Debakel für Putin: Russe läuft zur Ukraine über, seine Infos töten 300 Soldaten
Monatelang soll der russische Leutnant Lev Stupnikov seiner eigenen Armee geschadet und der Ukraine entscheidende Informationen geliefert haben. Laut Medienbericht trugen seine Hinweise zum Tod von mehr als 300 russischen Soldaten bei.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Russischer Leutnant soll ukrainischen Streitkräften Informationen über Truppenbewegungen und Angriffspläne geliefert haben
- Bei einem Raketenangriff im Februar 2024 starben laut Bericht 68 russische Soldaten
- Nach seiner Flucht schloss sich Stupnikov einer russischen Freiwilligeneinheit auf ukrainischer Seite an
An einem eiskalten Februarmorgen 2024 fuhr der russische Leutnant Lev Stupnikov seinen Lastwagen an den Rand eines Feldes in der Ostukraine. Hinter ihm folgte ein Konvoi hochrangiger Offiziere, die eine Übung nahe der Frontlinie beobachten wollten. Zwischen 120 und 150 Soldaten hatten sich auf dem gefrorenen Gelände versammelt und Stupnikov hatte die exakten Koordinaten bereits an seinen ukrainischen Kontaktmann weitergegeben. Unter dem Vorwand von Magenproblemen entfernte er sich in ein nahes Waldstück. Sekunden später schlugen ukrainische Raketen ein. 68 russische Soldaten starben, 60 weitere wurden verwundet. Unter den Toten befanden sich zehn Offiziere – darunter Oberst Gusein Musajew, Kommandeur der 36. Motorisierten Schützenbrigade und ein vorrangiges Ziel Kiews, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Es war der Auftakt einer beispiellosen Sabotage-Kampagne.
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Putins Armee unterwandert: Seine Mutter brachte ihn mit dem ukrainischen Geheimdienst in Kontakt
Dass Stupnikov überhaupt zum Informanten wurde, verdankte er seiner Mutter Tatiana. Die alleinerziehende Büroangestellte aus dem sibirischen Omsk hatte sich längst gegen Putins Regime gewandt und an Protesten teilgenommen. Als sie im November 2023 ein militärisches Dokument mit dem Vermerk "DRINGEND" erhielt, das die Verlegung ihres Sohnes an die Front ankündigte, beschloss sie zu handeln. Im Februar 2024 wandte sich Tatiana an Dmytro Karpenko, einen mit dem ukrainischen Militärgeheimdienst zusammenarbeitenden Programmierer. Karpenko war für seine YouTube-Interviews mit russischen Kriegsgefangenen bekannt und hatte Zahlungen für verwertbare Informationen ausgelobt. Stupnikov kannte den Namen bereits und schrieb ihm über WhatsApp: "Ich bin bereit, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und mich zu stellen." Er nannte seinen Rang, Standort und seine Einheit – lehnte jedoch jede Bezahlung ab.
Rückschlag für Wladimir Putin: Monatelange Sabotage kostet über 300 Russen das Leben
Die beiden vereinbarten ein ausgeklügeltes Codesystem: Jede Nachricht musste mit einer Zahl beginnen, die sich aus dem Tagesdatum plus fünf errechnete. Fehlte diese Zahl, wusste Karpenko, dass sein Informant aufgeflogen war. Was folgte, war eine systematische Zersetzung der eigenen Brigade von innen. Stupnikov übermittelte Funkfrequenzen, detaillierte Angriffspläne und Truppenbewegungen an die ukrainische Seite. Er schaltete Überwachungskameras ab, die auf ukrainisches Gebiet gerichtet waren, und manipulierte einen Drohnencontroller durch Überspannung, sodass dieser während eines Einsatzes ausfiel. Im März töteten die Ukrainer mehrere Offiziere bei einem von Stupnikov gemeldeten Brigadetreff. Im Mai traf ein Schlag den Keller eines ehemaligen Hotels, in dem zwei Sturmeinheiten untergebracht waren – 20 Soldaten starben. Insgesamt führten seine Informationen zum Tod von mehr als 300 russischen Soldaten.
Flucht durch das Niemandsland mit dem Codewort "Erdnussladen"
Der Verdacht innerhalb der Brigade wuchs stetig. Im Juni äußerte sein Kommandeur offen die Vermutung, ein Maulwurf befinde sich in den eigenen Reihen, und fixierte dabei Stupnikov mit seinem Blick. Anfang Juli erreichte ihn schließlich Karpenkos Nachricht: Er solle unbewaffnet zum Dorfrand von Mykilske kommen. In der warmen, klaren Nacht des 6. Juli durchquerte Stupnikov das verminte Niemandsland, geleitet von einer ukrainischen Drohne. Soldaten der 72. Brigade verfolgten seinen Weg per Wärmebildkamera. Nach rund 40 Minuten erreichte er die ukrainischen Stellungen, wo bewaffnete Soldaten ihn mit der Frage nach dem Passwort empfingen. Seine Antwort: "Erdnussladen." Zwei Tage später traf er Denis Kapustin, den Anführer des Russian Volunteer Corps – einer aus russischen Putin-Gegnern bestehenden Kampfeinheit. Stupnikov trat bei.
Spartanisches Leben und Vorbild für neue Überläufer
Stupnikov steht heute seiner früheren Brigade als Feind gegenüber. Einen militärischen Rang trägt er nicht mehr. Sein gesamter Besitz passt in zwei Säcke. Bei Einsätzen in der sogenannten Todeszone zwischen den Fronten führt er eine Drohnenabwehrwaffe mit sich. Seine Ehe zerbrach – seine Frau Liza wollte ihm nicht folgen und bezeichnete sein Handeln gegenüber russischen Medien als Verrat. Seine Mutter Tatiana und seine Schwester Alisa flohen im Februar 2025 über Moldau in die Ukraine. Die russischen Freiwilligenkämpfer an seiner Seite bezeichnet Stupnikov als seine neue Familie.
Sein Fall inspiriert weitere Deserteure. Karpenkos Informantennetzwerk arbeitet mittlerweile rund um die Uhr, langjährige Quellen erhalten monatlich 4.000 US-Dollar. "Habe ich meinen Eid gebrochen? Ich habe mich verpflichtet, Freiheit, Unabhängigkeit und die verfassungsmäßige Ordnung zu verteidigen", sagt Stupnikov. "Aber Putin hat alle drei zerstört."
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