Von news.de-Redakteurin Maria Ganzenberg - 05.07.2017, 16.01 Uhr

Depression - Behandlungsmethode: Erfahrungen, Kosten + Risiken: DAS sollten Sie über Hirnschrittmacher wissen

Depressionen sind eine gefährliche und zumeist unterschätzte Krankheit. Betroffene leiden an Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Nicht immer können Therapien langfristig Abhilfe schaffen. Doch jetzt gibt es eine neue Behandlungsform aus der Parkinson-Forschung: Die tiefe Hirnstimulation. Das sollten Sie über den Hirnschrittmacher wissen.

Nicht mehr Herr über den eigenen Körper sein - ein typisches Symptom bei Depressionen. Bild: Fotolia_Photographee.eu

Der Körper ist schwer wie Blei und der Kopf scheint voller Watte zu sein. Selbst leichteste alltägliche Aufgaben werden zu unüberwindbaren Hindernissen. "An manchen Tagen ist es so schlimm, dann kann ich nicht einmal aufstehen. Ich liege im Bett und denke darüber nach aufzustehen, zu duschen oder mich anzuziehen. So lange bis der Tag vorbei ist. Dann weine ich mich in den Schlaf", offenbart Sabine (Name geändert) gegenüber news.de.

Bei Sabine wurden vor drei Jahren Depressionen diagnostiziert. Seitdem hat sie alles durch: Stationäre Behandlungen, Töpferkurse, Elektroschocktherapie und natürlich Antidepressiva in rauen Mengen. Aber langfristig hat ihr nichts geholfen. Elektronische Hirnschrittmacher könnten nicht nur Sabine, sondern vielen Betroffenen neuen Mut machen.

Hirnschrittmacher - Die letzte Chance gegen Depressionen?

Auch Thilo Blind leidet an Depressionen. Genau wie Sabine hat er alles versucht, um ein normales Leben zu führen. 2014 nahm er an der Studie zu tiefen Hirnstimulation teil, berichtet "stern.de". Erkrankten werden dabei Elektroden in die Hirnregion eingeführt, die für die Wahrnehmung von Freude zuständig ist. Bei 70 bis 80 Prozent der Patienten soll diese Methode anschlagen, erklärt Dr. Bettina Bewernick, wissenschaftliche Leiterin der Studie in Bonn "stern.de".

"Wenn das Erfolg hat, würde ich es vielleicht auch versuchen", sagt Sabine zögerlich. "Aber momentan fehlt mir selbst dazu der Mut. Doch irgendwann will ich wieder ein normales Leben führen, eine Arbeit haben und mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen. Sollte die Methode funktionieren, würde ich es bestimmt probieren".

Kosten und Nebenwirkungen des Hirnschrittmacher und der tiefen Hirnstimulation

Die Therapie der tiefen Hirnstimulation befindet sich derzeit immer noch in der Versuchsphase - zumindest bei Depressionen. In der Parkinson-Behandlung ist die Operation jedoch schon häufiger angewandt worden. In Deutschland gibt es mehrere Zentren, in denen das Verfahren bereits zum Standard gehört. Die Kosten für die OP werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, da es sich um einen medizinisch notwendigen Eingriff handelt. Inwieweit das auch auf die Behandlung von Depressionen zutrifft, kann heute noch nicht genau gesagt werden.

Wie auf der offiziellen Homepage der Uni Regenburg zu lesen ist, muss die Batterie des Schrittmachers alle fünf bis acht Jahre ausgewechselt werden. Hier heißt es bei der Frage nach den Nebenwirkungen auch: "Das Risiko für Komplikationen mit bleibenden Ausfällen durch das Verfahren liegt in einer großen Untersuchung an mehr als 250 Patienten unter 1% (Voges et al., JNNP 2006)."

Wie es Thilo Blind heute geht und ob Hirnschrittmacher wirklich als wirksame Therapie bei Depressionen eingesetzt werden können, erfahren Sie am Mittwoch, den 5. Juli, um 22.15 Uhr bei sternTV.

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mag/kad/news.de

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