John Niven Jesus kifft und Gott ist sauer 

«Seid lieb!» heißt die Botschaft Gottes und Jesus soll als Rockstar dank Castingshow die Dinge richten. John Niven erzählt in dem Buch Gott bewahre einen verrückten Roadtrip, der provoziert und das Zeug zum Kultschmöker hat.

Jesus chillt auf einer Wolke, kifft mit Jimi Hendrix und lernt von ihm gottgleich Gitarrespielen. Die Erde geht derweil vor die Hunde. Papa Gott war fischen und überließ seinem Sohn die Geschäfte für eine Himmelswoche - das sind 500 Erdenjahre. Nun ist Gott zurück und stinksauer. Denn Jesus hatte - gelinde gesagt - schon mal bessere Führungsqualitäten und nun das Erdending verbockt: Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung - Willkommen im 21. Jahrhundert. Darum muss JC also noch einmal seinen Predigerjob auf der Erde antreten. «Seid lieb!», heißt die Botschaft. Sie interessiert im Hier und Heute natürlich kein Schwein.

«JC hatte sich das hier unten alles wesentlich einfacher vorgestellt: eine Band gründen, massenweise Platten verkaufen und diese Plattform dann nutzen, um den Leuten zu verklickern, wie sehr sie sich gerade in die Scheiße ritten. Ihr wisst schon: so wie Bono. Aber in cool.» Nur widerwillig nimmt Jesus an einer Castingshow teil, muss aber feststellen, dass es einfach keine bessere Plattform gibt, um ganz Amerika wachzurütteln.

Im neuesten Roman des Schriftstellers und Musikmanagers John Niven Gott bewahre will Gott höchst selbst die Menschen des 21. Jahrhunderts erretten. Für deren Elend macht er vor allem die Religionen verantwortlich. Nivens rabenschwarze Satire wird durch seine derbe Religionskritik für Kontroversen sorgen. Nicht nur, dass Gott flucht, kifft und Schwule liebt. Autor Niven hält den Christen dieser Welt den Spiegel vor: Er zeigt beispielsweise deren Zerstrittenheit, indem er seitenweise die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen auflistet. Dabei will Gott doch nur eines: «Seid lieb!»

Mohammed wurde rausgekürzt 

Das wird für alle Christen schwer zu schlucken sein. Doch nicht nur sie bekommen ihr Fett weg. Auch die Großkonzerne, Abtreibungsgegner und Schwulenhasser, um nur einige zu nennen. Mohammed indes taucht nur kurz auf. Die ursprüngliche Passage sei mehrere Seiten lang gewesen. Aus Angst vor den Reaktionen lesender Islamisten hat Niven jedoch auf Bitten des Verlags gekürzt und umgeschrieben, ist in einem Interview Nivens mit dem Musikmagazin Rolling Stone zu lesen.

Harten, urkomischen Toback tischt uns Musikliebhaber und Autor Niven auf. In Gott bewahre lässt er uns nicht nur hoch in den Himmel, sondern auch tief in menschliche Abgründe blicken. Bis auf einige kleine logische Fehler, zu viel Insiderwissen aus der Musikbranche und abgeschriebenen Songtexten handelt es sich bei Gott bewahre um eine stimmige, herrlich schräge Bauchmuskelattacke. Dass es allerdings mit der Rückkehr von Jesus kein gutes Ende auf Erden nehmen wird, wissen wir ja schon vom ersten Mal.

John Niven, gebürtiger Schotte, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der  Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma. 2006 erschien sein erstes Buch Music from the big pink über Bob Dylan; 2008 landete er mit dem rabenschwarzen Satire-Roman Kill Your Friends einen internationalen Bestseller. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

Hier geht's zur Leseprobe auf Heyne.de.

Buchtitel: Gott bewahre

Autor: John Niven

Verlag: Heyne Hardcore

Seiten: 400

Preis: 19,99 Euro 

Verkaufsstart: 22. August 2011

eia/news.de

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