Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh - 15.09.2009, 15.25 Uhr

Giulia Siegel gibt Sex-Tipps: «Nehmt uns. Aber bitte richtig»

Giulia Siegel lässt nun auch die letzten Hemmungen fallen. Nein, nicht für den Playboy, dort zog sie bereits blank. Die 34-Jährige hat einen Sexratgeber geschrieben, in dem sie der Männer-Welt erklärt, was Frauen im Bett wirklich «crazy» macht.

Giulia Siegel weiß, was Frauen wirklich wollen. Oder besser: glaubt es zu wissen. Bild: ddp

Nachdem Giulia Siegel bereits als Bewohnerin des Dschungelcamps und erst kürzlich in einer TV-Show, wo sie vergeblich den Mann fürs Leben suchte, intime Einblicke in ihre Liebesleben gab, hat sie nun einen Sexratgeber geschrieben.

Ihr Buch richte sich an «Männer, die wissen wollen, wie man bei Frauen im Bett und in der Liebe wirklich punktet und für Frauen, die wissen möchten, was sie von Männern erwarten dürfen», schreibt sie in der Einleitung. Persönliche Anekdoten aus ihrem eigenen Sexleben dürfen dabei natürlich als sachliche Untermauerung nicht fehlen. Und an Beispielen, wie ein befriedigtes Sexleben aussieht, scheint es ihr auch nicht zu mangeln.

«Muss sie jetzt noch der ganzen Republik ihre sexuellen Vorlieben erzählen?» werden sich jetzt viele fragen. Ja und sie tut es in einer Weise, die so stark an Dieter Bohlen erinnert, dass der Leser den Eindruck bekommt, Giulia Siegel hat den «König des deutschen Trash-Fernsehens» (Welt) als Ghostwriter angeheuert.

In ihrem Buch Make her crazy! Was Frauen wirklich wollen wimmelt es nur so von mehr oder weniger einfallsreichen Bohlen-typischen-Sätzen: «Ich kannte Zwei-Meter-Bullen mit Millimeterbolzen, Athleten mit eleganten Degen und Bohnenstangen mit Dampframme», erzählt sie etwa in Bezug auf das Verhältnis von Körper- und Penisgröße ihrer Sexpartner. Und fügt hinzu: «Beim Sex mit diesen Männern (...) spielt eins fast nie eine Rolle: die Länge ihres Schwanzes.» Danke Frau Siegel, dass Sie das endlich ein für allemal geklärt haben.

Aber warum dieser Bohlen-Slang, der ihr wahnsinnig gekünstelt in den Mund gelegt wird? Wenn Siegel mit ihrem Ratgeber tatsächlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen ansprechen will, wie sie es jedenfalls vorgibt, wäre sie besser beraten gewesen, ihrem Buch einen weniger plumpen und ordinären Ton gegeben zu haben. Doch ein flottes Mundwerk in Sachen Sex-Themen schafft Aufmerksamkeit und treibt die Verkaufszahlen nach oben. Das weiß sicherlich auch ein Medien-Profi wie Siegel nur zu gut.

Von ihrem Buch nicht so sehr erfreut sein werden wohl einige ihrer Ex-Freunde. Denn Siegel beschreibt in allen Einzelheiten, wie sie sich mit ihnen mehr oder auch mal weniger im Bett vergnügt hat. Zwar hat sie ihnen Pseudonyme verpasst, aber nicht allen versprochen, «mit Outings gnädig zu sein», wie die Produzententochter in einer Fußnote erklärt. Aber es sind diese Einblicke in das Intimleben Siegels, von denen das Buch - wenn überhaupt - lebt.

Da ist zum Beispiel ihr Ex-Freund «Josh», den sie immer wieder gern im Bett in Rollenspiele verwickelt hat. Eine ihrer Lieblingsspiele war die Variante «Nutte und Freier». Für einen Blowjob habe es «100 Sex-Dollar» gegeben und 150 für das «anschließende Nümmerchen», lässt sie den Leser wissen.

Auch «Polizistin und Verdächtigter» habe sie gern mit Josh gespielt. Als «sexy New Yorker Law & Order-Lady» verkleidet habe sie ihn einige Mal auf einen mit Leder überzogenen Bürostuhl (den sie zuvor auf einem Münchner Flohmarkt erstanden hatte) gefesselt und nach «allen Regeln der Verhörkunst rangenommen». Sie sei froh, dass keine Menschenrechtsorganisation je davon erfahren habe, «die würden in meiner Wohnung glatt ein zweites Guantanamo vermuten». Diesen Vergleich hätte sich Siegel und dem Leser aber sicherlich auch ersparen können.

Was in einem guten Sex-Ratgeber natürlich nicht fehlen darf, ist ein Ranking der besten Stellungen und da will uns Frau Siegel wohl überraschen. Denn anders als vermutet steht ausgerechnet die oft als langweilig geltende Missionarsstellung bei dem Partygirl ganz oben auf der Liste. Langweilig sei sie aber nur, weil der Mann die Frau in dieser Stellung nicht stimulieren könne, gibt Giulia dem Leser zu bedenken. Deshalb ihr Ratschlag an die Männer: Einfach ein «Kissen unter den Po schieben» und schon sei die Reibung für die Frau intensiver. So einfach kann es also sein.

«Irgendwie ist das alles nichts Neues» ist der Eindruck, der sich beim Lesen des Buches relativ schnell einstellt. Siegels Sex-Tipps sind zwar an manchen Stellen recht unterhaltsam, aber bieten nichts wirklich Revolutionäres. Und eigentlich liefern sie auch nur das Beiwerk zu Siegels privaten Bettgeschichten, die das eigentliche Zentrum des Buches bilden.

Und der immer wiederkehrende Dieter-Bohlen-Slang nervt spätestens auf Seite 50, wo Siegel den Männern Stylingtipps gibt. Dort heißt es: «Was dir da gerade leicht dümmlich (im Spiegel) entgegen grinst, hat ungefähr den Sex-Appeal eines abgelaufenen Mozzarella und riecht auch nicht viel besser: Was du jetzt dringend brauchst, ist ein komplettes Reinigungsprogramm, inklusive Unterbodenwäsche». Sogar Dieter Bohlen hätte das geschmackvoller beschreiben können.

Make her crazy ist alles in allem vor allem eins: ein weiterer Sexratgeber, der in prolliger Weise versucht, den Männern zu erklären, worauf es bei Frauen ankommt. Den Leser wird Giulia Siegel mit diesem Buch aber nur schwer von ihren Qualitäten als «Sexpertin» überzeugen können. Dafür sind ihre Tipps einfach zu platt und fantasielos. Für den, der dagegen schon immer mal etwas über Siegels Sexleben wissen wollte, sei das Buch jedoch empfohlen.


Titel: Make her crazy! Was Frauen wirklich wollen
Autor: Giulia Siegel
Verlag: Marion von Schröder
Seitenzahl: 271
Preis: 14,90 Euro
Erscheinungsdatum: September 2009

iwe/news.de

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