18.05.2011, 16.14 Uhr

Rikers Island: Amerikas gefährlichster Knast

Die Gefängnisinsel Rikers Island ist eine der berüchtigsten Haftanstalten der USA. Mieses Essen, schlechte Bedingungen - mehrmals kam es schon zu schweren Revolten. Hier sitzt nun Dominique Strauss-Kahn. Vor dem IWF-Chef gab es schon andere prominente Insassen.

Amerikas härtester Knast: Die Gefängnisinsel Rikers Island. Bild: dapd

«Nehmen sie keine Anhalter mit und steigen sie nicht aus» - so warnen Schilder entlang der einzigen Straße, die über eine 1,28 Kilometer lange Brücke zur Gefängnisinsel Rikers Island führt. In dem Komplex aus zehn Gefängnissen ist Platz für 17.000 Häftlinge. Früher war er nur mit einer Fähre zu erreichen.

Die 168 Hektar große Insel im East River ist etwa halb so groß wie der Central Park und liegt zwischen den Stadtteilen Queens und Bronx. Rikers Island ist nach Abraham Rycken, einem niederländischen Siedler, benannt. Dessen Nachfahren verkauften die Insel 1884 für 180.000 Dollar an die Stadt. Seitdem wird sie als Gefängniskomplex genutzt.

Die Insel verfügt über die Infrastruktur einer kleinen Stadt mit eigenen Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und Supermärkten. Rund 7000 Polizisten und 1500 Zivilisten bewachen die Insassen. Die Behörden rühmen sich der besonders verwegenen Wärter: Auf Rikers Island würden «New York's Boldest» arbeiten, New Yorks Unerschrockenste.

FOTOS: Strauss-Kahn-Affäre Sturz eines Mächtigen

In den 1980er Jahren gehörten Gewalt und Prügeleien in Rikers Island zur Tagesordnung. Wegen der Haftbedingungen kam es zu mehreren schweren Häftlingsrevolten. Trotz Reformen gilt der Gefängniskomplex immer noch als einer der berüchtigtsten und gefährlichsten der USA.

Berühmte Insassen

Berühmte oder berüchtigte Insassen von Rikers Island waren der John-Lennon-Mörder Marc Chapman, der Rapper Lil Wayne und der als «Son of Sam» bekannte Serienmörder David Berkowitz. Seit kurzem gehört auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn dazu.

Ob es dem Weltbanker gelang, in seiner ersten Nacht auf Rikers Island ein Auge zuzumachen, ist unklar. Strauss-Kahn war unrasiert, mit eingefallenem Gesicht, offenem Hemd und allem Anschein nach völlig übermüdet vor Gericht erschienen.

Die Gefangeneninsel liegt in unmittelbarer Nähe des New Yorker La Guardia Airports, auf dem rund um die Uhr Flugbetrieb herrscht. Für weiteren Lärm in den zehn Gefängnistrakten auf der Insel sorgen die schweren Metalltüren, berichteten US-Medien.

Gesellschaft von Drogensüchtigen und Geisteskranken

Strauss-Kahn hat das «Glück», in einer Einzelzelle untergebracht zu sein. Die «Wohnfläche» ist auf dreieinhalb mal vier Quadratmeter beschränkt. Als einzigen Komfort außer der Pritsche bietet die Zelle eine Toilette und Dusche. Kein Vergleich zu seiner traumhaften Hotelsuite, die für 3000 Dollar pro Nacht angeboten wird.

Im selben Trakt wie der IWF-Regent sitzen Drogen- und Alkoholsüchtige sowie Geisteskranke. Dort darf Strauss-Kahn diese Woche drei private Besucher empfangen. Nach dem Besucherkalender auf der Internetseite der New Yorker Vollzugsbehörde blieb Rikers Island am Dienstag für Besucher geschlossen. Heute sind Angehörige von Insassen zugelassen, deren Nachname mit A bis L beginnt, am Donnerstag dann der Rest des Alphabets und damit Besuch für den IWF-Chef.

Tee statt Whiskey

Bis dahin darf sich Strauss-Kahn die Zeit mit einer Auswahl von Büchern aus der Gefängnisbibliothek vertreiben. Ein eigenes Telefon und Zugang zum Internet ist ihm nach Angaben eines Behördensprechers nicht erlaubt. Auch Fernsehen ist der Auskunft nach gestrichen. Dafür bleibt dem für seine eleganten Maßanzüge bekannten Franzosen die Gefängniskleidung zunächst erspart. Das könnte sich ändern, wenn das Urteil am Freitag zu seinen Ungunsten ausfällt.

Statt Whiskey oder Wein muss sich Strauss-Kahn jetzt mit Tee, Kaffee oder Sprudel begnügen. Die Rikers-Versorgung sei denkbar schlecht, klagen Ex-Gefangene im Internet. Auf dem Speiseplan stehen ein Stück Obst, zwei Scheiben Brot und Haferflocken zum Frühstück, Salat, Gemüse und ein Sandwich zum Mittag. Am Abend darf sich der wohlhabende Rikers-Insasse auf Kosten der New Yorker Steuerzahler bis zum Freitag über Hühnchen-, Fisch- und Putengerichte hermachen. Die Verköstigung und Bewachung ihrer Gefangenen kostet die Stadt jährlich 860 Millionen Dollar.

kra/che/news.de/dpa

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