Sodomie Ein übergroßes Herz für Tiere

Pferde traben auf einer Wiese in Schwaben (Foto)
Pferde traben auf einer Wiese in Schwaben. Die menschliche Tierliebe hat eine enorme Bandbreite, wie ein Sodomie-Fall in Hamburg zeigt   Bild: dpa

Jan GrundmannVon news.de-Redakteur
Eine Hamburgerin ist entsetzt: Ihr Pferd Tosan wurde von einem Mann im Frack missbraucht. Dabei ist Sodomie in vielen Ländern nicht mal verboten. In den USA heiraten Menschen ihre Stuten, in Deutschland schläft ein Viertel der Haustiere mit im Bett. Wann also wird Tierliebe abnormal?

«Ein Mann im Frack hat mein Pferd missbraucht», klagt Besitzerin Anna B. an. Die Hamburgerin wandte sich zunächst per Aufruf und später über die Bild-Zeitung an die Öffentlichkeit, um zwei Männer zu fassen, die ihren Wallach Tosan missbraucht haben sollen. Einer stand auf einem Stuhl hinter dem Pferd und bewegte sich rhythmisch, gab Anna B. der Bild zu Protokoll. Jetzt bekommt Tosan von einer Tierpsychologin Trauma-Therapie, berichtet die Bild im mittlerweile dritten Beitrag über die «perverse Tat eines Tierschänders» und die «abnorme Sexualität».

Gemischte Tiere
Ziesel, Liger und Schiege

Die allerdings ist beileibe kein Einzelfall, nicht in Deutschland und nicht in diesem Jahr. Laut Untersuchungen hatten fünf Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen bereits sexuellen Kontakt zu Tieren. Das wären allein in Deutschland bis zu 1,6 Millionen Menschen. Viele von ihnen machen sich dabei nicht einmal strafbar.

Denn der Sexualverkehr mit Tieren, gemeinhin als Sodomie, präziser allerdings mit dem griechischen Wort Zoophilie - also Tierliebe - bezeichnet, wird hierzulande seit 1969 nicht mehr verfolgt. Nur, wenn dem Tier nachweisbar Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, bietet das Tierschutzgesetz eine Handhabe. Der, wenn man so will, einvernehmliche Verkehr bleibt in Deutschland ungesühnt. In England, der Schweiz oder den USA dagegen ist der Beischlaf mit Schaf oder Pferd strafbar.

Psychologen zeigen Verständnis für Zoophile

Doch wie abnorm ist diese Tierliebe? Denn das Problem ist so alt wie die Menschheit: Höhlenmalereien stellen schon Mensch-Tier-Kontakt dar, die Griechen hatten ihre Sodomie-Sagen, im alten Rom gab es spezielle Bordelle für die animalischen Bedürfnisse und der russischen Zarin Katharina der Großen wird Verkehr mit einem Pferd nachgesagt.

Moral und Wissenschaft bekräftigen bisher, ein animalischer Sexualverkehr sei gegen jeden sittlichen Anstand und verletze in jedem Fall die Würde des Tieres. Doch gerade in den vergangenen Jahren gibt es Forscher, die in der Zoophilie einen Ausdruck von Liebe und echter menschlicher Zuneigung erkennen - und durchaus Vorteile für die Tiere. Vor allem Psychologin Andrea Beetz: «Haustiere wie Hunde und Katzen, aber auch Pferde haben oft in ihrem ganzen Leben überhaupt keinen Sex.» Beim Sexualkontakt mit einem zoophilen Besitzer könnten demnach auch sexuelle Bedürfnisse des Tieres kompensiert werden. Auch der australische Philosoph Peter Singer hält sexuelle Mensch-Tier-Kontakte für akzeptabel - solange sie gegenseitig zufriedenstellend seien.

Weit bis ins 20. Jahrhundert stand das Pferd an erster Stelle der tierischen Objektbegierden. Weil Pferde heute allerdings schwer verfügbar sind, werden andere Tiere häufiger herangezogen. In nördlichen Ländern sind dies Kühe, in südlichen Ländern Schafe und Ziegen. «Weltweit am häufigsten dürfte heute aber der Hund vom Menschen als tierischer Sexualpartner gewählt werden», schreibt, ganz ernsthaft, der deutsche Psychologe und Zoophilie-Forscher Josef Massen.

Doch auch, wenn es Forscher gibt, die viel Verständnis für die Zoophilie aufbringen: Laut Weltgesundheitsorganisation ist und bleibt es eine Krankheit in Form einer gestörten Sexualpräferenz.

Lesen Sie auf Seite 2, warum ein US-Amerikaner seine Stute Pixel geheiratet hat - und wie das ungleiche Paar vor dem Fernseher Bonanza schaut und Möhren knabbert.

Und immer wieder schockieren Einzelfälle die Öffentlichkeit. In den USA etwa verabredeten sich Zoophile zum Tiersex über lange Zeit hinweg auf einer Farm in der Nähe der Kleinstadt Enumclaw - bis der Boeing-Ingenieur Kenneth Pinyan nach Analverkehr mit einem Hengst starb. Und auf Borneo wurde ein Orang-Utan-Weibchen als Sexsklavin missbraucht. Jeden zweiten Tag sei sie rasiert worden, berichtet eine Tierschützerin, die das Affenweibchen schließlich nach erbittertem Widerstand der Dorfbewohner retten konnte.

Eine der wenigen, wirklich tiefgründigen Einblicke in die Zoophilen-Seele bietet die Geschichte des US-Amerikaners George Willard. Er war mit einer Frau verheiratet und hatte vier Kinder. Doch dann trennte er sich von seiner Frau und heiratete erneut. Diesmal seine Stute Pixel, und sogar ein Priester aus London kam zur Vermählung. Im Netz gibt es ein «Familienalbum», Fotos des im Jahr 1999 verstorbenen Sodomisten mit seiner Tierfrau sind hinterlegt. Da trägt Pixel eine weiße Unterhose. Da gibt Pixel ihrem menschlichen Gatten einen Kuss ins Gesicht.

Im Alter von 17 Jahren verging er sich zum ersten Mal an einer Shetland-Stute. «Ich fand sie attraktiv, und wir taten es. Es war ein One-Night-Stand», beschreibt Willard in einem Radiointerview den ersten Kontakt. Die Stute habe sich nicht gewehrt, sie ließ es wohl über sich ergehen. Willard habe anschließend Schuldgefühle gehabt, weil er fühlte, soziale Standards und Tabus verletzt zu haben. Die Schuld hielt, bis er das nächste Mal ein Pferd sah. Mit 30 Pferden habe er insgesamt Sexualverkehr gehabt. Er mochte ihren Geruch, nicht zu streng nach Tier, mit einer leichten Heu- beziehungsweise Grasnote. Willard hat über seine Erfahrungen einen autobiografischen Roman verfasst, er heißt The Horseman, Der Pferde-Mann.

Zoophile sind heute dort, wo Homosexuelle vor 50 Jahren waren

Die Stute Pixel schloss er besonders fest ins Herz - und heiratete sie. Das Tier schlief meist mit im Haus, nur nicht im Bett, dafür war Pixel doch zu groß. Sie mochte Bonanza, berichtet der Horseman, der gemütliche TV-Stunden mit seiner Stute verbrachte. «Wir teilten uns einige Karotten.» Willard wurde im Radiointerview auch gefragt, wie das Pony auf seine Wünsche reagiert, ob es sich neutral oder einladend oder vielleicht auch einmal ablehnend verhält. Er antwortet sehr präzise und ausführlich. Die beiden kommunizierten offenbar miteinander; Gewalt schien nicht im Spiel zu sein. Ist das dann Tierleid oder nur verquere Sexualität?

«Anfangs dachte ich, Zoophile seien generell Sexualstraftäter, die Tiere quälen», sagt die deutsche Psychologin Beetz im Interview. «Aber es gibt eine ganze Bandbreite - vom Quäler über das Herrchen, das ein besonders inniges Verhältnis zu seinem Tier aufbaut, bis hin zum Sexualkontakt.» Liegen beim Sexualkontakt mit einem zoophilen Besitzer jedoch Gewalt oder Zwang vor, sollte der Staat sanktionierend eingreifen, meint Beetz. Die Wissenschaftlerin sieht die Zoophilen heute dort, wo Homosexuelle vor fünfzig Jahren waren: vor dem Aufbrechen der Tabus. Doch hält sie therapeutische Angebote für ausgeprägte Zoophile für dringend notwendig.

Generelle Vermenschlichung von Haustieren

Die Grenze zwischen normaler und therapiebedürftiger Tierliebe hingegen ist fließend. Immerhin schlafen ein Viertel aller deutschen Katzen und Hunde mit bei Herrchen oder Frauchen im Bett. Für Tiere gibt es Wellness-Hotels, sie können Psychotherapien belegen und mit in den Sommerurlaub nach Spanien fahren. Es gibt Hunde-Modelabels, die bis zu acht Kollektionen pro Jahr rausbringen, es gibt Hundebetten mit Swarowski-Kristallen.

Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch spricht deshalb von einer generellen «sodomistischen Lebenspartnerschaft» zwischen Haustieren und Menschen und prophezeit, dass die in zwei, drei Generationen rechtskräftig werden könnte. Er stellt einen bedenklichen Vergleich auf: Gesetzlich würden einem Hund im Zwinger neun Quadratmeter Fläche zustehen. Für einen Asylbewerber seien es im Durchschnitt fünf.

beu/news.de

Leserkommentare (56) Jetzt Artikel kommentieren
  • io
  • Kommentar 56
  • 19.11.2012 17:12

das sich hiernicht ueber die veroeffentlichung eines solchen artikels geschaemt wird! sex mit tieren ist normal?? haben sie schonmal bilder gesehen von den qualen dieser tiere? ich hatte mal eine huendin die vergewaltigt wurde (sex ohne einverstaendins nennt man so- und ic h habe noch nie von einem pferd, hund etc. den satz "hab sex mit mir" gehoert!) zeitlebens fing sie an zu winseln und zu zittern wenn man nur mit der hand in die naehe ihrer hinteren koerperhaelfte kam. es ist eine bodenlose frechheit was hier in diesem artikel steht!! frau beetz schaemen sie sich fuer ihre kranke einstellung!! p.s. zoophilie mit homosexualitaet zu vergleichen...assozial!

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  • Sofia Vithleemidou
  • Kommentar 55
  • 24.09.2012 19:53

na beim Vögeln hört es ja woh auf meine dürfen auch in mein Bett so wie mein Kind auch auf die Idee es zu Vögeln kämme ich bei beiden nicht w.t.f. :((((((((((((((((((((((((((((

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  • Stimme
  • Kommentar 54
  • 24.09.2012 14:03
Antwort auf Kommentar 13

''sonst würden unsere Gutmenschen in Deutschland auch noch den Sex mit Tieren legalisieren wollen,' Sex mit Tieren ist nicht illegal

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