Hannelore Kohl Das grausame Sterben der Kanzlergattin

16 Jahre lang war sie die Frau an der Seite des mächtigsten Mannes in Deutschland: Hannelore Kohl stand hinter ihrem Mann Helmut, während er als Bundeskanzler das Land regierte. Eine Biografie beschreibt sie nun als schwer traumatisierte Frau.

Hannelore Kohl (Foto)
Hannelore Kohl nahm sich im Juli 2001 das Leben. Bild: news.de

Politische Gegner nannten sie «die Barbie von der Pfalz» und beschimpften sie zuletzt als «Spendenhure»: Hannelore Kohl war fast 42 Jahre lang mit dem ehemaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) verheiratet. Stets gut gelaunt, gepflegt und stark geschminkt, die Haare immer gleich, teuer, aber bieder gekleidet trat sie neben ihm in der Öffentlichkeit auf. In Wirklichkeit war sie kreuzunglücklich, schwer krank und in den letzten Monaten ihres Lebens sehr einsam. Am 5. Juli 2001 wurde sie tot in ihrem Bungalow in Oggersheim bei Ludwigshafen gefunden. Es war Selbstmord, herbeigeführt durch eine Überdosis Tabletten, die sie einnahm, als ihr Mann sich in Berlin aufhielt.

Was verbarg Hannelore Kohl hinter ihrem versteinerten Lächeln? Die Frage stellte sich der Journalist Heribert Schwan. Er kannte sie seit den 1980er Jahren, hatte damals TV-Porträts gemacht über sie und ihren Mann, hatte über Jahre regelmäßig Gespräche geführt mit Hannelore Kohl und sie begleitet bei langen nächtlichen Waldspaziergängen, als sie tagsüber das Haus wegen ihrer Lichtallergie nicht mehr verlassen konnte - bis zwei Tage vor ihrem Selbstmord.

Hannelore Kohl: Die Frau im Schatten Helmut Kohls

Es war keineswegs die Lichtallergie allein, die Hannelore Kohl in den Suizid trieb, so Heribert Schwan in seiner gerade erschienenen Biografie Die Frau an seiner Seite. Die CDU-Spendenaffäre habe sie vielmehr in den Tod getrieben, die Einsamkeit, eine schwere Depression. Schwan schildert Hannelore Kohl als eine extrem traumatisierte Frau, die als Mädchen von russischen Soldaten missbraucht wurde und unter vielen Zwängen leidend über Jahre an diesen zugrunde ging.

Helmut Kohl, der von 1982 bis 1998 Bundeskanzler war und seine Familie gnadenlos seiner Arbeit unterordnete, kommt in diesem Buch nicht gut weg. «Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr ich das alles hasse», soll Hannelore einem Bekannten gegen Ende von Kohls Kanzlerschaft über den Politbetrieb gesagt haben. Die traditionellen Ferien am Wolfgangsee sollen ihr «ein Graus» gewesen sein.

Es ist nicht das erste Buch über die Familie Kohl, das hohe Wellen schlägt. Im März sind die Lebenserinnerungen von Kohl-Sohn Walter erschienen. Das Buch Leben oder gelebt werden wurde von den Medien als eine Abrechnung mit dem übermächtigen Vater interpretiert. Auch Schwans Buch kann als Attacke gegen Helmut Kohl verstanden werden - und gegen seine jetzige Frau Maike Richter-Kohl.

«Seit Maike Richter-Kohl Helmut Kohl ehelichte, scheint sie total über ihn zu wachen», schreibt Schwan. Sie habe die Familie entzweit und scheint «das Ziel zu verfolgen, die Erinnerungen an diese außergewöhnliche Frau (gemeint ist Hannelore Kohl) auszulöschen».

Der Altbundeskanzler hat sich nun zu Wort gemeldet: «Die öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung meines Privatlebens durch Dritte empfinde ich als unangemessen», ließ er via Presseerklärung verlauten. Die Veröffentlichungen überschritten die Grenzen von Geschmack und Anstand weit und stünden «in wesentlichen Punkten mit der Wahrheit nicht in Einklang».

In der Mitteilung erklärte Kohl, seit Monaten beschäftigten sich Veröffentlichungen ausführlich mit Angelegenheiten aus seinem Privatleben. Wörtlich heißt es: «Ich werde mich hierzu öffentlich nicht äußern. Ich bitte um Respekt für meine Privatsphäre und überlasse es der Öffentlichkeit, selbst zu beurteilen, welche Interessen den Publikationen in Wahrheit zugrunde liegen.»

Als Vertrauensbruch sieht Autor Schwan sein Buch nicht. Es sei Hannelore Kohl immer klar gewesen, dass die Funktion eines Journalisten im Publizieren liege, sagte er dem Spiegel. «Deshalb durfte ich ihre ungewohnte Offenheit als Einverständnis verstehen, eines Tages das zu veröffentlichen, was sie mir in den vielen Monaten und Wochen vor ihrem Tod anvertraute.» Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er: «Sie wollte, dass ich es irgendwann publizieren würde. Sie wollte damit etwas erklären, ihre Traurigkeit, ihr maskenhaftes Dasein.»

Hier geht es zu den interessantesten Fakten aus dem Buch von Heribert Schwan.

Buchtitel: Die Frau an seiner Seite - Leben und Leiden der Hannelore Kohl
Autor: Heribert Schwan
Verlag: Heyne
Seiten: 320
Preis: rund 20 Euro
Veröffentlichungstermin: Juni 2011

Der Sohn von Altbundeskanzler Helmut Kohl, Walter Kohl, ist am Donnerstag, 30. Juni 2011, 23.15 Uhr, zu Gast in der ZDF-Talkshow Markus Lanz. In der Sendung will er an seine Mutter Hannelore erinnern. Außerdem spricht der Unternehmer über den Kontakt zu seinem Vater Helmut Kohl, den er kürzlich wieder aufgenommen hat. 

pfj/news.de

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • bummerl
  • Kommentar 8
  • 05.07.2011 16:11

Its real sad to see how people talk or write negative things about human kind, its so easy to speak negative about people who cannot defend them self anymore !!! R.I.P. Frau Kohl !!!f

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  • Werner Klee
  • Kommentar 7
  • 01.07.2011 18:37

Herr Schwan, ich hätte nur eine Frage an Sie, die sie allerdings kaum ehrlich beantworten werden: glauben sie wirklich, dass Frau Kohl damit einverstanden gewesen wären, dass Sie Ihr Wissen über 10 Jahre unter dem Deckel halten, um dann ihren Gefährten von 40 Jahre gemeinsamen Lebens in dieser Weise dem primitiven Mob zum Frass vorwerfen ? Interessant auch Ihre Begründung, warum Frau Kohl mit Ihrer Publikation einverstanden gewesen sein könnte - gefragt haben Sie sie also nicht ! Wirklich KEIN Vertrauensbruch ? Da muss doch die Frage nach IHREN Motiven erlaubt sein, Herr Schwain ..

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  • Fusselwurst
  • Kommentar 6
  • 01.07.2011 13:34
Antwort auf Kommentar 3

Ich wäre mal vorsichtig bei solchen lächerlichen Äusserungen über einen ausländischen Geheimdienst; oder gibt es über diese Anschuldigung eine verläsliche Quelle?

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