Cheftypen So gehen Sie mit Ihrem Boss richtig um

Cheftypen (Foto)
Vom Erbsenzähler bis zum Chaoten - Cheftypen gibt es viele und genauso viele Wege, mit ihnen umzugehen. Bild: iStockphoto

Juliane ZiegengeistVon news.de-Mitarbeiterin
In der RTL-Show Undercover Boss sind sie incognito unterwegs: deutsche Chefs. Doch wie ticken eigentlich Abteilungsleiter und Manager? News.de stellt die wichtigsten Cheftypen vor und verrät, wie Sie am besten mit ihnen umgehen.

«Chefs ähneln manchmal dem Wetter: heute so, morgen anders, übermorgen wieder so. Aber bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung.» Tanja Bögner weiß, wovon sie redet. Die «Sekretärin des Jahres 2006» hat über 20 Jahre internationale Assistenzerfahrung und kennt die Eigenheiten der Vorgesetzten.

Um herauszufinden, welcher Typ der eigene Chef ist, rät Bögner, ihn genau zu beobachten: Ist er eher entspannt oder steht er unter Dauerstrom? Was erwartet er von Ihnen? Kontrolliert er Sie oder lässt er Ihnen freie Hand? Worauf legt er besonderen Wert - Pünktlichkeit, Kreativität, Diskretion? Wer diese Fragen für sich beantwortet, wird mit seinem Vorgesetzten umso leichter und reibungsloser zusammenarbeiten können. In eine Schublade sollte dieser aber nicht gesteckt werden, warnt Bögner. Selbst klassische Charaktere kämen im Büro meist als Mischtypen vor.

Arbeitsalltag
Die schlimmsten Chefs

Der Chaot

«Geht nicht, gibt's nicht», ist das Motto des Chaoten unter den Chefs. In seinem Übereifer sorgt er häufig für Hektik und Unruhe. Sein Schreibtisch versinkt unter Papierstapeln und «Nein» ist für ihn ein Fremdwort. Er tanzt gerne auf mehreren Hochzeiten und fordert das auch von seinen Mitarbeitern. Hier heißt es: Bloß nicht die Nerven verlieren und versuchen, den Überblick zu behalten. Oft erledigen sich Angelegenheiten, die gerade noch oberste Priorität hatten, in der nächsten Minute von selbst, weil der Chef seine Meinung geändert hat. Der Vorteil: Es wird nie langweilig.

Der Trotzige

Dieser Cheftyp vergleicht sich gerne mit anderen. Sein Bemühen, mit Konkurrenten mitzuhalten, drückt sich besonders in materiellen Statussymbolen aus. Welchen Dienstwagen fährt Herr Meier aus der PR-Abteilung? Wie groß ist sein Büro, wie teuer sein Anzug? Bekommt er seinen Willen einmal nicht, spielt der Trotzige schnell die beleidigte Leberwurst. Seine Mitarbeiter sind deshalb gefordert, ihm besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ernst genommen zu werden, ist für sein geringes Selbstvertrauen meist das größte Geschenk.

Der Morgenmuffel

Ihn gibt es auch unter den Chefs: Er kommt früh nur langsam in Tritt, kann dann aber bis spät in die Nacht am Schreibtisch sitzen. Mitarbeiter sollten sich von der schlechten Laune am frühen Morgen nicht abschrecken lassen. Schließlich macht der Chef das nicht mit Absicht, sondern trägt nur seiner natürlichen Leistungskurve Rechnung. Deshalb: Lassen Sie Ihren Chef morgens erst einmal in Ruhe, ab Mittag hat er seinen Normalzustand wieder erreicht. Falls vorher wichtige Termine anstehen, versuchen Sie nicht, ihn künstlich aufzuheitern. Auch hier gilt es, sich zurückzuhalten. Ein starker Kaffee tut ein Übriges.

Der Stratege

Genauigkeit, Planung, Kontrolle - der Stratege liebt es, die Fäden zu ziehen. Trotz seines autoritären Führungsstils kann er gut mit Menschen umgehen. Weil er weiß, was er kann, neigt er jedoch dazu, viel über sich selbst zu sprechen. Er ist entscheidungsfreudig und anspruchsvoll, seinen Respekt muss man sich erst verdienen. Mitarbeiter sollten die Herausforderung annehmen, denn von diesem Chef lässt sich eine Menge lernen.

Stresskiller
Der Chef als Voodoopuppe

Der Löwe

Er ist der Schrecken eines jeden Angestellten. In wenigen Sekunden von Null auf 180, ist der Löwe nicht nur im Tierreich gefürchtet. Er duldet keine Fehler und macht seinem Frust öffentlich Luft, wenn etwas nicht funktioniert. Für Mitarbeiter gilt, sich davon nicht einschüchtern zu lassen. Der Chef meint es nicht persönlich. Wichtig: Auf keinen Fall zurückbrüllen, denn: Wer schreit, hat Unrecht. Haben sich die ersten Wogen geglättet, können Sie das Gespräch suchen und ihm ruhig und sachlich erklären, dass Sie die Art und Weise seiner Kritik unangemessen finden. Die meisten Chefs erweisen sich dann als zahm und zugänglich.

Der Softie

Der eher untypische Chef: Er will keine Verantwortung übernehmen, delegiert nicht gerne und meidet offene Konfrontationen. Über Probleme mit bestimmten Mitarbeitern spricht er meist nur hinter vorgehaltener Hand, um keinen Ärger zu provozieren und sich bei allen Kollegen beliebt zu halten. Die Kehrseite: Motivieren kann der Softie seine Mitarbeiter kaum, zu wenig greift er durch, zu wenig lebt er vor, wie gearbeitet werden soll. Auch wenn er freundlich bleibt und für jeden ein offenes Ohr hat, sollten Sie ihn in die Verantwortung nehmen, die er so scheut - zu seinem eigenen Wohl und dem Wohl des Teams. Denn das droht auseinanderzufallen, wenn die Führungskraft fehlt.

Der Ignorante

Der Name ist Programm: Chefs dieses Typs kennen ihre Mitarbeiter kaum, geschweige denn wissen sie, was diese den Tag über leisten. Im Sinne eines antiautoritären Führungsstils lassen sie ihre Angestellten einfach machen. Die Kommunikation bleibt auf ein Minimum beschränkt, sodass Probleme der Mitarbeiter meist unbemerkt bleiben, bis die unerwartete Kündigung ins Büro flattert. Angestellte müssen sich um ein offenes Ohr stets bemühen und den Kontakt zum Chef aktiv suchen, um eine gesunde Arbeitsbeziehung zu ihm aufzubauen.

Der Undankbare

Ein Lob dringt nur selten über seine Lippen, denn für den Undankbaren ist alles eine Selbstverständlichkeit. Weil die Leistung der Mitarbeiter nach außen selten anerkannt wird, fühlen diese sich eher demotiviert statt in ihrer Arbeit bestärkt. Wer Anerkennung vermisst, muss sie aktiv einfordern. Den Chef zu fragen, ob er mit bereitgestellten Unterlagen oder der Organisation seiner Termine zufrieden ist, ist ein erster Schritt, um ihm ein Urteil abzuringen. Sieht ihr Vorgesetzter, wie Sie sich über sein Feedback freuen, wird er Ihre Arbeit künftig häufiger honorieren.

Der Entertainer

Dieser Chef erregt viel Aufsehen. Er macht gerne auf sich aufmerksam, redet über sich, seine Firma und damit auch die Belegschaft. Der motivierte Visionär kann seine Mitarbeiter mitreißen, verlangt ihnen aber auch viel ab. Denn: Mut und Risikobereitschaft fordert er nicht nur von sich selbst. Ähnlich wie der Chaot ist auch der Entertainer wankelmütig und reißt Aufgaben gerne an sich, was die Nerven der Kollegen schnell strapazieren kann. Da heißt es: durchhalten. Wer ohnehin voller Tatendrang ist, ist bei diesem Chef goldrichtig.

Der Erbsenzähler

Zahlen sind seine Welt. Er trumpft mit viel Fachwissen auf, schätzt Regeln und Normen. Emotionen bleiben bei ihm außen vor, die Arbeit steht im Vordergrund. Der Erbsenzähler ist ein Ordnungsfanatiker: Auf seinem Schreibtisch hat alles seinen Platz. Mitarbeiter können bei ihm mit aktuellen Gutachten und Hochrechnungen punkten. Denn in der Buchhaltung, zwischen Soll und Haben, fühlt dieser Chef sich am wohlsten. Die eigene Arbeit in Zahlen auszudrücken, ist der Königsweg für seine Angestellten.

Der Bremser

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das gilt auch für den Bremser unter den Chefs. Er scheut die Innovation, fürchtet das Risiko und ist froh, wenn alles in eingefahrenen Bahnen verläuft. Das Problem: Sein Arbeitsstil ist häufig umständlich, Entscheidungen werden vertagt, um Risiken abzuwägen, und am Ende dann doch abgeblasen. Unangenehme Überraschungen gibt es bei ihm nicht. Wer bei diesem Chef dennoch Neuerungen durchsetzen will, muss lange kämpfen und viele Kompromisse eingehen.

Der Nörgler

Konstruktive Kritik nimmt jeder Mitarbeiter gerne an. Doch wenn der Chef an allem und jedem etwas auszusetzen hat, und das auch ohne Grund, streiken selbst die motiviertesten Kollegen. Gute Arbeit wird ignoriert oder zerredet. Fühlen sich Angestellte unfair behandelt oder gar schikaniert, sollten sie das klärende Gespräch suchen und mit ihrem Chef offen über ihre Gefühle reden. Oft ist dieser sich seiner verletzenden Art gar nicht bewusst. Eine entspanntere Arbeitsatmosphäre wird auch in seinem Sinne sein.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Vorstandsassistentin und Fachbuchautorin Tanja Bögner. 2006 setzte sie sich erfolgreich in einem deutschlandweiten Wettbewerb gegen 1200 Konkurrentinnen durch und wurde von der Fachjury zu «Deutschlands bester Sekretärin» gewählt. In ihrem Berufsratgeber Traumberuf Sekretärin: Was Sie heute wissen müssen, um erfolgreich zu sein (Eichborn Verlag, 176 Seiten, 14,95 Euro) schreibt sie über Tricks und Fallen des Sekretärinnendaseins und stellt unter anderem verschiedene Chef- und Kollegentypen vor.

rzf/ham/reu/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Schabernac
  • Kommentar 4
  • 22.04.2011 08:52

Da ich mittlerweile Rentner bin und seit ca 30 Jahren selbstständig war und somit auch Chef, kann ich über einige meiner früheren Chefs sagen,sie machten keine Fehler,sie waren es selbst. Wenn es einmal nicht richtig lief,hatte ich mich immer in einen sachlich - freundlich,moderaten Ton mit meinen Mitarbeitern auseinander gesetzt und sind überwiegend zu einem positivem Ergebnis gekommen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wenn das Klima stimmt, stimmt auch der Umsatz.!!!!!!

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  • cbf600
  • Kommentar 3
  • 21.04.2011 16:51
Antwort auf Kommentar 2

Der Lieblingssatz eines meiner Chefs war:"Ich liebe den Verrat, hasse aber den Verräter".

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  • mkathrin
  • Kommentar 2
  • 18.04.2011 12:37

Da fehlt ein Typus - nämlich der Schlimmste aller Chefs. "Der Intrigant". Mitarbeiter werden als Spitzel gegen ihre Kollegen eingesetzt, weil er immer das Gefühl hat betrogen zu werden. Er wiegelt gerne Mitarbeiter gegeneinander auf. Ein Führungsstil, den ich leider selbst schon erlebt habe und zum kotzen finde. Absolut destruktiv, uneffektiv, demoralisierend und unproduktiv. Da helfen auch keine Personalführungsseminare. Private Probleme werden gerell an den Mitrabeitern ausgelassen. Ich habs 8 Jahre dort ausgehalten und dann ging aber nix mehr.

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