Wladimir Solowjow: "Schert euch weg!" Putin-Propagandist beschimpft Europäer als "Kreaturen"

Wladimir Solowjow lässt im russischen Staatsfernsehen seinem Hass auf Europa freien Lauf. Der Kreml-Propagandist beschimpft Europäer als "Kreaturen", verspottet Proteste und richtet eine Drohung an Polen.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Wladimir Solowjow spricht vom Untergang Europas. (Foto) Suche
Wladimir Solowjow spricht vom Untergang Europas. Bild: picture alliance / dpa | Alexander Shcherbak/Tass/Host Ph
  • Wladimir Solowjow beschimpft Europäer als "Kreaturen" und beschwört den Niedergang des Westens herauf
  • Kreml-Propagandist richtet Drohungen an Polen
  • Margarita Simonjan spekuliert über einen möglichen Nato-Austritt der USA

Im russischen Staatsfernsehen teilt Wladimir Solowjow erneut scharf gegen Europa aus: Der Kreml-Propagandist verspottet Proteste in mehreren europäischen Ländern, beschimpft Europäer als "Kreaturen" und richtet eine unmissverständliche Drohung an Polen. Auch US-Präsident Donald Trump spielt in der Sendung eine bemerkenswerte Rolle. RT-Chefin Margarita Simonjan spricht von "unserem Trump" und spekuliert über einen möglichen Nato-Austritt der USA.

Die Kremlkritikerin Julia Davis hat einen Mitschnitt der Sendung "Sonntagabend mit Wladimir Solowjow" mit englischen Untertiteln auf YouTube veröffentlicht.

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"Habt ihr so etwas jemals in Russland gesehen?" Solowjow verhöhntEuropäer als "Kreaturen"

In dem Ausschnitt liefert Solowjow eine wütende Schimpftirade gegen Europa, feiert Unruhen in europäischen Großstädten mit unverhohlenem Genuss. "Schert euch weg, ihr Kreaturen!", brüllt der Moderator in die Kamera. Die Proteste dienen ihm dabei als vermeintlicher Beweis für den Niedergang des Westens. Solowjow zählt die europäischen Krisenherde mit sichtlicher Genugtuung auf. Was in Frankreich begonnen habe, sei auf Italien übergesprungen, die Schweiz brenne, und nun habe es Deutschland erreicht. "Wenn in Köln völlig Unverständliches passiert, wenn in Hamburg massive Proteste stattfinden, wenn auf dem Kurfürstendamm in Berlin auch ohne sowjetische Truppen so etwas losgeht", ruft er ins Studio. Die europäischen Völker, die ihre eigenen Städte zerlegten – ob das etwa die Sieger seien, die Russland Vorschriften machen wollten? Dann stellt der Moderator seine rhetorische Lieblingsfrage: "Habt ihr jemals ein solches Bild in Russland gesehen?" Ein YouTube-Nutzer bringt die Absurdität dieser Aussage trocken auf den Punkt: In Russland seien Proteste schlicht illegal, deshalb sehe man dort auch keine.

Rubios Atomwaffen-Erinnerung als Drohkulisse

Mitten in seiner Tirade spielt Solowjow einen Audioclip von US-Außenminister Marco Rubio ein. Darin betont Rubio, dass Russland über ein gewaltiges Nukleararsenal verfüge. Eine Tatsache, die viele offenbar vergessen hätten. "Vielleicht erinnern sich die Leute nicht daran, aber wir möchten Sie daran erinnern", so Rubio, der zugleich die Vermittlerrolle der USA im Ukraine-Konflikt unterstreicht und den Dialog mit beiden Seiten als unverzichtbar bezeichnet.

Solowjow nutzt diese Worte umgehend als Einschüchterungsinstrument gegen Europa: "Hört lieber aufmerksam Marco Rubio zu, wenn ihr glaubt, ihr könntet mit uns aus einer Position der Stärke sprechen", warnt er die Europäer. Ein YouTube-Kommentator hatte genau diese Vereinnahmung vorhergesehen: "Ich wusste, dass Rubios Atomwaffen-Kommentar hier landen würde. Und er wusste es auch."

Warschau gehörte zum Russischen Reich – Solowjow droht Polen mit Stalin-Zitat

Besonders bedrohlich wird es, als sich Solowjow direkt an Polen wendet. "Seid ihr sicher, dass euch die Ukraine etwas angeht? Verliert nicht euer eigenes Land", ruft er. Russland werde "mit Territorien wachsen und alles Eigene zurückholen". Dann greift der Moderator zu einem historischen Verweis mit unmissverständlicher Botschaft. Er zitiert ein Gespräch zwischen Stalin und Churchill über die Zugehörigkeit verschiedener Städte: Als Churchill angemerkt habe, dass Lwiw nie zum Russischen Reich gehört habe, habe Stalin geantwortet: "Warschau schon." Solowjow ergänzt die Drohung mit einem angeblichen Putin-Zitat, das sich ebenfalls an die Polen richte: "Man muss ans eigene Haus denken, ans Haus." Ein YouTube-Nutzer warnte nüchtern, ein russischer Angriff auf Polen würde das Ende der "Spezialoperation" nur beschleunigen.

Margarita Simonjan setzt auf Trump als Europas Totengräber

Eine Expertin im Studio geht noch einen Schritt weiter als der Moderator. Sie prophezeit offen, dass Trump aus der Nato austreten werde – "was für uns sehr interessant sein wird". Darüber hinaus werde der US-Präsident Europa "komplett entfetten" und seine innenpolitischen Widersacher in den USA mundtot machen. "Schreibt Trump nicht ab", mahnt sie. Solowjow nimmt den Ball dankbar auf, richtet den Blick aber auch auf die andere Seite: "Ich schreibe auch seine Gegner nicht ab. Die Vereinigten Staaten sind in zwei Hälften gespalten, und das ist gut so." Die tiefe gesellschaftliche Spaltung der USA wird im russischen Staatsfernsehen damit nicht als Krise, sondern als strategischer Vorteil für Moskau präsentiert – und das ganz unverblümt vor einem Millionenpublikum.

Margarita Simonjan beschwert sich außerdem darüber, dass Selenskyj "unserem Trump" gegenüber respektlos auftrete und sich erdreiste, ihm gegenüber unhöflich zu sein. Die Formulierung "unser Trump" lässt tief blicken. Im russischen Staatsfernsehen wird der amerikanische Präsident offenbar als eine Art eigener Verbündeter betrachtet. Auch YouTube-Nutzern entging diese bemerkenswerte Wortwahl nicht. "Selenskyj respektiert 'UNSEREN TRUMP' nicht – lasst euch das mal einen Moment durch den Kopf gehen", kommentierte ein Zuschauer unter dem von Julia Davis veröffentlichten Mitschnitt. Dass ausgerechnet im Kreml-nahen Fernsehen so selbstverständlich vom US-Staatsoberhaupt als "unserem" gesprochen wird, dürfte in Washington zumindest für hochgezogene Augenbrauen sorgen.

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