Julia Klöckner: "Das wär die richtige Bundeskanzlerin!" CDU-Politikerin bekommt überraschendes Lob

Julia Klöckner trägt selbst einen Organspendeausweis – trotzdem lehnt sie die geplante Widerspruchslösung ab. In einem persönlichen Video erklärt die Bundestagspräsidentin, warum sie es "problematisch" findet, wenn Schweigen künftig als Zustimmung gewertet wird. Im Netz stoßen ihre Worte auf Begeisterung.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Julia Klöckner äußert sich in einem emotionalen Instagram-Video zum Thema Organspende. (Foto) Suche
Julia Klöckner äußert sich in einem emotionalen Instagram-Video zum Thema Organspende. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Bundestag debattiert über neue Regeln für Organspende
  • Julia Klöckner meldet sich in emotionalem Instagram-Video zu Wort
  • Netz wünscht sich Bundestagspräsidentin als nächste Bundeskanzlerin

Der Bundestag könnte die Regeln für Organspenden in Deutschland grundlegend umkrempeln. Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten hat einen Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Widerspruchslösung eingebracht. Der Kern des Vorschlags: Jeder erwachsene Mensch würde nach seinem Tod automatisch als Organspender gelten – es sei denn, er hat dem zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner stellt sich gegen einen solchen Systemwechsel. In einem Instagram-Video erklärt die CDU-Politikerin, warum sie die automatische Zustimmung zur Organspende für "problematisch" hält.

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"Das halte ich für problematisch": Julia Klöckner äußert sich zur Organspende-Debatte

"Ich selbst beschäftige mich, seitdem ich 16 bin, intensiv mit dem Thema", sagt Klöckner und hält ihren Organspendeausweis in die Kamera. Damals habe eine Dokumentation über Menschen auf der Warteliste für Spenderorgane den Anstoß gegeben. Später vertiefte sie das Thema in ihrem Theologiestudium. Den Unterschied zwischen den beiden Modellen machte sie anschaulich: Derzeit liege die Freiheit darin, aktiv zuzustimmen. Ein Ja sei ein selbstbestimmtes Ja. Bei der Widerspruchslösung hingegen würde Schweigen als Zustimmung gewertet. Klöckner zog einen Vergleich zum Verbraucherrecht, wo ebenfalls das Opt-in-Prinzip gelte – etwa bei Cookie-Einwilligungen.

Trotz ihrer persönlichen Nähe zum Thema positionierte sich Klöckner deutlich gegen den geplanten Systemwechsel. Die Vorstellung, dass der Staat automatisch davon ausgehe, man sei Organspender, solange man nicht aktiv widerspreche, sei "nachdenkenswert bzw. problematisch", erklärte sie. Beim eigenen Körper handele es sich um "etwas sehr, sehr Intimes, Ureigenes".

Gleichzeitig betonte die Bundestagspräsidentin, dass es auf beiden Seiten berechtigte Argumente gebe. Kein Abgeordneter mache es sich bei dieser Frage leicht. Die Debatte sei intensiv, emotional und von einem "ganz persönlichen Ringen" der Parlamentarier geprägt. Klöckner stellte damit klar: Ihre Skepsis richtet sich nicht gegen die Organspende an sich – schließlich trägt sie selbst einen Spenderausweis –, sondern gegen die Art und Weise, wie der Staat künftig die Bereitschaft seiner Bürger voraussetzen würde.

600 Tage warten auf ein neues Herz

Die Reaktionen unter Klöckners Video fielen erwartungsgemäß kontrovers aus. Besonders eindringlich meldete sich ein Herztransplantierter zu Wort: "Ich habe ein neues Herz und musste dafür 600 Tage am Stück im Krankenhaus warten", schrieb er. Mit einer Widerspruchslösung wäre die Wartezeit deutlich kürzer gewesen. Er habe miterlebt, wie Menschen um ihn herum starben, weil schlicht die Zeit fehlte. Deutschland sei beim Thema Organspende "das Schlusslicht in Europa", während fast alle anderen europäischen Länder die Widerspruchslösung längst eingeführt hätten.

Am anderen Ende des Spektrums argumentierte ein Nutzer: Gott habe den Menschen so geschaffen, wie er sei. Der Staat habe kein Recht, über Organe zu entscheiden. Wieder andere nutzten die Kommentarspalte weniger für die Sachfrage als für Lobeshymnen auf Klöckner: "Das wär die richtige Bundeskanzlerin", hieß es etwa. "Kloeckner for President", heißt es in einem weiteren Kommentar.

Selbstbestimmung gegen Solidarität – ein Ringen ohne einfache Antwort

Im Kern dreht sich die gesamte Debatte um einen Konflikt zwischen zwei Grundwerten, die beide im Grundgesetz verankert sind: auf der einen Seite das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung, auf der anderen die ethische Verpflichtung zur Solidarität und Hilfe für Schwerkranke. Klöckner selbst benannte dieses Spannungsfeld in ihrem Video: "Wovon darf der Staat ausgehen? Aber wozu bin ich auch ethisch verpflichtet in der Hilfe, in der Solidarität zu anderen?"

Unabhängig vom Ausgang der parlamentarischen Debatte appellierte die Bundestagspräsidentin an alle Bürgerinnen und Bürger, sich schon jetzt aktiv mit der Frage zu befassen. Wer bereit wäre, im Ernstfall selbst ein Organ anzunehmen, der solle sich auch mit einer eigenen Spende auseinandersetzen – und sich im Organspenderegister eintragen oder einen Ausweis bei sich tragen. Denn eines steht fest: Die Wartelisten sind lang, die Zeit für viele Betroffene knapp.

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