Schlammschlacht in der CDU: CDU-Influencerin abgesägt? Nach dieser Entscheidung brodelt es

Sie wollte einmal Kanzlerin werden – jetzt wird Clara von Nathusius nicht einmal mehr als Schatzmeisterin der Jungen Union geduldet. Mächtige Landeschefs sägten die CDU-Influencerin ab, während ein 350.000-Euro-Finanzloch die Nachwuchsorganisation erschüttert.

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Laut Medienberichten wurde sie der Union zu unbequem: Clara von Nathusius. (Foto) Suche
Laut Medienberichten wurde sie der Union zu unbequem: Clara von Nathusius. Bild: picture alliance/dpa/Hannes P Albert
  • Clara von Nathusius vor dem Aus bei der Jungen Union
  • Wie die CDU-Influencerin Johannes Winkel gegen sich aufgebracht haben soll
  • 350.000 Euro Fördermittel müssen plötzlich zurückgezahlt werden

Die CDU-Influencerin Clara von Nathusius (31) ist als Schatzmeisterin der Jungen Union faktisch abgesägt worden. Offiziell erklärte sie zwar, nicht erneut für den Posten zu kandidieren – doch hinter den Kulissen sähe die Sache anders aus, berichtet die "Bild". Einflussreiche JU-Landeschefs sollen demnach der 31-Jährigen unmissverständlich klar gemacht haben, dass sie bei einer erneuten Abstimmung keine Mehrheit mehr hinter sich hätte.

Der Kernvorwurf: notorische Selbstdarstellung auf Kosten der Teamarbeit. Hinzu kommen schwere finanzielle Turbulenzen bei der CDU-Nachwuchsorganisation, die ebenfalls auf Nathusius' Kappe gehen sollen. Dass die gesamte Affäre ausgerechnet kurz vor dem "Deutschlandtag" der JU eskaliert – jenem Parteitreffen, bei dem Nathusius den Rechenschaftsbericht präsentieren soll – dürfte kaum ein Zufall sein.

Clara von Nathusius: "Freie Radikale" statt Teamplayerin

In den Landesverbänden der Jungen Union genoss Nathusius schon länger keinen guten Ruf. Statt sich in die mühsame Basisarbeit einzureihen, habe sie sich vorrangig dem Ausbau ihrer beachtlichen Social-Media-Reichweite gewidmet – so lautet zumindest der Vorwurf. Innerhalb der Organisation galt sie als "Freie Radikale", als Einzelgängerin ohne Mannschaftsgeist.

Die großen Landesverbände sollen ihr schließlich unmissverständlich signalisiert haben, dass eine Wiederwahl zur Schatzmeisterin aussichtslos sei, heißt es bei der "Bild". Ihr Fokus auf die eigene Außenwirkung stieß besonders bei jenen auf, die seit Jahren klassische Parteiarbeit leisten. Dass dabei auch Neid auf ihre enorme digitale Präsenz eine Rolle gespielt haben könnte, wird in JU-Kreisen zumindest nicht ausgeschlossen.

Sowohl Nathusius selbst als auch JU-Bundeschef Johannes Winkel (34) äußerten sich bislang nicht zu den Vorgängen – Anfragen von "Bild" blieben unbeantwortet.

Vom Förderer zum Gegner: Der Bruch mit Winkel

Dabei hatte JU-Bundeschef Johannes Winkel die 31-Jährige einst selbst nach oben gebracht. Er machte sie zur Schatzmeisterin, und bei der Spendenakquise erwies sich Nathusius dank ihrer öffentlichen Strahlkraft offenbar als echte Bereicherung. Doch das Verhältnis zwischen den beiden kühlte zuletzt merklich ab.

Der Auslöser: Nathusius' provokante Äußerungen zur AfD und zur sogenannten Brandmauer. Laut "Bild" hatte Winkel auf einer Vorstandssitzung vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sämtliche Vorstandsmitglieder angewiesen, sich bis nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern nicht öffentlich zum Thema AfD zu positionieren. Nur zwei Tage später trat Nathusius im ARD-"Bericht aus Berlin" auf – und rüttelte dort demonstrativ an der Brandmauer.

Ihre Auftritte fielen in eine hochsensible Wahlkampfphase und wurden parteiintern als schädlich für die CDU bewertet. Die CDU selbst kämpft derzeit mit erheblichen Problemen, wichtige Steuerreformen durchzubringen. Zusätzlichen Ärger könnte weitere Unruhe in die Partei bringen.

350.000 Euro Fördermittel futsch – in der Jungen Union brodelt es

Neben dem Machtkampf belasten auch handfeste Finanzprobleme die Junge Union. Wie zunächst der "Focus" enthüllte, muss die Nachwuchsorganisation rund 350.000 Euro an Fördermitteln inklusive Zinsen zurückerstatten. Für eine Organisation, die üblicherweise mit weitaus bescheideneren Budgets operiert, ist das eine gewaltige Summe – und eine massive Fehlkalkulation.

Um die Rückzahlung stemmen zu können, musste sich die JU etwa 300.000 Euro von der Mutterpartei CDU borgen. Zuzüglich Zinsen wird das Ganze noch kostspieliger. Die Verantwortung dafür wird nicht nur dem damaligen Bundesgeschäftsführer zugeschrieben, sondern ausdrücklich auch Nathusius in ihrer Rolle als Schatzmeisterin. Zahlreiche JU-Funktionäre sind der Auffassung, sie hätte die finanzielle Schieflage deutlich früher erkennen müssen. Ein klassisches Aufsichtsversagen, das ihr nun politisch auf die Füße fällt.

Kein Zufall: Das verdächtige Timing

Pikant an der ganzen Angelegenheit ist der Zeitpunkt, zu dem die Finanzprobleme an die Öffentlichkeit gelangen. Denn innerhalb der Jungen Union waren die Schwierigkeiten bereits seit dem Frühsommer bekannt. Dass sie ausgerechnet jetzt publik werden – nachdem Nathusius mit ihrer offensiven Medienpräsenz und ihrer scharfen Kritik an der Parteilinie für erheblichen Unmut gesorgt hat – wirkt wie ein gezieltes Manöver.

Besonders brisant: Der Zeitpunkt fällt unmittelbar vor den "Deutschlandtag" der JU, bei dem ausgerechnet Nathusius den Rechenschaftsbericht vorlegen soll. Eine undankbarere Bühne lässt sich kaum vorstellen – die Zahlen dürften für reichlich unangenehme Fragen sorgen. Ob die 31-Jährige, die einst das Kanzleramt als Karriereziel nannte ("Natürlich glaube ich, dass ich das kann!"), diesen Rückschlag politisch übersteht, bleibt abzuwarten.

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