Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus - 24.05.2011, 10.29 Uhr

Kriminelle Alte: Senioren stehlen gern Schokolade

Sie sind nicht mehr so gut zu Fuß, trotzdem stecken manche Rentner voller krimineller Energie. Die Statistik des Bundeskriminalamtes zeigt: Auch Tattergreise erpressen und Frauen mit Gehstock stehlen. Für sie gibt es einen speziellen Knast.

Auch Senioren verüben Straftaten. Das zeigt ein Blick in die Statistik. Bild: dapd

Alter, das ahnt, wer die Kriminalstatistik liest, ist kein Grund, nicht kriminell zu sein. Auch Menschen, die beruflich längst im Ruhestand sind, begehen Verbrechen. «Nur eben weniger», sagt eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA). Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, wird kaum einen Handtaschenraub begehen, doch Erschleichung von Leistungen oder Mord sind immer noch möglich, wie der Fall eines 81-jährigen Mannes zeigt, der seinen Freund erstach.

Fast 2,1 Millionen Tatverdächtige führt die Statistik des BKA für 2009 insgesamt auf. Davon haben rund 107.000 Männer und 44.000 Frauen das 60. Lebensjahr überschritten. In allen Bereichen gibt es mehr Männer, die straffällig werden, denn auch das zeigt die Statistik: Nicht das Alter unterscheidet bei den Taten, sondern das Geschlecht.

Dennoch lassen sich auch beim Verbrechen Altersunterschiede ausmachen. Klassische junge Straftaten sind schwere Diebstahl oder Drogendelikte. Sie werden vor allem von Unter-30-Jährigen verübt. Recht hoch ist hingegen die Zahl der einfachen Diebstähle. Jeder sechste Diebstahl wird von Senioren begangen, Männer sind häufiger Täter als Frauen.

Lange glaubte man, die Moral älterer Menschen hindere an Straftaten

Was die Motive sind, lässt sich nur erahnen. Die BKA-Statistik gibt darüber keine Auskunft, denn was wirklich hinter dem Diebstahl oder der Körperverletzung steht, kommt erst vor Gericht raus. Dann, wenn hinterfragt wird: War die alte Dame nur tüddelig und hat vergessen, die Tafel Schokolade zu bezahlen? Oder steckt eiskalte Berechnung dahinter?

Denn - das ergab eine Studie in den 1990er Jahren - ältere Frauen stehlen vor allem Dinge zum Verschenken. Eine Tafel Schokolade für den Enkel, einen Lutscher für die Nachbarstochter. Und auch die Polizei stellt fest: Kinder, Jugendliche und ältere Damen lassen am häufigsten etwas mitgehen. Dabei hatte man lange angenommen, dass besonders ältere Menschen mehr Wert auf moralisches Verhalten legen.

Ein Grund für die Alterskriminalität könnte die wachsende Armut bei alten Menschen sein. Immer mehr müssen mit einer kleinen Rente leben, zum Verschenken ist dann nicht mehr viel übrig. Das ist nicht nur ein Problem in Deutschland, in Japan stellte man beispielsweise fest, dass sich die Zahl der kriminellen Senioren in nur zehn Jahren verdoppelte. Grund auch hier: kleine Renten, steigende Lebenshaltungskosten.

Längst gibt es in Deutschland Gefängnisse, die auf diese kriminellen Senioren eingestellt sind. In Baden-Würrtemberg ist der Knast für Menschen ab 62 Jahren immer gut belegt. Was ihn von einem normalen Gefängnis unterscheidet? Längere Besuchszeiten, damit Kinder, Enkel und Urenkel etwas von ihren Großeltern haben.  Und einmal pro Woche hält ein Arzt dort seine Sprechstunde ab. Denn die älteren Insassen sind zwar auch kriminell, haben aber mehr körperliche Gebrechen als jüngere Straftäter.

iwi/reu/news.de

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