Darmausstülpungen: Damit es nicht zum Durchbruch kommt

Divertikulitis gehört zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Vor allem bei Senioren können die Ausstülpungen im Darm schmerzhafte Folgen haben. Bleiben diese unbehandelt, kann das im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich werden.

Bei rund einer halben Million Deutschen führen Darmausstülpungen zu einer schmerzhaften Krankheit, die lebensbedrohlich sein kann. Bild: ddp

Rund 25 Millionen Bundesbürger haben eine Vielzahl teilweise kirschengroßer Ausstülpungen im Darm - meist ohne es zu wissen. Bei etwa einer halben Million - vor allem älterer - Menschen entsteht daraus eine schmerzhafte Krankheit, weil sich diese sogenannten Divertikel mit Darminhalt verstopfen und entzünden. In den meisten Fällen bekommen die Ärzte die Divertikulitis in kurzer Zeit gut in den Griff. Unbehandelt aber droht Lebensgefahr, warnt der Vorsitzende des Berufsverbandes der Coloproktologen, Bernhard Strittmatter.

Denn bei etwa einem Prozent der Kranken tritt ein Darmdurchbruch auf, bei dem Kot in den Bauchraum gelangt und zu einer eitrigen Bauchfellentzündung führt. Einzige Rettung bietet dann nur noch die Notoperation. Je nach Schwere der Krankheit und des Allgemeinzustandes geht sie mit einer Sterblichkeit von mehr als 20 Prozent einher.

Die Divertikulitis gilt als eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten. Bei rund der Hälfte der über Sechzigjährigen können Divertikel nachgewiesen werden. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen weiter an. «Über 60.000 Senioren wird pro Jahr wegen dieser Krankheit ein Stück Darm entfernt», sagt Strittmatter.

Die meisten Divertikelträger haben keine Beschwerden

Allerdings wird der überwiegende Teil der Divertikelträger nicht krank: «70 bis 80 Prozent der Senioren haben wegen der Divertikel nie Beschwerden», sagt Strittmatter. Beim Rest entwickeln sich eine oder mehrere Entzündungsschübe, die in ihren Beschwerden einer Blinddarmentzündung ähneln. Im Unterschied dazu liegt der Hauptschmerz im linken Unterbauch. Diese krampfartigen Schmerzen nehmen oft nach dem Essen zu und nach erfolgtem Stuhlgang ab. Gelegentlich kann auch Fieber dazukommen. Unbehandelt kann sich die Darmwand komplett entzünden.

Lebensgefährlich kann neben dem Durchbruch des Darmes in den Bauchraum auch die Divertikelblutung sein. Die Ausstülpungen können plötzlich aufreißen und bluten. Meist hören diese Blutungen von allein auf. Mitunter aber ist dieser Blutverlust nicht zu stoppen, wenn der Patient blutverdünnende Medikamente einnimmt. Dann muss die Blutung endoskopisch oder durch eine Notoperation gestillt werden.

Die Ausstülpungen entstehen vor allem altersbedingt, wenn das Gewebe der Darmwand schwächer wird und chronische Verstopfungen den Darminnendruck erhöhen. Divertikel kommen im s-förmigen Teil des Darmes vor, weil dort der Druck am größten ist. Diese Ausstülpungen sind anfangs erst so groß wie ein Stecknadelkopf. Später können sie auf Kirschengröße anwachsen. «Größe und Anzahl sind aber für ihre Gefährlichkeit nicht entscheidend», sagt der Coloproktologe aus Freiburg. Krebs kann daraus nicht entstehen: «Divertikel sind grundsätzlich gutartig», beruhigt Strittmatter.

Diät und Antibiotika

Als Ursache werden Ernährungsfehler vermutet. Die Bevölkerung in den Industriestaaten ist für Divertikel deutlich anfälliger als die in Entwicklungsländern. Ein wichtiger Grund könnte sein, dass die Ernährung in den Industrieländern erheblich weniger Ballaststoffe enthält. Hinzu kommen mangelnde Bewegung im Alter sowie eine abnehmende Elastizität des Darmes. Um einer schmerzhaften Divertikulitis aus dem Weg zu gehen, empfiehlt der Experte eine ballaststoffreiche Ernährung und viel Bewegung. Zudem sollte Übergewicht vermieden werden

Zur Behandlung der Krankheit verordnen die Ärzte eine Diät, bei der auf festes Essen verzichtet wird, sowie Antibiotika. «In den meisten Fällen haben wir mit dieser Therapie Erfolg», sagt Strittmatter. Immer wiederkehrende Entzündungen können aber zur Verdickung der Darmwand, zur Enge des Darmes und zu größeren Eiteransammlungen im Bauchraum führen.

Gefahr droht, wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht nachlassen, Fieber auftritt und der Bauch hart wird. Bei einer Operation wird nur der erkrankte Darmabschnitt entfernt. Das sind etwa 25 bis 40 Zentimeter Darm. Die beiden verbliebenen Darmenden werden durch eine Naht miteinander verbunden. Die Operation wird in der Regel in der minimal-invasiven Technik über mehrere kleine Schnitte durchgeführt. Nur bei komplizierten Notfalleingriffen ist vorübergehend ein künstlicher Darmausgang erforderlich.

sca/ivb/news.de/ap

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2 Kommentare
  • August

    18.03.2010 19:41

    Ja, man kann sich wirklich Krankheiten, die einem vom Arzt eingeredet werden; wirklich bekommen. Das geht bis zum Krebs. Nachzulesen in dem Buch: Ein medizinischer Insider packt aus.

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  • tommy

    18.03.2010 15:44

    Sarmausstülpungen? Nun kann ich mir auch denken wo der Sellesfurzer seinen Ursprung hat.

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