So., 12.02.12
Wieder vereint

DDR und Drittes Reich «Wie kann man die DDR nur so hassen?»

Von news.de-Redakteur Herbert Mackert

Artikel vom 04.04.2009

War die DDR so schlimm wie der Nationalsozialismus? Lassen sich der SED-Staat und das Dritte Reich überhaupt miteinander vergleichen? Der Historiker Wolfgang Wippermann ruft vehement «Nein». Aber auch diese Diagnose hat Nebenwirkungen.

In seiner soeben im Rotbuch Verlag erschienenen «geschichtspolitischen Streitschrift» mit dem Titel Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich beklagt der Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin eine in seinen Augen weit verbreitete Gleichsetzung beider Unrechtsstaaten in der deutschen Öffentlichkeit. Damit werde einerseits die DDR verteufelt, andererseits der NS-Staat verharmlost.

Der Experte für Verschwörungs- und Totalitarismustheorien sowie Antiziganismus (Zigeunerfeindlichkeit) nennt diese in seinen Augen bewusst betriebene Geschichtspolitik in Anlehnung an George Orwells utopischem Roman 1984 einen «Neusprech». Dieser laute: «Die DDR beziehungsweise der SED-Staat sollen genauso totalitär gewesen sein wie der NS-Staat, Honecker wie Hitler, die Stasi wie die Gestapo, das berüchtigte DDR-Gefängnis Bautzen wie Auschwitz.»

Einen Vergleich hält Wippermann weder für möglich noch für zulässig. Zwar sei die DDR unzweifelhaft eine Diktatur gewesen und sicher kein Rechtsstaat, aber nicht ebenso monströs wie das Nazi-Regime, weil sie keinen Weltkrieg begonnen und keinen Rassenmord begangen habe.

Bereits räumlich und zeitlich hinke der Vergleich. So reichte das Dritte Reich während des Zweiten Weltkriegs vom Nordkap bis Afrika und vom Atlantik bis zum Kauskasus und dauerte zwölf Jahre, von 1933 bis 1945. Die DDR dagegen lag zwischen Elbe und Oder und bestand von 1949 bis 1990. «Wenn man die kleine und noch dazu weitgehend von der Sowjetunion abhängige DDR wirklich mit dem Dritten Reich vergleichen wollte, müsste vom Zweiten Weltkrieg und vom Holocaust abstrahiert werden», schreibt Wippermann.

Obwohl die DDR bereits seit den 1970er Jahren, während der Entspannungspolitik unter dem damaligen Kanzler Willy Brandt (SPD), von der Bundesrepublik politisch anerkannt und nicht länger als totalitär, sondern nur noch als autoritär bezeichnet worden sei, werde seit ihrem Untergang versucht, die DDR wieder als totalitäres Gebilde, als «das Böse schlechthin» darzustellen. Ergebnis dieses «staatlich verordneten Geschichtsbewusstseins» sei ein Paradigmenwechsel hin zu einer Täter-Opfer-Umkehrung, bei der aus uns Deutschen allesamt erbarmungswürdige Opfer gemacht werden sollen.

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DDR und Drittes Reich: «Wie kann man die DDR nur so hassen?» » Medien » Nachrichten

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Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 26.06.2011 14:18
von
Schnabel

Ich sehe es so wie Grünpfeil es beschrieb. Was 1939 bis 1945 Adolf Hitler war wurde in den Jahren 1961 bis 1989 durch Erich Honecker ersetzt. Die Menschenverachtende Grundhaltung blieb allerdings erhalten.

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  • Kommentar: 3
  • 03.10.2010 22:03
von
hellboy
Antwort auf Kommentar 1

He, Pisavorzeigekader Grünpfeil, erst Gehirn einschalten und dann denken! Ich habe selten solch eine SCHEISSE gelesen. Wieviel Nazies und Mörder haben denn Jahrzehnte im dt. Bundestag in Bonn und in den Chefetagen der der bundesdeutschen Wirtschaft gesessen??

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  • Kommentar: 2
  • 10.11.2009 15:57
von
Klaus Merker
Antwort auf Kommentar 1

Aber hallo! da hat aber einer zuviele Gruselgeschichten über die DDR gelesen/gesehen? Dieser zugegeben unangenehme Staat hat also "zuletzt" KZs geplant? Ach so, sollte demnach eine Art Auschwitz für die Feinde der Arbeiterklasse errichtet werden? Wer sollte denn dort durch Zwangsarbeit zugrundegerichtet bzw. gleich vergast und kremiert werden? Helfen Sie mir bitte auf die Sprünge! Für diese abstruse Behauptung möchte ich gerne einen stichhaltigen Beleg sehen. Mit freundlichen Grüßen

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  • Kommentar: 1
  • 09.11.2009 19:00
von
Grünpfeil

NSDAP - und SED - Staat sind sich tatsächlich in vielem ähnlich. Auch die Ideologien sind nicht so weit auseinander, wie hier behauptet wird. Was ins Auge fällt, sind die jeweils völlig überzogenen Sicherheitsapparate mit verblüffend ähnlichen Strukturen. Und die Einschwörung auf die vermeintlichen Feindbilder ist ebenfalls ganz ähnlich - ob "Klassenfeind" oder "Jude", rational ist beides nicht begründbar. Sie sollen "Klassenhass" oder "Judenhass" erzeugen: die Herrenklasse hetzt ihre Sklaven gegen die Bösen. Die DDR hatte zuletzt KZs konkret geplant. Der Rest ist Beiwerk - Opium fürs Volk.

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