Friedrich Merz: Kanzler posiert mit Roboter – Netz zerlegt ihn gnadenlos

Friedrich Merz will Deutschland zur führenden KI-Nation machen, doch im Netz erntet er dafür vor allem Häme. Ein Video zeigt, wie der Kanzler beim Digitalgipfel auf einen humanoiden Roboter trifft. Die Reaktionen: wenig schmeichelhaft.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Friedrich Merz trifft beim Digitalgipfel auf einen Roboter. (Foto) Suche
Friedrich Merz trifft beim Digitalgipfel auf einen Roboter. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Friedrich Merz lässt sich beim Digitalgipfel von einem humanoiden Roboter die Hand geben
  • Netz macht sich über Deutschlands digitalen Rückstand und den Führungsanspruch der Regierung lustig
  • KI-Taskforce warnt: Kommende Monate sind entscheidend für Deutschlands Zukunft im internationalen Wettbewerb

Behutsam schließt sich die metallene Hand eines humanoiden Roboters um die Finger von Friedrich Merz. Der Bundeskanzler bleibt äußerlich gelassen, während ein Mitarbeiter der Herstellerfirma Neura Robotics versichert, der Griff der Maschine sei schwächer als der eines Menschen. Der CDU-Politiker veröffentlichte anschließend gemeinsam mit dem Digitalministerium ein Video der Begegnung auf Instagram. Darin ist zu sehen, wie Merz auf den Maschinenmenschen zugeht und sagt: "So, jetzt gucken wir uns mal den Roboter an." Was als Demonstration technologischer Aufbruchstimmung gedacht war, entwickelte sich in den Kommentarspalten zum Auslöser für reichlich Häme.

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Friedrich Merz will Deutschland zur führenden KI-Nation machen

Beim Digitalgipfel in Berlin stand Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt. Merz betonte, Deutschland wolle bei dieser Technologie eine Spitzenposition einnehmen und zugleich seine Unabhängigkeit bewahren. Das Land dürfe "nicht abhängig zu werden von anderen". Digitalminister Karsten Wildberger schlug ähnliche Töne an: Es gehe "um nichts weniger als unsere aller Zukunft". Deutschland sei in Bewegung und verfüge über mehr Talente, als man sich häufig zutraue. Das Land könne technologisch souverän werden und eigenständig Wachstum schaffen. Auch der Kanzler unterstrich seinen Anspruch. Deutschland gehe "mit modernsten Technologien" voran und bewege sich "mit großem Erfolg" in Richtung einer führenden KI-Nation. Doch ausgerechnet diese Zuversicht wurde in den sozialen Netzwerken bitteröse verspottet.

Der Bundeskanzler reicht dem Roboter die Hand. (Foto) Suche
Der Bundeskanzler reicht dem Roboter die Hand. Bild: Kay Nietfeld/dpa/dpa

Faxgeräte und 56k-Modems: Instagram spottet über Deutschlands Digitalpolitik

Die Kommentarspalte unter dem Instagram-Video entwickelte sich zum Ventil für den digitalen Frust vieler Nutzer. Besonders die Kluft zwischen politischen Ambitionen und dem digitalen Alltag wurde zum Thema. Ein Nutzer verwies darauf, dass auf seinem Hof noch nicht einmal ein Glasfaseranschluss mit 150 Mbit verfügbar sei – und das kurz vor 2027. Ein anderer fasste Deutschlands technologische Bilanz der vergangenen zwei Jahrzehnte in Schulnoten-Sprache zusammen: "Die Deutschen waren stets bemüht." "Das Land der Faxgeräte und Verbrennermotoren. LOL", spottete ein Kommentator über den deutschen Führungsanspruch. Auch ein weiterer Kommentar traf offenbar einen Nerv: "Dieses Video wurde per Fax hochgeladen". Der Tenor vieler Reaktionen: Bevor Deutschland zur KI-Supermacht aufsteigt, gibt es bei der digitalen Infrastruktur noch einiges aufzuholen.

Auch die Begegnung von Merz mit dem Roboter nahmen Instagram-Nutzer aufs Korn. "Sie sehen einen smarten Typen, der anständig die Hand gibt. Und sie sehen Merz", heißt es in einem Kommentar. "Wann kommt endlich der nützlichere KI-Kanzler?", schreibt ein Nutzer. "Welches ist jetzt der Roboter?", ist in einem Kommentar zu lesen. "Der Roboter war richtig menschlich im Vergleich zum Möchtegernkanzler", meint ein anderer Nutzer. "Selbst der Roboter hat kein Bock auf sie", heißt es in einem weiteren Kommentar.

KI-Taskforce warnt: Deutschland bleiben nur zwölf bis 18 Monate

Hinter den großen Worten stehen durchaus konkrete Zahlen und eine deutliche Warnung. Die im Sommer vom Nationalen Sicherheitsrat eingesetzte KI-Taskforce der Bundesregierung legte beim Digitalgipfel ihren Abschlussbericht vor. Darin wird vor einem wachsenden Rückstand gegenüber den USA und China gewarnt. Trotz einer starken Forschungsbasis drohe Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen. Die kommenden zwölf bis 18 Monate seien entscheidend, um gegenzusteuern.

Das erklärte Ziel: Deutschland soll bis 2030 zur "KI-Nation" aufsteigen. Mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen sollen dann KI nutzen. Außerdem soll sich die Zahl der KI-Startups verdreifachen. Neun von zehn Bundesbehörden sollen KI bei Kernaufgaben einsetzen. Mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung sollen künftig KI-basiert entstehen.

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/gom/news.de/dpa

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