kulturerbe erhält. Zudem werden im Ahrtal auch kombinierte Tagestouren durch den Regierungsbunker und eine weitere Anlage angeboten.

Seit er √∂ffentlich zug√§nglich ist, hat der «Rosengarten» bereits mehr prominenten Besuch bekommen als in den gut 40 Jahren zuvor. 2008 etwa besichtigte Bundespr√§sident Horst K√∂hler den Bunker, zum ersten Mal √ľberhaupt betrat damit ein deutsches Staatsoberhaupt das Gel√§nde. Bis dahin waren bei √úbungen und Man√∂vern immer Stellvertreter vor Ort gewesen, Soldaten, die den «Bundeskanzler-√úb» gaben. Auch √ľber diese √úbungen und die Instandhaltung des Bunkers hat Preute so manches in Erfahrung gebracht. Etwa, dass die Nahrungsvorr√§te im Bunker regelm√§√üig ausgetauscht wurden und die Gastwirte der umliegenden Orte sich dann diese preiswerten, guten Lebensmittel regelrecht bestellen konnten.

Was jedoch tats√§chlich im Falle eines Atomschlags passiert w√§re, ist bis heute nicht klar. Glaubt man Preute, begann die eigentliche Geschichte, die Geschichte des Ernstfalls, erst nach Ver√∂ffentlichung seines ersten Buches. Ihr wichtigster Protagonist: Werner N√ľhrenberg, ein Brigadegeneral der Bundeswehr, der bei einem Man√∂ver an eine geheime Akte gekommen sein will. Und was der Preute erz√§hlt haben soll, klingt unglaublich, wie sich der Autor in Gebrauchsanweisung f√ľr die Eifel erinnert: «In der stand zu lesen, dass kein Regierungsmitglied jemals in Krise und Krieg den Bunker der Bundesregierung betreten w√ľrde. Stattdessen werde ge√ľbt, wie man die Bundsregierung samt allen Ministern und dem Bundeskanzler, samt allen Ehefrauen und Kindern mit der gesamten Flotte der Lufthansa nach Orlando/Florida ausfliegen w√ľrde.» Preute will f√ľr diese abenteuerliche Behauptung eine Best√§tigung aus Orlando bekommen haben. Die Chefredakteure der Republik aber wollten die Geschichte nicht kaufen.

Zumindest ein Detail aber verr√§t, dass an der Schilderung N√ľhrenbergs etwas dran sein k√∂nnte. Auf der A61 n√§mlich gibt es zwischen Meckenheim und Bad Neuenahr-Ahrweiler einen 1900 Meter langen Parkplatz, der nie freigegeben wurde. Er soll, so berichten Zeugen, als Autobahn-Behelfsflugplatz gedient haben. Von hier, so die Theorie, w√§re die Regierung ausgeflogen worden.

Heute ist es im Ahrtal wieder fast wie fr√ľher. Es ist Gras √ľber die Sache gewachsen. Immer noch verl√§uft √ľber dem Berg der Rotweinwanderweg, eines der beliebtesten Ausflugsziele Deutschlands, das im Sommer heute wie damals v√∂llig √ľberlaufen ist. Und unten, im Berg, ruht ein St√ľck deutsche Geschichte, das trotz dutzender Artikel, tausenden von Zeitzeugen und den B√ľchern Michael Preutes immer noch so manches Geheimnis bewahrt hat.

mik/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 2
  • 03.07.2009 22:19

ich erg√§nze: wie w√§re es mit dem Atomm√ľlllager Asse als europ√§isches Kulturerbe? es wird uns strahlend begleiten, auch dann noch, wenn es abgesoffen ist. Es sei denn, jemand in der EU kann der Idee zum Durchbruch verhelfen, Kultur zu definieren als etwas, was den Menschen n√ľtzt, sie vor Schaden bewahrt und ihrem Wohlbefinden dient.

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  • Kommentar 1
  • 03.07.2009 17:02

Und so etwas wird von der EU als "europ√§isches Kulturerbe" anerkannt? Das ist nicht nur widerlich, sondern ein deutliches Zeichen f√ľr den Verfall der Kultur unter "gesamteurop√§ischer" √Ągide. Vielleicht hat der Bund der Steuerzahler noch ein paar Vorschl√§ge f√ľr in-den-Sand-gesetzter "Kulturerbe-St√§tten" - oder Kulturvernichtungs-St√§tten?

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