Arktis-Experiment Nackt unter Walen

Natalia Avseenko (Foto)
Natalia Avseenko tauchte in eiskaltem Wasser mit Beluga-Walen. Bild: hgm

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Ein bisschen mit den Walen planschen? Auf diese Idee würde wohl kaum jemand kommen. Erst recht nicht in der Arktis, bei Wassertemperaturen unter Null. Die Polarforscherin Natalia Avseenko hat es trotzdem getan - splitternackt.

Die Arktis hat schon eine Menge schräge Menschen gesehen. Da war Sir John Franklin, der Mitte des 19. Jahrhunderts auf seiner letzten Expedition in den Norden starb. Drei Jahre lang hoffte man in seiner englischen Heimat auf ein Lebenszeichen Franklins und seiner rund 130 Begleiter – und schickte so viele Suchtrupps in die eisige Kälte, bis am Ende mehr Retter gestorben waren als die Franklin-Expedition überhaupt Teilnehmer gehabt hatte.

Da war der Schwede S. A. Andree, der sich 1897 in den Kopf gesetzt hatte, den Nordpol mit einem Gasballon zu erreichen. Auch er scheiterte kläglich, und seine Überreste wurden erst 30 Jahre später gefunden. Da war der deutsche Pilot Erich Etienne, der im Zweiten Weltkrieg in der Arktis wichtige Wetterdaten für die Wehrmacht sammeln sollte, und dessen Flugzeug 1942 abgeschossen wurde. Und da war natürlich auch Reinhold Messner, dessen Versuch einer Arktis-Durchquerung von Sibirien nach Kanada im Jahr 1995 scheiterte.

Freizügiges Experiment
Polarforscherin taucht nackt mit Walen
Polarforscherin und ihr freizügiges Experiment (Foto) Zur Fotostrecke

Vielleicht haben sich die Eisbären, Robben und Rentiere also gar nicht allzu sehr gewundert, als Natalia Avseenko plötzlich in der Nähe von Murmansk im Nordwesten Russlands auftauchte. Als die 36-jährige Polarforscherin dann aber all ihre Kleider auszog und splitternackt ins eiskalte Wasser sprang, dürfte schon manch ein Polarfuchs mit dem Kopf geschüttelt haben. Mehr als zehn Minuten lang hielt es die russische Taucherin bei minus 1,5 Grad aus, dank einer speziellen Atemtechnik, die sie mit Yoga und Meditation trainiert hat.

Die eindrucksvollen Bilder, die bei dieser wagemutigen Aktion entstanden, können Sie in unserer Fotostrecke sehen. Die Forscherin wollte mit ihrem Experiment auf die Situation der Beluga-Wale aufmerksam machen, mit denen sie in der Arktis tauchte. Die Tiere werden insbesondere in Russland noch gejagt. Auch Erdöl-Plattformen in arktischen Gewässern machen den Belugas zu schaffen. Zudem werden in der Region auch Wale und Delphine gefangen, um sie dann gezähmt an Delfinarien zu verkaufen. Angst vor den riesigen Weißwalen brauchte Natalia Avseenko übrigens nicht zu haben: Die bis zu sechs Meter langen Belugas sind zwar Fleischfresser, bevorzugen aber Fische, Würmer und Krebse.

Hier geht es zur Fotostrecke mit den Bildern der nackten Forscherin bei den Walen.

cvd/news.de

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bodewig
  • Kommentar 7
  • 16.12.2011 18:27
Antwort auf Kommentar 4

Ist doch möglich. Salzwasser wird wesentlich kälter als Süsswasser. Dieses hat als kälteste Temperatur 4°C

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  • Antonietta
  • Kommentar 6
  • 19.09.2011 15:12

Wir nennen ihn den „Blauen Planeten“, aber nur 1,3% der Weltmeere stehen unter Schutz – und auch das großteils nur auf dem Papier. Bei näherem Hinsehen findet man heraus, dass tatsächlich weniger als 0,1 % zu strikten Schutzzonen erklärt sind. Jeden Tag sterben Wale und Delfine durch Schiffskollisionen, zunehmenden Unterwasserlärm, Ölkatastrophen, als Beifang in Fischernetzen und in manchen Fällen sogar an Nahrungsknappheit. Der Klimawandel könnte die Situation noch verschlimmern. 64% der Weltmeere und ein Großteil der Lebensräume von Walen und Delfinen liegen auf hoher See.

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  • vrtac
  • Kommentar 5
  • 20.06.2011 07:34
Antwort auf Kommentar 4

Meerwasser gefriert, je nach Salzgehalt, erst ab einer Temperatur von ca. -1,9°C.

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