Wladimir Putin in Bedrängnis: "Klein-Moskau" auf Tropeninsel – Russen fliehen vor Putins Krieg
"Ich kann nicht auf Menschen schießen und sie töten", mit diesen Worten erklärt ein junger Russe seine Flucht vor Putins Krieg. Auf Phuket suchen Tausende Russen Schutz vor Einberufung, Sanktionen und wirtschaftlicher Unsicherheit.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
Suche
- Tausende Russen suchen auf Phuket Zuflucht vor Putins Krieg
- Zuzug verändert den Immobilienmarkt und das Straßenbild der thailändischen Ferieninsel
- Einheimische kritisieren steigende Preise, mutmaßlich illegale Geschäftspraktiken und mangelnden Respekt
Thailands tropisches Ferienparadies Phuket erlebt einen beispiellosen Zustrom russischer Staatsbürger, die vor Wladimir Putins Krieg in der Ukraine, drohender Einberufung und westlichen Sanktionen Zuflucht suchen. Die Insel trägt mittlerweile einen bezeichnenden Spitznamen: "Klein-Moskau".
Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende dieses Artikels.
"Ich kann nicht auf Menschen schießen!" Junge Russen flüchten vor Wladimir Putin
Tausende Russen haben sich laut einer Recherche der "Daily Mail" auf der Insel niedergelassen und dabei komplette Stadtviertel grundlegend verändert. Was einst ein internationaler Urlaubsort war, verwandelt sich zunehmend in eine russische Enklave – mit weitreichenden Folgen für den Immobilienmarkt, das lokale Geschäftsleben und das Zusammenleben mit der thailändischen Bevölkerung. Diese Entwicklung stellt Putins Kriegsmaschinerie vor ein unerwartetes Problem: Statt an die Front zu ziehen, setzen sich immer mehr junge Männer in die Tropen ab. Gleichzeitig wächst auf der Insel der Unmut der Einheimischen über illegale Geschäftspraktiken, Visavergehen und mangelnden Respekt gegenüber lokalen Gepflogenheiten.
Die Beweggründe der Geflüchteten ähneln sich: Der Krieg ergibt für sie keinen Sinn. Ein junger Mann aus St. Petersburg, der erst vor kurzem auf Phuket gelandet war, erklärte gegenüber der "Daily Mail", er wolle der Einberufung entgehen – angesichts von geschätzt 300.000 russischen Gefallenen und Verwundeten allein in diesem Jahr. "Ich verstehe den Sinn dieses Ukraine-Kriegs nicht. Kein einziger meiner Freunde unterstützt ihn oder will kämpfen", sagte er. "Ich bleibe hier bis zum Ende des Krieges."
Andere flüchten nicht nur – sie investieren. Ein wohlhabender Russe Mitte dreißig hat sich bereits drei Immobilien auf der Insel gesichert. "Ich bin russischer Staatsbürger und ich liebe Russland – aber nein, ich liebe meinen Anführer nicht", erklärte er. Eine erneute Mobilisierungswelle treibe ihm Angst ein: "Die Armee ist nichts für mich. Ich kann nicht auf Menschen schießen und sie töten."
Villenpreise verdoppelt – kyrillische Schrift erobert die Straßen
Der russische Zustrom hat den Immobilienmarkt auf Phuket regelrecht auf den Kopf gestellt. Lokale Makler berichten laut der "Daily Mail", dass die Preise für Villen seit Beginn des Ukraine-Kriegs um 50 bis 100 Prozent in die Höhe geschossen sind. Gewöhnliche Touristen und Einheimische werden dadurch zunehmend vom Markt verdrängt.
Besonders augenfällig ist der Wandel in den Küstenorten Kata und Karon, die inzwischen als "Klein-Moskau" gelten. Kyrillische Straßenschilder, Restaurants mit russischsprachigen Speisekarten und sogar russisch-orthodoxe Kirchen prägen dort mittlerweile das Stadtbild. Ganze Viertel haben ihren ursprünglichen Charakter verloren. Was einst ein buntes Mosaik internationaler Urlauber war, gleicht stellenweise einer russischen Parallelwelt – mit eigener Infrastruktur, eigenen Netzwerken und einer Gemeinde, die stetig weiterwächst.
"Sie behandeln uns, als wären wir keine Menschen"
Der Frust unter den thailändischen Geschäftsleuten wächst spürbar. Ein lokaler Touranbieter beklagte, dass Russen die Eigentumsgesetze umgehen und ihm die Kundschaft abgraben würden. "Sie mieten die Boote, sie mieten die Minibusse. Sie haben ihre eigenen Webseiten, ihre eigenen Agenturen. Also verdiene ich weniger Geld", schilderte er die Situation.
Neben den wirtschaftlichen Spannungen sorgt auch das Auftreten vieler Neuankömmlinge für Ärger. "Viele sind ziemlich unhöflich. Sie respektieren thailändische Bräuche nicht", klagte ein weiterer Einheimischer. "Sie schreien herum und behandeln uns, als wären wir keine Menschen."
Die thailändischen Behörden haben inzwischen reagiert und gehen verstärkt gegen Russen vor, denen illegale Geschäftstätigkeit, Arbeit ohne Genehmigung und Visabetrug vorgeworfen wird. Festnahmen und Abschiebungen stehen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Drogenringen auf Telegram, Pornografieproduktion und Verstößen gegen das Immobilienrecht.
Zahlungskräftig, aber zunehmend isoliert
Trotz aller Konflikte bleibt die russische Gemeinde ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Phuket. Einheimische beschreiben die Neuankömmlinge als großzügige Geldgeber, die bereitwillig hohe Summen ausgeben. Auch bei den Visabehörden stoßen sie offenbar auf wenig Widerstand – Langzeitaufenthalte werden Russen nach Berichten vor Ort weiterhin vergleichsweise unkompliziert gewährt.
Gleichzeitig schottet sich die Gemeinschaft zunehmend ab. Aus Sicherheitsgründen bleiben viele Russen unter sich und bilden geschlossene Netzwerke. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russisches Territorium haben dabei die Stimmung zusätzlich aufgeheizt – und bei manchen Exil-Russen die Ablehnung gegenüber Putin weiter verstärkt.
So entsteht auf Phuket ein paradoxes Bild: eine Gemeinschaft, die vor dem Krieg geflohen ist, wirtschaftlich willkommen geheißen wird, kulturell aber zunehmend auf Ablehnung stößt – gefangen zwischen der Angst vor der Heimat und dem wachsenden Unbehagen der Gastgeber.
Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:
- Kriegsdrohung gegen Nato-Staat – russisches Staatsmedium rudert plötzlich zurück
- "Hätte anrufen können" – Putin-Minister lästert nach Wadephul-Treffen
- Rätselhafter Stotter-Auftritt – Kremlchef wirkt verwirrt vor Journalisten
- Peinliches Eingeständnis für Kremlchef – enger Vertrauter gesteht Kriegsdebakel ein
- Kreml-Lügen im Sekundentakt – so manipuliert Putin die Russen
bua/ife/news.de/stg
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.