Ukraine-Krieg aktuell: Putins "Erwachsenenspielzeug-Trick" bringt Elektronik für den Krieg nach Russland
Eine Recherche sorgt für Aufsehen: Chinesische Firmen sollen unter ungewöhnlichen Geschäftsprofilen Elektronik nach Russland geliefert haben. Darunter steht auch ein Anbieter von Erwachsenenspielzeug im Fokus.
Erstellt von Mia Lada-Klein - Uhr
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- NAKO untersuchte rund 1.800 ausländische Zulieferer
- Mikroelektronik im Wert von mehr als 800 Millionen Dollar im Fokus
- Gemeinsame Firmenadressen gelten als mögliches Warnsignal
Der Krieg in der Ukraine hat auch einen Kampf um moderne Elektronik ausgelöst. Mikrochips, Sensoren und andere Bauteile können sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden und stehen deshalb im Mittelpunkt internationaler Exportkontrollen. Eine Untersuchung der ukrainischen Antikorruptionsorganisation NAKO zeigt nun, wie schwer solche Lieferketten offenbar zu kontrollieren sind. Im Fokus steht unter anderem ein chinesisches Unternehmen, das sich nach außen als Anbieter von "intelligentem Erwachsenenspielzeug" präsentiert. Nach den von NAKO ausgewerteten Handelsdaten soll die Firma stattdessen elektronische Komponenten nach Russland geliefert haben.
Statt Erwachsenenspielzeug offenbar Mikroelektronik
Besonders kurios wirkt der Fall von Shenzhen NuanQin Technology. Das Unternehmen wirbt mit sogenannten Smart-Spielzeugen. Die von NAKO untersuchten Zollangaben weisen laut "Daily Star" demnach jedoch auf Lieferungen von Industrieelektronik hin. Dazu gehören unter anderem integrierte Schaltkreise und Elektromotoren. Zudem verweisen die Recherchen auf Verbindungen zu einem Händler für FPV-Drohnen. Die untersuchten Lieferungen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass jedes einzelne Bauteil später auf einem russischen Schlachtfeld eingesetzt wurde.
Auch andere Firmen mit ungewöhnlichen Geschäftsmodellen
Der Fall ist laut NAKO kein Einzelfall. Die Organisation untersuchte rund 1.800 ausländische Zulieferer, die nach ihren Angaben an Geschäften mit westlicher Mikroelektronik im Wert von mehr als 800 Millionen US-Dollar beteiligt waren. Viele der Unternehmen sitzen demnach in China oder Hongkong. Auffällig seien dabei Firmen mit kaum nachvollziehbaren Geschäftsprofilen oder ohne nennenswerte öffentliche Präsenz. Andere Unternehmen treten offiziell etwa als Händler für Pharmazeutika, Stahlzubehör oder andere zivile Waren auf.
Geteilte Adressen werden zum Warnsignal
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf Firmenadressen. NAKO identifizierte mehr als 200 Anschriften, die mit sanktionierten oder exportbeschränkten Unternehmen in Verbindung stehen sollen. Mehr als 450 Zulieferer nutzten nach Angaben der Organisation diese Adressen; zusammen sollen sie Handelsgeschäfte von beinahe 380 Millionen Dollar umfasst haben. Ein besonders auffälliges Beispiel ist ein Büro in Hongkong. Dort sollen mindestens 45 Unternehmen registriert gewesen sein. 14 davon standen demnach bereits unter Sanktionen oder Exportkontrollen, während 31 nicht entsprechend eingeschränkt waren. Zusammen sollen die Firmen Mikroelektronik im Wert von mehr als 16 Millionen Dollar nach Russland geliefert haben.
Die Forscher warnen allerdings ausdrücklich davor, allein aus einer gemeinsamen Adresse auf eine gemeinsame kriminelle Organisation zu schließen. Sie sehen darin vielmehr einen Hinweis darauf, dass klassische Prüfungen anhand einzelner Firmennamen möglicherweise nicht ausreichen.
NAKO fordert neue Methode gegen Sanktionsumgehung
Viktoriia Vyshnivska von NAKO sieht deshalb Handlungsbedarf bei den internationalen Kontrollmechanismen. Behörden und Unternehmen sollten ihrer Ansicht nach nicht nur Namen von Firmen überprüfen, sondern auch deren Geschäftsadressen und Verbindungen zu anderen Unternehmen. "Es dauert Jahre, etwas zu sanktionieren, das sich innerhalb von Tagen wiederholen lässt", lautet ihre zentrale Kritik.
Die Organisation schlägt deshalb einen besseren Austausch zwischen den Staaten vor. Gemeinsame Listen auffälliger Unternehmen und Adressen könnten helfen, neu gegründete oder umbenannte Firmen schneller zu erkennen.
Wie groß das tatsächliche Problem ist, bleibt offen
Die Untersuchung liefert zahlreiche Hinweise auf ungewöhnliche Handelsstrukturen, erlaubt aber nicht automatisch den Schluss, dass sämtliche beteiligten Firmen bewusst an einer gemeinsamen Umgehungsstrategie beteiligt sind. Auch die tatsächliche spätere Verwendung einzelner Komponenten lässt sich anhand von Zollangaben nicht in jedem Fall eindeutig feststellen. Fest steht laut der Recherche jedoch: Westliche Mikroelektronik gelangt weiterhin in erheblichem Umfang nach Russland. Gerade China und Hongkong spielen dabei in den untersuchten Lieferketten eine zentrale Rolle.
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mlk/news.de
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