Wladimir Putin: "Vom Wahn getrieben" - Ex-Siemens-Chef berichtet über Treffen mit Kremlchef

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser berichtet nach mehreren Treffen mit Putin über fast zwei Jahrzehnte von einer deutlichen Veränderung. Besonders 2020 habe er ihn als stark ideologisch geprägt erlebt.

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Wladimir Putin: Joe Kaeser berichtet von verstörendem Treffen mit "verbittertem" Kremlchef (Foto) Suche
Wladimir Putin: Joe Kaeser berichtet von verstörendem Treffen mit "verbittertem" Kremlchef Bild: picture alliance/dpa/Pool AP | Dmitri Lovetsky
  • Treffen mit Putin über fast 20 Jahre
  • Wandel vom Dialogpartner zum Hardliner
  • Eindruck von Frustration und Ideologie

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Der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser hat in einem Interview über seine zahlreichen Treffen mit Wladimir Putin gesprochen und dabei ein deutlich verändertes Bild des russischen Präsidenten gezeichnet. Über fast 20 Jahre hinweg habe er den Kremlchef mehrfach persönlich erlebt und dabei eine klare Entwicklung wahrgenommen, die aus seiner Sicht in eine problematische Richtung ging.

Wladimir Putin: Vom Dialog zur Distanz

Kaeser erinnert sich im "Tagesspiegel" an die frühen 2000er-Jahre als Phase, in der Putin noch offen für Kooperation mit Europa gewirkt habe. Damals habe der russische Präsident in politischen Reden sogar eine engere Verbindung zwischen Russland und dem Westen skizziert. Diese Haltung sei jedoch im Laufe der Jahre zunehmend in den Hintergrund geraten.

Spätestens um das Jahr 2014 herum, so Kaeser, habe sich der Ton deutlich verändert. In dieser Zeit sei Russland innenpolitisch unter Druck geraten, was sich seiner Einschätzung nach stärker auf die Außenpolitik ausgewirkt habe. Entscheidungen und Entwicklungen bewertet der Ex-Manager rückblickend kritisch und räumt ein, heutige Reisen nach Moskau anders einzuschätzen als damals.

Eindruck eines radikalisierten Machtzentrums

Besonders eindrücklich beschreibt Kaeser das letzte persönliche Treffen im Jahr 2020 in Sotschi. Dort habe er Putin als stark verändert wahrgenommen. Der ehemalige Siemens-Chef spricht von einem Putin, der "bleich und richtiggehend zerfressen von Ideologie und Frustration gewesen war, getrieben vom Wahn, die Sowjetunion wiederherzustellen". Die politische Linie habe sich aus seiner Sicht zunehmend verhärtet und auf eine Rückkehr alter Machtstrukturen ausgerichtet.

Persönliche Deutung der Entwicklung von Wladimir Putin

Kaeser führt die Veränderung unter anderem auf den Druck im eigenen Land zurück. Nach seiner Einschätzung habe Putin auf wirtschaftliche Rückschläge und internationale Isolation reagiert, indem er stärker auf außenpolitische Konfrontation gesetzt habe. Auch persönliche Kränkungen und geopolitische Rückstufungen Russlands seien aus seiner Sicht mögliche Faktoren für diese Entwicklung gewesen. Die Schilderungen des Ex-Managers zeichnen insgesamt das Bild eines tiefgreifenden Wandels, den er über Jahre hinweg aus nächster Nähe beobachtet haben will.

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